Es sind noch Plätze frei

Kapazitäten für Corona-Patienten in den Landkreisen Rosenheim und Miesbach noch richtig gut

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Vorausschauendes Handeln. Oft gewünscht, selten gemacht. Nicht so bei den Kliniken in den Landkreisen Rosenheim und Miesbach. Dort haben die Verantwortlichen angesichts der drohenden Corona-Krise schon im Februar die richtigen Dinge gemacht und Platz geschaffen für einen großen Ansturm. Der blieb zum Glück aus. Deshalb haben die Krankenhäuser der Region noch genügend Kapazitäten frei. Für Covid-19-Fälle ebenso wie für Patienten mit anderen Gebrechen.

Beim virtuellen Pressegespräch am Mittwochnachmittag waren sie alle versammelt: Der Ärztliche Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz Dr. Michael Städtler, Dr. Hanns Lohner (Foto) von den RoMed-Kliniken, Dr. Steffen Herdtle vom Krankenhaus Agatharied, Dr. Volker Huge von den Schön Kliniken und Professor Peter Young von der Gruppe Medical Park. Und sie alle konnten Gutes berichten. Dass sie alle auf die Corona-Welle gut vorbereitet gewesen seien und dass deshalb freie Plätze in den Kliniken keine Mangelware wären.

Bemerkenswert dabei: Schon früh sprachen sich die Kliniken untereinander ab. „Wir haben in den Medical Park Kliniken keine Möglichkeiten, Intensivbehandlungen von Corona-Patienten durchzuführen”, sagt Professor Peter Young. Trotzdem bringen sich seine Häuser mit ein. Indem sie die Fälle aufnehmen, die nur leichte oder mittelschwere Symptome aufweisen.

Der RoMed-Verbund hat seine Kliniken inzwischen ganz klar definiert: Während man sich am Standort Bad Aibling nur um die Versorgung von Corona-Patienten kümmert und Prien dagegen frei von Covid-19-Fällen bleiben soll, werden in den Häusern Wasserburg und Rosenheim sowohl Corona-Patienten als auch Menschen mit anderen Krankheiten aufgenommen. Doch letztere bleiben zur Zeit verstärkt aus. Dr. Hanns Lohner: „Das macht uns schon etwas Sorge. Denn wir beobachten einen starken Rückgang von Patienten, die eigentlich wegen anderer Beschwerden dringend behandelt werden müssten. Vor allem die Zahl der Herzinfarkt-Patienten ist um einiges weniger geworden.”

Sein Kollege Dr. Steffen Herdtle aus Agatharied pflichtet ihm da bei: „Auch wir erleben das. Viele Menschen haben wohl Angst, sich mit Corona zu infizieren. Die brauchen sie bei uns nicht haben und ich will hier noch einmal sagen, dass die Akutversorgung in den Landkreisen ganz normal läuft. Es ist ganz entscheidend, dass sich Patienten trauen, auch mit anderen Krankheiten vorbei zu kommen.”

Dr. Michael Städtler freut sich darüber, dass die Versorgungslage von bedürftigen Patienten gerade in Sachen Corona in seinem Zuständigkeitsbereich sehr positiv ist. Dennoch sagt er auch: „Wir schwimmen nicht im Luxus.” Doch so lange die Häuser in den beiden Landkreisen derzeit auch noch Patienten aus München aufnehmen, scheint die Lage entspannt. Auch vor einem möglichen Anstieg der Patientenzahlen nach einer Lockerung ist ihm nicht bange. „Das wird zwar eine spannende Zeit, doch wir haben auch dafür noch Kapazitäten frei.”

Deutlich wird das an einer Zahl aus dem „Corona Krankenhaus” Bad Aibling, die Dr. Hanns Lohner nennt: Dort liegen in der RoMed-Klinik derzeit 35 Covid-19-Patienten. Davon zwei auf der Intensivstation. Da ist noch Luft nach oben.

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7 Kommentare zu “Es sind noch Plätze frei

  1. Naja – die Krankenhäuser haben jetzt gar nicht so schlecht daran verdient: 50.000 pro neugeschaffenem zusätzlichem Intensivbett, 560,- pro Tag für jedes frei gehaltene Bett. Bezahlt aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds.
    Schade, dass solche Gelder nicht vorher schon zur Verwendung im Gesundheitswesen freigemacht wurden.

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  2. Kannst du eine Quelle für die von dir genannten Kosten nennen?

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  3. Ja – kann ich gerne: steht auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums unter “Krankenhausfinanzierung”

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  4. Hier geht es in erster Linie aber wohl nicht um den Verdienst der Kliniken, sondern darum dass wir hier alle gut versorgt sind. Deshalb Hut ab vor der Organisation! Außerdem fallen geplante OPs weg und wie im Artikel geäußert, kommen weniger Notfallpatienten ins Krankenhaus.

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  5. Das bedeutet aber auch, dass ein Bürger, der ohnehin lange auf einen Termin warten musste, um z.B. die kaputte Hüfte reparieren zu lassen, diese OP abgesagt bekommen hat und nun mit seinen Schmerzen und der entsprechenden Bewegungseinschränkung abwarten muss, bis irgenwann auch wieder elektive Operationen durchgeführt werden. Erst dann bekommt er einen neuen Termin, der dann ebenfalls wieder mit einer Wartezeit einhergeht.
    Ebenfalls elektiv sind z.B. die Behandlung von Epilepsie bei Kindern oder notwendige Eingriffe in der Kinderorthopadie….
    Notfall-OPs werden durchgeführt….
    …. Wer nicht lebensbedrohliche Probleme hat, der muss warten.
    Das schlimmste daran, warten ohne ein Datum als Ziel…
    Wenn Sie so einen betroffenen Menschen fragen, wird die Antwort nicht mit ihrem Kommentar übereinstimmen…

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    1. Der eine oder andre darf aber auch glücklich darüber sein, dass er nicht sofort eine neue Hüfte kriegt. Nirgendwo sonst auf der Welt finanzieren sich Krankenhäuser über unnötige OPs so sehr wie hierzulande.

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  6. nachgefragt: was Sie schreiben stimmt auf alle Fälle. Jeder der jetzt warten muss und eine Behandlung/OP bräuchte ist absolut im Nachteil. Meine Antwort war auf die Gelder bezogen, die die Kliniken jetzt bekommen. Dass jetzt viele Menschen starke Nachteile in Kauf nehmen müssen, wie von Ihnen beschrieben, sehe ich genauso.

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