Etwas Licht am Ende des Tunnels

Heute in einer Woche: Nach über zwei Monaten Corona-Zwangspause dürfen die Gastronomen teilweise wieder öffnen

image_pdfimage_print

Mund- und Nasenschutz, Mindestabstand, begrenzte Gästezahl: Unter strengen Auflagen können bayerische Gaststätten heute in einer Woche wieder Speisen und Getränke servieren – allerdings vorerst nur im Freien. Wir haben mit Wasserburger Wirten gesprochen, wie sie den Lockdown überstanden haben und wie sie sich auf die Wiedereröffnung vorbereiten.

„Wir haben jetzt schon Reservierungen“, strahlt Jujhar Singh, Inhaber des gleichnamigen Restaurants für indische und italienische Spezialitäten am Palmanopark, „wir freuen uns riesig!“ Seit 19. März musste Singh seine Gaststätte wegen Covid-19 geschlossen halten, am 18. Mai öffnet er zunächst seine Außenflächen. „Normalerweise haben wir dort Platz für 90 Gäste“, sagt Singh, „aber weil wir den Abstand gewährleisten müssen, werden wir wohl nur maximal 60 Personen bewirten können.“ Bis 20 Uhr darf laut Vorgaben der Staatsregierung dort gegessen und getrunken werden, ab 25. Mai kann Singh, so wie alle Wirte im Freistaat auch, in den Gasträumen bis 22 Uhr bedienen.

Dass er und alle anderen Bediensteten Gesichtsschutz tragen müssen, werde sicher nicht einfach, „aber es hilft ja nichts“. Auch die Gäste müssen den Schutz tragen, wenn sie das Restaurant betreten oder auf die Toilette müssen – nur am Tisch gilt „ohne“.

Zwar unterhielt Singh in den letzten Wochen einen Straßenverkauf, aber die Verluste konnten damit kaum aufgefangen werden. Der Restaurantchef: „Wir haben aber noch Hoffnung!“

 

Auf dieses Prinzip setzt auch Miriam Sommer, Inhaberin der Wasserburger Kultkneipe „Roter Turm“. Derzeit steht sie noch in Verhandlungen mit der Stadt, mehr Außenfläche zu bekommen, erkennt aber bereits ein Entgegenkommen der Kommune. Unter normalen Umständen gibt es elf Tische, an denen rund 70 Gäste sitzen können – allerdings eher dicht gedrängt.

„Wir versuchen das irgendwie zu halten“, hofft Sommer, „wenn wir uns etwas ausdehnen dürfen.“ Von 12 Uhr bis 20 Uhr soll der „Turm“ draußen geöffnet bleiben, bis 21.30 Uhr gibt’s dann Speisen und Getränke „To Go“. Natürlich: Auch ihr Personal müsse sich an die neuen Öffnungszeiten anpassen, denn ihre Gaststätte war bislang ein Abend- und Nachtlokal „und da haben wir erstmal schlechte Karten.“ Durch Rücklagen konnte Sommer das entgangene Geschäft etwas kompensieren, das sei gerade noch machbar. „Wenn die Lage sich wieder normalisiert, werden wir eine Party feiern“, verspricht die „Turm“-Chefin.

 

Finanzielle Unterstützung vom Staat und der Straßenverkauf halfen Gianluca Fusaro, Chef der „Taverna Italiana“, über das Gröbste hinweg. „Etwa 50 Prozent konnte ich damit abdecken“, sagt Fusaro. Gegenwärtig seien nur vier seiner zwölf Mitarbeiter beschäftigt, die anderen habe er in Kurzarbeit schicken müssen. Derzeit plant er, den Platz auf seiner Außenfläche optimal auszunutzen.

Kopfzerbrechen bereitet ihm nicht nur der geforderte Gesichtsschutz für das Personal („das wird stressig, wenn viel los ist“), sondern auch die Tatsache, dass womöglich auch viele seiner Kunden in Kurzarbeit gehen mussten und deshalb das Geld knapp sein könnte, um auszugehen. Die beschlossene Reduzierung der Umsatzsteuer für ein Jahr auf sieben Prozent (statt 19 Prozent) bezeichnet Fusaro lediglich als „Leckerli“: „Es wird schwierig werden.“

 

Seine überschaubare Freifläche sieht Jakob Hastreiter, Inhaber des „Queens Café und Pub“ als großes Problem. „Von knapp 50 Plätzen werden wohl nur 20 übrig bleiben“, schätzt Hastreiter, der außen von 12 bis 20 Uhr öffnen möchte. Obwohl das „Queens“ in den vergangenen zwei Monaten komplett geschlossen hatte, seien die Verluste nicht ganz so schlimm, vorausgesetzt, das Geschäft laufe gut in der nächsten Zukunft. Freilich: Auch Hastreiter musste drei seiner vier Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken.

 

Alle zwölf Beschäftigten hofft Amina Suvalija, Chefin vom „Huberwirt am Kellerberg“ behalten zu können – auch sie waren in Kurzarbeit. Auf „Plus minus null“ taxiert Suvalija die Bilanz der letzten acht Wochen. Seit einer Woche bietet auch sie Mitnahmeservice an.

Im Moment misst die Inhaberin den Biergarten aus, wo sonst 90 Gäste sitzen können. „Aber mehr als 45 Plätze werden wir wohl wegen der Abstandsregelung nicht bieten können“, befürchtet Suvalija. Ab 18. Mai hat der „Huberwirt“ von 11.30 bis 14 Uhr und von 17 bis 20 Uhr zunächst draußen geöffnet. „Uns bleibt nur abzuwarten, dass die Normalität wieder einkehrt“, so die Inhaberin nachdenklich.

 

Große Hoffnung setzt Wolfgang Thüring, Chef vom Perfall Restaurant Eiselfing, auf gutes Wetter. „Nur dann können wir unseren Biergarten mit Schwung öffnen“, kündigt Thüring an. Unter normalen Umständen gibt es Platz für rund 90 Personen, man müsse sehen, wie viele Gäste nun unter Berücksichtigung des Abstandes an den Tischen sitzen können. „Aber wir haben auf unserer Fläche zum Glück die Möglichkeit, uns auszudehnen“, sagt der Wirt.

Acht Wochen lang sei sein Restaurant „auf Null gefahren“. Zwar habe Thüring Soforthilfe beantragt: „Aber ich weiß noch nicht, ob mir nicht doch im nächsten Monat schon die Bank aufs Dach steigt…“ CF

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren

Ein Kommentar zu “Etwas Licht am Ende des Tunnels

  1. Ich hoffe, dass die Ordnungsämter/hüter kulant sind und die durchgebeutelten Wirte nicht auch noch überhart filzen.
    Wenn die Gäste vernünftig sind kann absolut nix passieren.
    Treffen sich eh seit mindestens 2 Wochen alle privat, vogelwuid und unkontrolliert zu eskalativen Orgien…
    Fallzahlen sind dennoch gefühlt bei Null.
    Auf gäds!!

    Antworten