Gefährdet Schilfmahd das Biotop?

Breitmoos bei Brandstätt: Grundstückseigentümer in der Gemeinde Edling sind besorgt

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Der Landschaftspflegeverband Rosenheim kümmert sich um Brachflächen, will naturnahe Landschaftsräume erhalten oder neu schaffen. Derzeit im Visier des Verbandes: Das Breitmoos bei Brandstätt in der Gemeinde Edling. Der Verband hat vor kurzem Grundstückseigentümern um ihr Einverständnis für eine „stellenweise Auslichtung” und „Mulchung” gebeten. In einem Naturraum, der seit vielen Jahrzehnten nahezu unberührt ist. Ein Paradies für Kleintiere hat sich dort gebildet. 15 Bienenvölker sind im Moos angesiedelt. Ein Teil der Eigentümer wehrt sich jetzt gegen das Vorhaben des Verbandes: „Jeder Eingriff ins Biotop wäre eine Katastrophe.”

„Wir vermuten, dass da Geldinteressen dahinterstecken. Mit der geplanten Schilfmahd kann man derzeit gut verdienen. Stroh und Schilf sind im Augenblick teuer”, sagt einer der sechs Grundstückseigentümer. Von ihm erhalte der Verband auf keinen Fall das Einverständnis für seinen Bereich.

Der Landschaftspflegeverband begründet die Streuwiesenpflege damit, einer jahrelangen Verbrachung entgegen wirken zu wollen. „Durch die einmal jährliche Mahd soll sich wieder eine artenreiche Streuwiese etablieren”, heißt es im Anschreiben des Landschaftspflegeverbandes an den Grundstückseigentümer. Man bitte deshalb um Einwilligung zur Mulchung und stellenweisen Entbuschung.

„Das ist doch der Wahnsinn, wenn man da mit den Mähmaschinen reinfährt. Eine Mulchung der nassen, tiefen Wiesen bedeutet mit Sicherheit das Sterben der Frösche. Wenn man Schilf und Büsche auch nur teilweise entfernt, ist das das Aus für viele Kleintierarten, deren Kinderstube das unberührte Biotop ist.” Ausgerechnet Faulbäume und Weiden wolle der Verband obendrein entfernen: „Lebensräume und Nahrungsquellen für die 15 Bienenvölker, die im Breitmoos angesiedelt sind”, so der erboste Grundstückseigentümer, der sich jetzt mit anderen zusammentun will und bereits erste Verbündete hat.

Zur Kritik an der Maßnahme des Landschaftspflegeverbandes nahm heute dessen Geschäftsführer, Dr. Markus Höper, gegenüber der Wasserburger Stimme Stellung: „Meistens freuen sich die Leute, wenn wir solche Maßnahmen ergreifen und in Brachland wieder Artenvielfalt ermöglichen. Wir haben in Babensham einen ganz ähnlichen Fall. Da hat man uns sogar um diese Maßnahmen gebeten, um die Moorflächen wieder etwas einsichtiger und artenreicher zu gestalten.”

In den vergangenen Jahren habe man auf unzähligen Flächen die jährliche Streuwiesenmahd mit Erfolg wieder eingeführt. Es habe nicht ein einziges Mal solche Proteste gegeben. „Wenn man das Schilf mäht, wächst es nach. Mäht man es öfter, dünnt es etwas aus und ermöglicht anderen Pflanzen und Blumen, sich wieder anzusiedeln.” Außerdem sei die Mahd nur auf zirka 30 Prozent der Gesamtfläche geplant.

Dr. Höper in seiner Stellungnahme abschließend: „Wer seine Einwilligung nicht erteilt, auf dessen Grundstück wird auch nicht gemäht oder entbuscht.” Eigentlich habe man für den März eine Probemähung geplant. „Wenn das aber noch höhere Wellen schlägt, lassen wir das natürlich bleiben. Wir müssen das nicht durchziehen.”

 

Das Breitmoos und die geplanten Maßnahmen:

Das Breitmoos bei Brandstätt an der B304,  nordwestlich von Edling, nimmt etwa eine Fläche von knapp sechs Hektar ein (orange Umrandung). Früher war das Breitmoos sicher an die zehn Hektar groß. Das Luftbild stammt aus dem Jahr 1983. „Man sieht im südwestlichen Bereich den Verlauf von Entwässerungsgräben (rote Pfeile), die belegen, dass zumindest der südwestliche Teil des Breitmoos‘ noch in den 70-er Jahren bewirtschaftet, also als Streuwiese genutzt wurde. Anderenfalls wären die Gräben bei viel länger zurückliegender Nutzungsaufgabe vermutlich nicht so deutlich zu sehen. Der zentrale Bereich ist wohl wesentlich länger nicht genutzt worden”, so der Landschaftspflegeverband.

Und weiter: „In einem ersten Schritt könnte der südwestliche Bereich  – zirka zwei Hektar – nach langer Verbrachung im ausgehenden Winter bearbeitet werden. Im Sommer 2019 könnte dann ein Ortstermin mit allen betroffenen Flächeneigentümern stattfinden, um das weitere Vorgehen abzustimmen und von Pflegemaßnahmen auszunehmende Biotope und Teilflächen festzulegen  – zum Beispiel Amphibientümpel, besonders sensible Bereiche.”

„Mit der Aufnahme der herbstlichen Schilfmahd könnte ein Teilbereich in eine artenreiche und blütenreiche Streu- oder Nasswiese entwickelt werden – beispielsweise mit Blutweiderich, Ufer-Wolfstrapp, Gilbweiderich, Wasser-Minze, Blutwurz, Großer Wiesenknopf, Sumpf-Helmkraut und vielem mehr. Feuchtgebüsche und bestimmte Schilfflächen werden in jedem Fall wegen der Schilfbrüter belassen”, heißt es vom Verband.

 

Fotos: Georg Barth

 

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11 Kommentare zu “Gefährdet Schilfmahd das Biotop?

  1. Bauer Franz sen.

    Muass da Mensch gscheida sei wia d’Natur ???

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  2. Der Mensch “ist” natur

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  3. Naja, der moderne Mensch hat sich leider ziemlich weit entfernt von dem, was man im engeren Sinn unter Natur versteht…

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  4. In der Einverständniserklärung für die Grundstückseigentümer steht: Stellenweise Auslichtung strauchiger Gehölze (z. B. Weiden und Faulbaum )
    Wer bei Google Die Honigmacher-Faulbaum oder -Weidenbüsche eingibt, kann nachlesen, wie wertvoll diese Sträucher für Bienen und Insekten sind.
    Das soll plattgemacht werden, nur weil ein Landwirt aus Ebersberg diesen Wahnsinn angestoßen hat. Er bekommt je Hektar bis 2000.- €uro für die
    Erstmahd und mulchen und 1400.- €uro für jede weitere Mahd und das nach dem Motto, Geld ist wertvoller als die Natur!!!
    Und noch eine Tatsache, das Breitmoos war noch nie eine Streuwiese, man hat bis vor ca. 60 Jahren nur an den Rändern und Inseln Schilf für Einstreu mit der Sense gemäht, die Hauptfläche stand unter Wasser.

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  5. Naja wenn der gute Mann so viel Geld vom Staat bekommt kann die Grundsatz Idee nicht so schlecht sein. Das Gesetz schreibt ja vor das solche Flächen und Moore zu schützen und pflegen sind. Also warum sollte dann ein Hafen Geld
    Bezahlt werden wenn das so schlecht ist??
    Vielleicht teilen sich da einfach die Meinungen und eigenen Belange.
    Ein Biogas Bauer baut groß flächig Mais, dass ist auch nicht sonderlich toll und wird auch geduldet.

    Glaub auch nicht das es ein leicht zu verdingendes Geld ist aber das ist Ansichtssache.

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  6. Der Mensch ist EIN TEIL der Natur !!!
    Er lebt von und mit der Natur, wobei die Natur sehr gut ohne Menschen leben kann.
    Wenn die Natur also gewollt hätte, daß in einer seit 60 oder mehr Jahren unberührten Flora und Fauna etwas anders sein sollte, wäre es vermutlich passiert.
    Naturschutz heißt die Natur schützen – vermutlich auch vor Menschen…

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  7. Danke, Martin und Max
    Es gibt Gottseidank noch Menschen mit Hirn, andere ham blos no Dollarzeichen in de Augn !!!

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  8. Was nützt ein Hirn, wenns von Neid zerfressen ist?

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  9. Mein Name ist Franz Bauer jun. und ich bin einer der Eigentümer des Breitmooses.
    Ich möchte hier gerne noch einige Details und Hintergründe zur Vorgeschichte dieses geplanten Eingriffs in die Natur nachreichen.

    Im Dezember 2018 kam ein Landwirt aus dem Grafinger Osten auf uns Moosbesitzer zu, ob er das Schilf im Moos mähen dürfe, da ihm Stroh zu teuer ist. Bezahlen kann er dafür aber leider nichts.
    Auf die Frage, ob er das kann und auch darf, meinte er, daß er die Genehmigung vom Landratsamt hätte und bereits mit speziellen Maschinen ausgerüstet ist.
    Daß allerdings jemand, der sich kein Stroh leisten kann (und das als Schwiegersohn einen großen Bauunternehmers), teure Spezialmaschinen in der Garage stehen hat, lies uns dann doch etwas stutzig werden!

    Auf Nachfrage bei der Unteren Naturschutzbehörde, ob eine solche Schilfmahd und Mulchen denn zulässig wäre, wäre die Dame am Telefon fast vor Entsetzen zusammengebrochen.
    Ein paar Tage später kam dann Post vom Landschaftspflegeverband mit einer Einverständniserklärung zum Entfernen von Bäumen, Büschen und Sträuchern sowie das Mulchen der Schilfflächen. Und das ist nun mal die “Lizenz zum Töten”, oder wie soll man das Mulchen mit schweren, zwillingsbereiften Traktoren sonst nennen.
    Auf Nachfrage beim LPV wurde uns mitgeteilt, daß sich besagter Landwirt wegen des Breitmooses an sie gewandt hat und der LPV dieses Vorhaben gerne unterstützt.
    Schließlich hat der LPV im letzten Jahr über 700.000,-€ (vermutlich Steuergelder) in die Landschaftspflege inverstiert.
    Bei einem weiteren Gespräch mit der Unteren Naturschutzbehörde war die selbe Dame nun plötzlich auch sehr angetan von diesem Vorhaben und sah darin keinerlei Nachteile!?!?

    Diese Umstände (und noch viele, viele weitere Tatsachen, die den Rahmen hier sprengen würden) sind für uns ein definitives Zeichen, daß hier wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen.
    Tatsachenberichte über bisher woanders durchgeführte Maßnahmen, die eher “suboptimal” abgelaufen sind, möchte ich hier lieber nicht veröffentlichen.

    Die vielen, sehr positiven Reaktionen aus unserem Bekanntenkreis und von Imkern der Umgebung bestätigen uns immer mehr in unserer Meinung und unserem Handeln.

    Fazit: Wir wollen kein Geld erhalten, wir wollen unsere Natur (so wie sie ist) erhalten!!!

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  10. @BauerFranzSen.
    Solche Anschuldigungen auf Grundlage reiner Vermutung zu veröffentlichen ist schon sehr mutig

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  11. Lieber Lederer
    Was verstehen Sie unter Anschuldigung auf Grundlage reiner Vermutung ???
    Herr Höper hat bei seinem Anruf am 07.01.2019 jede meiner Fragen beantwortet. Es war ein sehr freundliches und offenes Gespräch. Ich hoffe,
    er hat es ebenso empfunden. Dass wir uns nicht in allen Punkten einig sind, ist normal. Dass hier ein Landwirt aus Ebersberg unter fragwürdigen Aussagen das Mähen beginnt, haben wir einem ehrlichen Anwohner zu verdanken und sind an die Presse gegangen. Für weitere Fragen bin ich offen

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