Fertige Bäder für die Baustelle

Am gestrigen Abend wurden in Rosenheim die Gründerpreise 2019 vergeben. Lukas Schiffer (vorne sitzend) und Markus Hoos sind die Gewinner! Mit ihrem Rosenheimer StartUp-Unternehmen „Tjiko“ bauen sie komplette Badezimmer für mehrgeschossige Gebäude in Holzbauweise. Die Bäder werden als fertiges Modul geliefert und müssen auf der Baustelle nur noch eingehoben und angeschlossen werden. Das spart Zeit und minimiert die Fehlerquote auf maximal ein Prozent. Die Bäder können online individuell konfiguriert werden. Organisiert wurde der Wettbewerb von der Wirtschaftsförderung im Landratsamt Rosenheim und der Wirtschaftsförderungsagentur der Stadt Rosenheim.

Auf unserem Foto von links die Preisträger: Nadine Saghafi, Ali Seena Noori, Ronald Djomkam, Ansgar Kersch, Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, Lukas Garbellotti, Julian Trautwein und Lukas Schiffer (vorne auf dem Bürostuhl)

Zuvor gab es Lob für alle 18 Teilnehmer, die einen Businessplan eingereicht hatten. „Es erfordert Mut, Herzblut und Energie, um eine Idee entstehen und wachsen zu lassen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling und Hausherr Alfons Maierthaler. Alle seien Gewinner, egal wie die Jury entschiedenen habe, denn alle haben nun ein riesiges Netzwerk an Ansprechpartnern, welches sie auch weiterhin unterstützen werde.

Auch Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabrielle Bauer ermutigte die Gründerinnen und Gründer am Ball zu bleiben. „Unternehmensgründungen sind die entscheidenden Treiber für den wirtschaftlichen Aufschwung einer Region. Sie schaffen Arbeitsplätze und setzen Wachstumsimpulse.“

Der stellvertretende Landrat Josef Huber aus Babensham verwies darauf, dass der Wirtschaftsraum Rosenheim seine Attraktivität und Stabilität zu großen Teilen den vielen erfolgreichen Unternehmen unterschiedlichster Branchen verdanke. „Damit dies erhalten bleibt, werden kreative und vor allem auch mutige Gründerinnen und Gründer benötigt, die für den Schritt in die Selbstständigkeit möglichst vielfältige Unterstützung verdienen“, so Huber.

Hartmut Drexel von der Handwerkskammer für München und Oberbayern schwärmte von den eingereichten Businessplänen. „Als Juror hat es wirklich Spaß gemacht zu sehen, wie die Pläne ausgearbeitet und präsentiert wurden.“ Das Handwerk sei schon lange nicht mehr so, wie wir es aus „Meister Eder und seinem Pumuckl“ kennen, sagte Drexel.

Inzwischen werden Pralinen in Meisterqualität im 3-D-Drucker hergestellt, Malermeister messen die Außenfläche eines Hauses mit einer App auf ihrem Handy und Friseure werben digital …

Auch Wolfgang Janhsen von der Industrie und Handelskammer für München und Oberbayern sprach über die Veränderungen. Arbeit sei für die jungen Menschen heute nicht mehr nur Mittel zum Zweck. Die Work-Life-Balance habe einen großen Stellenwert. Als Gründer habe man alle Möglichkeiten, sein Leben selbst zu gestalten.

Die Gewinner des Gründerpreises 2019 haben mit ihrer Idee eine Nische gefunden und bei der Fertigung individueller Badmodule ein Monopol. Laudator Professor Dr. Bernhard Holaubek von der Technischen Hochschule Rosenheim lobte das Geschäftsmodell als eine Kombination aus der klassischen Welt des Handwerks und der industriellen Fertigungswelt – umhüllt von mit einem Mantel Digitales.

Wie Holaubek sagte, sei die Jury auch von den Gründern selbst beeindruckt gewesen. Sie haben 2018 ihre Bachelorarbeit geschrieben, ihre Firma gegründet, nebenbei den Businessplan geschrieben und nun auch noch den ersten Preis gewonnen. Die Gründer haben auch weiter ambitionierte Pläne. Bis 2021 wollen sie mit ihrem Geschäftsmodell auch in Skandinavien, Kanada und den USA auf den Markt gehen. Als Hauptgewinn gab es neben dem Pokal 2.000 Euro und einen Chefsessel der Firma Steelcase AG.

Ein Riesenpotenzial bescheinigt Marcus Thaller von der Innsiders Media GmbH in seiner Laudatio auch den Zweitplatzierten. „Die Gründer dürfen weiter und größer denken, als im Businessplan dargestellt“, sagte Thaller. Mit „Grumpy Bavarian“ wollen Lukas Garbellotti, Vadim Dick, Stephanie Popall, Julian Trautwein und Tuba Varisli in München Souvenir-Automaten mit authentischen, bayerischen Souvenirs aufstellen. Das Besondere daran, hier kann rund um die Uhr eingekauft werden. Die Automaten werden über einen Touchpad bedient und empfangen die Touristen in verschiedenen Sprachen.

Zusätzlich gibt es die Möglichkeit sich die erworbenen Souvenirs über eine Versandoption direkt nach Hause liefern zu lassen. Für diese Idee gab es 1.000 Euro sowie ein zweitägiges Coaching der Firma BAYERN CONSULT.

Über 500 Euro und ein Corporate Design im Wert von 1.000 Euro durfte sich die Drittplatzierte Nadine Saghafi freuen. Ihre Seite www.baufortschritte.de soll es Bauherren ermöglichen, den Baufortschritt der eigenen Wohnung oder des Hauses online zu verfolgen, wenn die Zeit fehlt oder die Entfernung zu weit ist, um selbst regelmäßig auf die Baustelle zu fahren. Mit ihrem Team möchte sie regelmäßig aktuelle Fotos der Baufortschritte und Drohnenbilder liefern. Das spart auch den Baufirmen Zeit, da sie den Kunden nicht mehr selbst auf dem Laufenden halten müssen.

Der mit 3.000 Euro dotierte Digitale Sonderpreis ging an Ansgar Kersch, Alex Schindhelm und Ronald Djomkam und ihre App „Playd“. Playd ist ein soziales Musiknetzwerk, das es ermöglicht, mit anderen Nutzern zur selben Zeit denselben Musiktitel zu hören. Dabei werden die Informationen über den Musiktitel an die Mithörer übertragen. Wie in sozialen Netzwerken üblich, können Nutzer ihre Profile pflegen, sich untereinander vernetzen und miteinander kommunizieren. Der Kern liegt jedoch auf dem gemeinsamen Hören von Musik. Die App soll es für Android und iOS geben.

Der Schülerpreis ging in diesem Jahr an Ali Seena Noori. Er möchte mit seiner Familie ein Restaurant in Rosenheim mit afghanischen Spezialitäten eröffnen. Gemeinsam mit seiner Familie ist er vor fünf Jahren vor dem Krieg nach Deutschland geflohen. „Durch die afghanische Küche werden Sie mein Land von seiner besten Seite sehen“, sagte Noori. Als Preis gab es 200 Euro.

Für alle fünf Gewinner gab es zusätzlich einen Laserdrucker der Firma Bensegger.

Insgesamt nahmen in diesem Jahr 36 Existenzgründer und junge Unternehmen am Gründerpreis 2019 teil. Alle Teilnehmer hatten die Möglichkeit an neun verschiedenen Workshops teilzunehmen. Letztlich wurden der Jury 18 Businesspläne zur Beurteilung vorgelegt. Die Jury besteht aus 19 Mitgliedern verschiedener Organisationen, Unternehmen und Experten aus der Region.