Gegen Riesenbau in Attel: Initiative gegründet

Wegen Plan eines Bauträgers fürchten Bürger, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden

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Sachlich und ruhig verlief gestern Abend die erste Versammlung der Bürgerinitiative „Zum Erhalt des dörflichen Charakters von Attel“ im Attler Brauhaus. Gekommen waren zahlreiche betroffene Anwohner, sechs Wasserburger Stadträte, ein Vertreter der Stiftung Attl und jede Menge besorgter Bürger.  Es ging um das geplante Bauvorhaben mitten in Attel. Dort will ein Bauträger einen 67 Meter breiten Baukomplex errichten (wir berichteten). „Dagegen müssen wir was tun, bevor wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden“, sagten die Initiatoren der Initiative, Andrea und Manfred Bast sowie Sindy Limmer (Mitte).

Die Drei hatten geladen und übernahmen auch die Gesprächsleitung im Brauhaus. Ihre Forderung: Statt des gewaltigen Wohnkomplexes mit 30 Wohneinheiten auf dem Gelände der alten Klosterschänke, sollten kleine, überschaubare Wohnbebauung, möglichst mit nur fünf Einfamilienhäusern errichtet werden.

 

Der Protest der Attler fiel bei den anwesenden Stadträten Friedericke Kayser-Büker (SPD), Edith Stürmlinger (Bürgerforum), Armin Sinzinger (Freie Wähler), Josef Baumann (Freie Wähler) und Lorenz Huber (Bürgerforum) auf fruchtbaren Boden. Allesamt verstanden das Ansinnen der Attler, die den dörflichen Charakter ihrer Siedlung erhalten wollen. Dennoch gossen Stenger und Sinzinger stellvertretend für ihre Kollegen auch etwas Wasser in den Wein: „Grund und Boden ist nicht vermehrbar. Wir haben sehr viele Menschen, die händeringend eine Wohnung suchen“, so Peter Stenger (Foto). Das müsse man bei der geplanten Wohnbebauung mit bedenken. „Es wird in der Stadt Wasserburg und damit auch in Attel keine so luftige Bebauung mehr geben, wie auf dem Lande. Es gibt einfach zu viele Menschen, die sich ein Haus nicht leisten können.“  Und Armin Sinzinger ergänzte: „Wir sind im Rahmen des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes zur verdichteten Bebauung angehalten. Da können wir nicht aus.“

 

 

„Das Kind ist noch nicht in den Brunnen gefallen“

Dennoch waren sich alle Räte einig: „Einen solchen Riegelbau mit derartigen Ausmaßen darf und wird es in Attel nicht geben. Wir schauen dem Bauträger da genau auf die Finger. So geht’s nicht, dass man uns da so einen unverfrorenen Planentwurf hinschmeißt.“ Und Lorenz Huber bekräftigte: „Das Kind ist noch längst nicht in den Brunnen gefallen.“ Derzeit prüfe das Landratsamt die Pläne. Anfang Mai wisse man da mehr. Eine Veränderungssperre, wie von einigen Attlern gefordert, könne man erst nach der Aufstellung eines Bebauungsplanes verhängen, so Huber, der von Kayser-Büker Rückendeckung bekam: „Ich bin keine Juristen, aber da gibt’s schon Regeln, an die man sich halten muss, auch wenn es wie hier in Attel keinen Bebauungsplan gibt.“ Auch sie beruhigte die Anwohner: „Es fließt noch viel Wasser den Inn hinunter, bis da das letzte Wort gesprochen ist.“ Der Bauträger, so Kayser-Büker weiter, versuche natürlich erstmal, seine Interessen mit einem möglichst großen Plan durchzusetzen. „Letztlich geht es ja immer ums Geld.“

 

„Da entstehen Wohnungen für Exil-Münchner“

Wolfgang Slatosch, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Stiftung Attl und betroffener Anwohner warnte dennoch seine Nachbarn: „Der gleiche Bauträger, der bei uns diesen Riesenbau plant, hat erst vor kurzem gegen die Entscheidung des Gemeinderates Ramerberg seinen Willen durchgesetzt und baut jetzt nahezu nach seinen Wünschen in unserem Nachbarort Sendling.“  Es heiße, wachsam zu bleiben. Auch vor dem Hintergrund, dass in Attel vermutlich eher Wohnungen für Exil-Münchner als für Einheimische entstehen könnten.

Rektor und Förderlehrer Helmut Hammerbacher (links) vertrat an diesem Abend die Stiftung Attl. Er wolle in der Öffentlichkeit klarstellen, dass die Stiftung mit dem Bau und dem Bauträger überhaupt nichts zu tun habe. „Das soll ich ausdrücklich ausrichten.“ Und Hammerbacher weiter: „Auch, wenn nebenan hohe Gebäude der Stiftung, wie zum Beispiel das Schwesternheim, stehen, darf das nicht als Beispiel für einen Riesenwohnkomplex herangezogen werden. Unsere Gebäude sind schließlich geschichtlich vor einem ganz anderen Hintergrund entstanden.“

Martin Zoßeder (rechts neben Hammerbacher), führte als betroffener Anwohner noch einen ganz anderen Aspekt ins Felde: „Attel gibt doch gar nicht die Infrastruktur für so viele neue Wohnungen her. Es gibt keine Läden, keinen Arzt, keine Apotheke, keinen Kindergarten. Wer soll denn da hinziehen, wenn’s das alles nicht gibt? Familien sicher nicht.“ Die Attler Siedlung sei Jahrzehnte lang kleinteilig entstanden und von der großen Stiftung quasi inkludiert. „Ein solcher Baukörper zerstört das ganze Gefüge, das Nebeneinander.“ Für seine Feststellung bekam Zoßeder nicht nur viel Zustimmung, sondern auch gleich noch Schützenhilfe: „Weiß der Bauträger eigentlich, dass wir erst seit letzten August Internet haben?“, meldete sich ein Attler und bekam zustimmendes Lachen.

Lorenz Huber und Wolfgang Slatosch plädierten abschließend dafür, die weitere Entwicklung abzuwarten und nicht schon zu einem so frühen Zeitpunkt das ganze Pulver zu verschießen. „Es ist gut, dass sich die Initiative gegründet hat. Das erhöht den Druck auf den Kessel“, zeigte sich Huber zuversichtlich.

Am Ende der Diskussion brachte Markus Grathwohl noch zwei weitere Attler Themen auf den Tisch – nämlich die Wasser-Diskussion in Edling (wir berichteten) und die geplante DK0-Deponie bei Kornberg (auch darüber berichteten wir). Darüber wird gesondert berichtet. HC

 

Foto. Die Stadträte Lorenz Huber (links), Sepp Baumann und Edith Stürmlinger brachten sich rege in die Diskussion mit ein.

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4 Gedanken zu „Gegen Riesenbau in Attel: Initiative gegründet

  1. Bauleitplaner

    In mindestens einem Punkt irrt der Herr Huber: eine Veränderungssperre kann man nicht erst nach der Aufstellung eines Bebauungsplanes verhängen – das wäre ja auch kompletter Unsinn und widerspräche dem Zweck einer Veränderungssperre. Eine Veränderungssperre kann nach einem Aufstellungsbeschluss erlassen werden, um zu verhindern, dass schon vor Rechtswirksamkeit des Bebauungsplanes Fakten geschaffen werden. Mit der Satzung des Bebauungsplanes ist dann auch die Veränderungssperre hinfällig , weil dann das Baurecht nach den Vorstellungen der Gemeinde abschließend geregelt ist. Und natürlich ist es auch keine „Unverfrorenheit“, sondern das gute Recht eines Bauträgers, Pläne einzureichen – auch solche, die offensichtlich nicht annähernd genehmigungsfähig sind. Schließlich zahlt er den (gebührenpflichtigen) Ablehnungsbescheid auch aus eigener Tasche – das ist dann sein eigenes unternehmerisches Risiko.

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  2. Jeder will billig wohnen, deshalb vestehe ich es nicht, dass man immer gegen alles sein muss.

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  3. Liebe Attler,
    bleibts da hartnäckig! Ich kenne als Edlinger und ehemaliger Zivi in Attel die gegebenheiten recht gut. Ich bin auch heute noch regelmäßig drüben und pflege gute Kontakte. Bei den Agumenten gegen solch ein Bauvorhaben gebe ich ihnen allen vollkommen recht. Da würden einige Häuser ganz schön im Schatten stehen und diesen rasanten Zuwachs kann das Dorf wirklich nicht verkraften. Mit Leuten wie dem Huber Lenz, Baumann Sepp und Slatosch Wolfgang habts da scho moi sehr guade Kontakte auf eurer Seite. Eine Bürger Initiativa macht schon Druck, aber wir sehen es in Edling mit der Wasser Initiative dass die großen schon auch Beziehungen haben und nutzen ( siehe auch Beispiel vom Slatosch ). I drück euch die Daumen und bin auch gerne dabei wenn mal a Demo oder a Mahnfeuer ansteht.
    @ Wasserburger Stimme: Bitte immer fleißig
    weiterberichten.

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  4. @ Matthias; dann baumas dir vor d’Nasen.
    Dat se in Pfaffing guad macha.

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