Fußballer dürfen feiern

Wasserburg: Hauptausschuss genehmigt Party in der Hofstatt - Kontroverse Diskussion

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Es hat mächtig pressiert – kurz vor der gestrigen Sitzung des Hauptausschusses der Stadt hatten die Fußballer des TSV Wasserburg noch einen Antrag eingereicht, der letztlich für einigen Diskussionsstoff sorgte. Thomas Rothmaier, Geschäftsleiter der Stadt: „Wir mussten in aller Eile ein Konzept erarbeiten. Das ist an der Stelle nicht ganz einfach.“ Von Verwaltungsseite her sei man nicht glücklich darüber, dass am 29. Dezember in WFV-Bazarzelt in der Hofstatt eine Party mit 500 Besuchern über die Bühne gehen soll. 

„Ich will jetzt nicht als Spaßbremse dastehen, aber ich befürchte, wir bekommen da die gleichen Probleme wie beim Faschingszug, als die Polizei die Veranstaltung sogar beenden musste.“ Man habe sich mit der Inspektion kurz geschlossen. Die rate davon ab, die Party zu genehmigen. Rothmaier: „Wir hatten auch bei der Veranstaltung nach dem Faschingszug am Gries ganz massive Beschwerden. Und das befürchten wir diesmal auch wieder.“

Außerdem warnte der geschäftsführende Beamte vor den Wildbieslern im versteckten Bereich des Hennagassls. „Die Toiletten sind, wie bei der missglückten Feier am Gries, wieder außerhalb des Veranstaltungsgeländes geplant. Das kann erneut zu massiven Schwierigkeiten führen.“

Rothmaier weiter: „Es muss auf jeden Fall gewährleistet sein, dass der Fahrweg durch die Hofstatt offen bleibt. Wir müssen dort mit Feuerwehr und Rettungsdienst auf jeden Fall durchkommen.“

Die Fußballer planen rund 200 Gäste fürs Zelt und 300 im Freien. Zwar seien rechtlich dafür die vorhandenen 400 Quadratmeter ausreichend, „ich weiß aber nicht, wie man da insgesamt 500 Leute unterbringen soll.“

Bürgermeister Michael Kölbl ergänzte Rothmaiers Ausführungen: „Das war wirklich eine Herausforderung, die Sache noch in aller Eile auf die Reihe zu bekommen. Wir haben ja sonst nichts zu tun.“

Er, so das Stadtoberhaupt, könne sich die Veranstaltung schon vorstellen, aber natürlich nicht wie beantragt bis 5 Uhr morgens, sondern nur unter besonderen Auflagen:  „Musik-Ende im Zelt 24 Uhr, um 22 Uhr muss die Lautstärke reduziert werden, um 1 Uhr ist Ende der Veranstaltung, um 2 Uhr muss endgültig Ruhe sein. Die Rettungswege sind natürlich freizuhalten, der Brandschutz muss gewährleistet sein. Das heißt, es dürfen sich nicht mehr als 199 Besucher gleichzeitig im Zelt aufhalten. Das muss der Veranstalter genau kontrollieren, ebenso die Gesamtbesucherzahl von 500.“

Außerdem seien mindestens die gesetzlich geforderten fünf Mann an Sicherheitsdienst zu beauftragen.

Wolfgang Janeczka (SPD) unterstützte den Antrag der TSV-Fußballer: „Das Konzept, das man entwickelt hat, ist doch völlig in Ordnung. Wenn alle Auflagen eingehalten werden, sehe ich da keine Probleme. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht komplett zu  Spaßbremsen abgestempelt werden.“

Natürlich könne es bei solchen Veranstaltungen zu Probleme kommen, „aber deshalb dürfen wir das nicht gleich von vorneherein ablehnen“. Ihm, so Janeczka, erscheine die vorgeschriebene Zahl an Ordnungskräften ein wenig gering: „Zehn Ordner wären da bestimmt besser.“

Grünes Licht bekamen die Fußballer auch von Markus Hoeft (Grüne): „Das Problem mit den Wildbieslern im Hennagassl kann man sicher mit einem einzigen Ordner an der richtigen Stelle regeln. Die ganze Sache steht und fällt meiner Meinung nach mit dem Einsatz von Ordnern.“ Grundsätzlich sei er aber für die Veranstaltung.

Das sieht Armin Sinzinger (Wasserburger Block) ganz anders: „Um 22 Uhr soll die Musik leiser werden. Wie soll denn das funktionieren? Und wie will man die Leute da zurückhalten, wenn statt der geplanten 500 plötzlich 1000 kommen. Spaßbremse hin oder her, die Altstadtbewohner haben jetzt dann vier Wochenenden Christkindlmarkt hinter sich und brauchen nicht auch noch diese Veranstaltung. Ich denke, es wäre besser, mit einer solchen Party auf den Sportplatz auszuweichen.“

Edith Stürmlinger (Bürgerforum): „Dass die Polizei dagegen ist, ist doch klar. Keine Party macht weniger Arbeit.“ Man sollte den Verantwortlichen beim TSV schon ein wenig Vertrauensvorschuss erteilen. „Es ist zusammen mit der Verwaltung ein Konzept erarbeitet worden, das muss doch ausreichen. Von mir aus würde ich sogar bei allen Zeiten noch zwei Stunden obendrauf geben. Gebt den jungen Leuten mal eine Chance.“

Bedenken äußerte Elisabeth Fischer (CSU): „Der geplante Veranstaltungsort erscheint mir schon ein wenig klein. Ich habe ein bisserl Angst um die Stadt.“ Außerdem glaube sie nicht, dass die Polizei das wegen zusätzlicher Arbeit ablehnt. „Und die Anwohner werden wieder belastet. Gibt’s denn da keinen anderen Platz? Ich habe da wirklich starke Bauchschmerzen.“ Darauf Edith Stürmlinger: „Wo anders geht das nicht. Es geht nur mit dem vorhandenen Zelt, das der Wirtschafts-Förderungs-Verband den Fußballern kostenlos überlässt. Ein Zelt am Sportplatz für einen Abend aufzustellen, ist viel zu teuer.“

Die Probleme beim Faschingszug seien übrigens deshalb entstanden, weil es keinen Ein- und Auslass-Stempel gegeben habe und so ein Chaos am Eingang entstanden sei. „Das mit den Toiletten außerhalb des Veranstaltungsgeländes lässt sich aber sicher  ohne Probleme regeln“, so Stürmlinger abschließend.

Der Hauptausschuss genehmigte gegen die Stimme von Armin Sinzinger die Veranstaltung der Fußballabteilung des TSV Wasserburg am Samstag, 29. Dezember, unter den genannten Auflagen. 

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8 Gedanken zu „Fußballer dürfen feiern

  1. Ein Musterbeispiel, wie Wasserburg funktioniert. Spaßbremsen vs. Polizei vs. Wildbieslern vs. Fußballer vs. Stadtverwaltung.
    Und es ist auch klar, wer sich von den Stadträten wie positioniert.
    Mir persönlich ist es unbegreiflich wie einem „Veranstalter“ erst drei Wochen vorher einfällt, so eine große Veranstaltung mitten in der Stadt durchführen zu wollen. Das hat wenig mit „gemeinsam“ die Stadt gestalten zu tun.

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  2. Altstadtbewohner

    Sehr schön, dass die Veranstaltung von der Stadt genehmigt wurde.
    Wir sollten einfach alle früh genug hingehen, dann macht es auch nichts, dass die Veranstaltung um 1 Uhr beendet ist.

    Ich finde die Idee mit der Party super!
    Danke für die Genehmigung,

    Ein Anwohner aus der Altstadt

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  3. Altstadtbewohner

    Ich persönlich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen!!!

    Ich sage ja nichts gegen die großen Veranstaltungen die fast monatlich in der Altstadt stattfinden. Das ist für mich absolut nachvollziehbar und tolerierbar und zudem auch sicherlich ein Gewinn für die Stadt und deren Einwohner.
    Aber wenn jetzt jede Abteilung des Sportvereins seine eigene Privatparty mitten in der Stadt ausrichten kann finde ich das schon bedenklich!!!

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  4. Man kann nirgends lesen, um was für eine Party es sich handelt… Haben die was zum Feiern, Jubiläum, usw.?
    Im neuen Vereinsheim bekommen sie auch 199 Gäste stehend unter und draußen wesentlich mehr, als in der Hofstatt genehmigt wird.

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  5. Gerade als Fußballverein würde sich doch nichts Besseres anbieten, als dass man so eine Party auf dem Fußballplatz macht.
    Der Platz ist groß genug und da störts niemanden …

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  6. Zum Thema 199 Gäste. Ich bin sogar der Meinung dass es bei den 199 Personen auch noch das Personal und Helfer abgezogen werden muss, dann sind es schnell nur noch 170 Leute. Es geht ja wohl um den Brandschutz deswegen unter 200 Personen und da ist es egal ob Barkeeper oder Gast.

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  7. Wir Altstadtbewohner sollten wegen einer einzigen schlaflosen Nacht mehr nicht so spaßbremsig rumjammern. Wir sollten uns lieber glücklich schätzen, dass der TSV nicht auch noch z.B. eine Speedway-Abteilung hat. Gegen ein kleines, aber spektakuläres Rennen durch die nächtliche Altstadt könnte man doch eigentlich auch nichts haben, lieber Hauptausschuss, oder?

    Wär dann ja auch nur einmal im Jahr. Dem Partyvolk und dem WFV würd so ein Rennen sicher super gefallen. Und wer unbedingt in der Altstadt wohnen will, muss halt auch mal ohne Schlaf auskommen, wenn’s dem Grundrecht auf Bespaßung dient.

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  8. Vera Freilinger

    Oma Hofstatt: Also, wenn das Sportheim in der Nacht sowieso leer steht, dann könnten wir Hofstattler doch dort übernachten…. Äh, jetzt ist mir grad was entfallen. Kommt ja öfter vor bei älteren Menschen. Wofür werden Sportheime eigentlich gebaut?

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