Fachkräftemangel wird zur Gefahr

Baubranche im Landkreis Rosenheim: 58 Stellen über 90 Tage lang unbesetzt

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Handwerker gesucht: Der Mangel an Fachkräften könnte für Baufirmen im Landkreis Rosenheim in den nächsten Jahren zu einem ernsten Problem werden. Davor warnt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach gibt es in den Bauberufen immer größere Schwierigkeiten, Personal für offene Stellen zu finden. Im vergangenen Jahr blieben im Kreis Rosenheim 58 Stellen in der Branche länger als 90 Tage unbesetzt.

„Ob es um den Bau von Wohnungen und Straßen oder die Sanierung von Brücken geht – viele Firmen arbeiten wegen der anziehenden Nachfrage längst am Limit. Und das sogar in Zeiten von Corona. Um die Aufträge zu bewältigen, müssen sie jetzt in die Fachleute von morgen investieren“, sagt Michael Müller, Bezirksvorsitzender der IG BAU Oberbayern. Die Branche müsse jedoch deutlich attraktiver werden. Das fange bei einer besseren Bezahlung an, so Müller. In der laufenden Tarifrunde für das Bauhauptgewerbe fordert die Gewerkschaft ein kräftiges Lohn-Plus. Außerdem soll die lange, bislang meist unbezahlte Fahrerei zur Baustelle entschädigt werden.

 

„Aktuell erleben wir einen regelrechten Facharbeiter-Schwund. Drei Jahre nach der Ausbildung haben im Schnitt zwei von drei Bauarbeitern ihre Branche verlassen. Der Trend muss unbedingt gestoppt werden“, betont Müller. Neben höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen komme es dabei auch auf ein gesundes Betriebsklima an. Beschäftigte vermissten häufig Respekt und Anerkennung für ihre Leistung. „Kein Wunder, dass sich da mancher nach einem anderen Beruf umschaut“, so Müller.

 

Wie sehr der Fachkräftebedarf in Zukunft anwachsen könnte, zeigt eine Studie der Sozialkassen des Baugewerbes (SOKA-BAU). Danach dürften in den nächsten zehn Jahren bundesweit 150.000 Bau-Beschäftigte in Rente gehen. Das ist jeder sechste Arbeitnehmer in der Branche.

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9 Kommentare zu “Fachkräftemangel wird zur Gefahr

  1. Es braucht sich doch keiner wundern!? Die Firmen müssen sich halt mal Gedanken machen, was sie dazu beitragen könnten.
    Mehr Urlaub, bessere Arbeitszeiten, mehr Lohn,
    einen menschenwürdigen Umgang.

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  2. Es will doch niemand mehr am Bau arbeiten, sich die Hände dreckig machen oder bei Wind und Wetter draußen arbeiten!

    Heutzutage will doch jeder am liebsten nur noch studieren oder gleich aufm Chefsessel sitzen!

    Da braucht man sich nicht wundern, wenn man keine Männer oder Jungs findet für die Baubranche!

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  3. Da kann ich meinen Vorrednern nur Recht geben.
    Ein Tipp an die Arbeitgeber:
    Eine angemessene Bezahlung wirkt Wunder und lockt auch den ein oder anderen Azubi wieder ins Handwerk!

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  4. @Tini:wieso eigentlich nur Jungs?
    Eine Quote könnte da doch sicher helfen.. Lol
    Der Markt würde es richten, weniger Staatsauftraege, wesentlich höhere Nettolehne und ne gute “Haklerrente” nach 35 Berufsjahren – dann gaebs das Problem nicht

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  5. Landwirt aus Leidenschaft

    Das kommt davon wenn jeder auf ´s Gymnasium gehen muss.

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    1. Als Erbe eines Millionenhofes kann man leicht lästern über die Leute, die erstmal in Ausbildung investieren müssen, um im Alter von 30 dann erstmalig gutes Geld zu verdienen.

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      1. Landwirt aus Leidenschaft

        Und so ein Millionenerbe ist nicht mit harte Arbeite zu erhalten und zu pflegen. Die Ausbildung unser Kinder hat auch Geld gekostet aber da haben wir gerne übernommen. Meine Kinder haben alle eine Handwerklichen Beruf erlernt und verdienen jetzt mit 22 Jahren schon alle ihr eigenes Geld und das nicht wenig. Sie haben kein Abitur. Wenn ich mit 30 Jahren erst mein eigenes Geld verdiene dann hab ich sehr lange auf Kosten der Arbeitenden Bevölkerung gelebt.

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  6. Do ham’s Recht Tini. Jeder mächt an haufn Geld verdienen und fui Freizeit hom. Und sich de Finger schmutzig macha geht gar ned. Wer zoid dann den Lohn? Do wern a de Preise höher. Wer will des no bezahlen? Wenn a Handwerker bzw. a Firma zu teuer ist, dann werden Handwerker, Bauarbeiter aus dem Ausland koid. De san billiger.

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  7. Andreas Wuchterl

    Ich finde die aktuellen Kommentare sehr Interessant.
    Was ich in der Diskussion vermisse sind die Möglichkeiten was das Handwerk bietet.
    Wir haben es bei uns in der Firma selbst erlebt, das ein Lehrling mit Hauptschulabschluss mit einer guten Meisterprüfung in den Studiengang gewechselt hat und sauber abgeschlossen hat. Auch ist eine spezialisierte Weiterbildung zum Kundendiensttechniker oder Meister möglich. Dazu braucht es kein Gymnasium.
    Erstes Geld mit 16 Jahren als Lehrlingsgehalt erhalten, 3,5 Jahre Ausbildung. Gesellenjahre, 1 Jahr Meisterprüfung wo man sich auf den Hintern setzten sollte und kein Einkommen hat. Das kann man überbrücken wenn man im Vorfeld plant oder mit dem Chef redet. Möglichkeiten gibt es viele.
    Aus meiner Sicht ist es wichtig das jeder den Beruf findet der ihm wirklich Spaß macht. Mal ehrlich; 40 Jahre in eine Arbeit schleppen ist doch Wahnsinn! So viel Schmerzensgeld/Gehalt kann doch gar nicht gezahlt werden.

    Unsere Aufgabe als Eltern (und auch aus Ausbildungsbetrieb) ist es mitunter zu finden was den Kindern (oder Praktikanten) Spaß und Freude macht. Erst wenn Arbeit Spaß und Freude macht und man am Abend mit einem zufriedenen Gefühl nach Hause geht ist es aus meiner Sicht richtig und gut.
    Ich hatte diese Woche ein Gespräch mit einem Praktikanten der mir wirklich freudestrahlend erzählt hat wie toll es ist mit Kunden und Kollegen zu arbeiten und mit seinen eigenen Händen etwas zu schaffen. Ich bin mir sicher, wenn der Junge (oder Mädel) dieses Gefühl regelmäßig nach Hause bringt ist der richtige Beruf gefunden.
    Natürlich muss die Bezahlung stimmen und ein gutes Leben ermöglichen. Ich denke das Handwerk wurde in den letzten Jahren von uns Eltern teilweise “Stiefmütterlich” behandelt. Warum und wieso ist jetzt egal.
    Tatsache ist das wir im SHK (Sanitär/Heizung/Klima) Gewerk als systemrelevant eingestuft sind und während der Corona Krise mit einigen Umstellungen weiter gearbeitet haben. Das hat uns Sicherheit gegeben. Und mit uns meine ich mich als Chef und alle Mitarbeiter sowie unsere Kunden.
    Und Sicherheit ist ein verdammt gutes Gefühl.

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