„Es läuft überwiegend gut“

Immer Ärger mit „Mebis": Wasserburger Schulen setzen auf Alternativen

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„Für Schüler und Lehrer ist der Distanzunterricht höchst belastend“, bringt es Markus Hösl-Liebig, Leiter der Anton-Heilingbrunner-Schule, auf den Punkt. Denn es ist nicht nur der Lockdown, der zu schaffen macht. Die Unzuverlässigkeit der bayerischen Lernplattform „Mebis” erschwert den Unterricht per Internet zusätzlich. Deshalb bieten die Schulen nun verschiedene Optionen an. Die Wasserburger Stimme hat sich umgehört.

„Wir nutzen Mebis nur sehr eingeschränkt“, erklärt Realschulrektor Hösl-Liebig. Deshalb wurde für jede Klasse eine virtuelle, schulinterne Pinnwand eingerichtet, in der alle Fächer aufgelistet sind, die von der jeweiligen Lehrkraft mit Inhalten bestückt wird. „So kann jeder Schüler sehen, was zu tun ist“, so Hösl-Liebig. Das können verschiedene Aufgaben sein oder Erklärvideos. „Auch Sportunterricht ist virtuell möglich“, sagt der Rektor. Beispielsweise gibt es eine Anregung, auf einem Bein die Zähne zu putzen, „was den Gleichgewichtssinn stärkt.“

 

Für den virtuellen Schulbeginn für die knapp 1.000 Schüler, der wichtig ist für die Struktur und für Rückmeldungen, nutzt die Realschule den „Big Blue Button“, ein Webkonferenzsystem, das vom Landkreis den Schulen zur Verfügung gestellt wurde. „Dafür gibt es sogar einen eigenen Server“, weiß Hösl-Liebig. Bereits am Vortag wird auf der Pinnwand angekündigt, dass anderntags um 7.50 Uhr Schulbeginn ist, sodass die Schüler sich bei Big Blue Button einloggen können. Auch dort finden sich Links mit den jeweiligen Tagesaufgaben. Weil aber auch dort „nicht alles immer zu 100 Prozent läuft“, gibt es eine weitere Ebene: „Microsoft-Teams“, das in etwa denselben Zweck erfüllt wie Big Blue. „Allerdings sind noch nicht alle Klassen für diese Plattform soweit“, schränkt Hösl-Liebig ein.

 

Das Kommunikationstool „Teams“ kommt am Luitpold-Gymnasium ab kommenden Montag zum Einsatz. Denn die Videokonferenzen, in denen sich Lehrer und Schüler austauschen, funktionieren auch bei Big Blue und im Schülerportal nur mäßig. „Die Systeme sind einfach überlastet“, stellt Schulleiterin Verena Grillhösl ernüchtert fest. Dies sei auch das Hauptproblem bei „Mebis” gewesen. Die tägliche Videoschalte ist deshalb so wichtig, weil so die Lehrer auch feststellen können, wer anwesend ist und wer nicht.

 

Im Zentrum am Gymnasium steht das Schülerportal. Dort findet sich ein Stundenplanraster, das den Schülern Anweisungen gibt und auch für Struktur sorgt. Darin wird ebenfalls auf Inhalte auf Mebis verwiesen und wann die Videokonferenz stattfindet. „Den morgendlichen Startschuss für alle haben wir abgeschafft, um die Überlastung zum umgehen“, sagt die Rektorin, „die Schüler melden sich zeitlich gestaffelt an.“

 

Schon im April vergangenen Jahres während des ersten Lockdowns hat das Gymnasium das Schülerportal erworben, das übrigens auch bequem per Smartphone abzurufen ist. „Das kommt natürlich gut bei den Schülern an“, sagt Grillhösl. In diesem Portal sind Arbeitsblätter hinterlegt, die auch offline berabeitet werden können und nach Erledigung abfotografiert und zurückgeschickt werden. „Uns liegt daran, dass unsere 760 Schüler nicht den ganzen Tag wie beim Frontalunterricht den Videokonferenzen mit ihren Lehrern folgen“, betont die Rektorin. Dass die jungen Leute durch die vielen Programme zu sehr beansprucht werden, sieht Grillhösl nicht. „Man muss eben hin und her switchen“, sagt sie, „das ist so, wie wenn beim Surfen im Internet eben verschiedene Fenster geöffnet sind.“

 

„Mebis” kommt an der Wasserburger Mittelschule gar nicht zum Einsatz. „Wir nutzen unser Info-Portal, ein abgeschlossenes System, in dem Lehrer, Eltern und Schüler miteinander kommunizieren“, sagt Konrektor Martin Stümpfl. Hier können vertrauliche Informationen, Hausaufgaben, Material und Lerninhalte ausgetauscht und gechattet werden. Auch hier läuft es mitunter „etwas holprig“, weshalb auch „Microsoft-Teams“ seit dem heutigen Donnerstag genutzt wird. „Wir wollen nicht zu viele Portale einrichten“, betont Stümpfl. „Wir erreichen unsere 349 Schüler und deren Eltern“, so der Konrektor, „ich bin zufrieden.“

 

Ausgeklinkt aus „Mebis” hat sich auch die Grundschule Wasserburg. Grundproblem war auch hier der offizielle Startschuss für alle gleichzeitig zum Schulbeginn.  Stattdessen wurden Padlets erstellt. „Das ist eine digitale Pinnwand“, erklärt Leiterin Sabine Obermaier-Tanner. Die Familien der 263 Schüler erhalten einen Link, wo die Inhalte für jeden Tag, Montag bis Freitag, eingestellt sind. „Die Kollegen sind dabei sehr kreativ“, sagt Obermaier-Tanner. Es werden Bewegungsspiele angeboten, Vorlesen oder es spricht auch mal eine Handpuppe.

 

Der Link kann zu jedem Zeitpunkt abgerufen werden, die Kinder arbeiten sich selbstständig durch und sind zeitlich unabhängig. „Das Handling ist sehr leicht“, meint die Rektorin, „das schaffen auch die Erstklässler.“ Nach wie vor gibt es auch wie gewohnt Arbeitsblätter und –hefte zum Anfassen. „Die haben wir per Post verschickt“, sagt Obermaier-Tanner, „niemand muss zu Hause selbst ausdrucken.“

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11 Kommentare zu “„Es läuft überwiegend gut“

  1. Auch für die Eltern ist die Situation extrem belastend – mein Sohn hat bis zu 8 Fächer am Tag, für die die Lerninhalte eigenständig erarbeitet werden müssen, plus Hausaufgaben und frustrierende Versuche von Video-Konferenzen. Selbst mit Unterstützung ist das Pensum kaum zu schaffen. Diese Woche hatte ich noch „Urlaub“ aber wie soll das nächste Woche gehen?
    Sinnvollerweise sollte unbedingt die Anzahl der Fächer pro Tag reduziert werden und nicht starr am alten Stundenplan festgehalten werden!

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  2. Leider ist das “switchen” zwischen den einzelnen Plattformen nicht ganz so einfach, wie dargestellt. Mit einem Kind geht das noch einigermaßen, bei 2 auf verschiedenen Schulen wird es dann schon schwieriger.
    Allerdings merkt man die Anstrengungen seitens der Schulen, die hinter dem ganzen sind.
    Das ist für alle, Lehrer, Eltern und v.a. die Schüler sehr anstrengend.

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  3. Es läuft überwiegend gut????
    Es wird von 12jährigen Schülern erwartet, dass sie alleine am Computer arbeiten, ohne vorher auch nur ansatzweise mit Word, one note usw. irgendwas zu tun gehabt zu haben???Dass sie sich Arbeitsblätter herunterladen, ausdrucken, einscannen, wegschicken???

    Ganz ehrlich,ich finde das ein bisschen viel verlangt.
    Ich arbeite in der Pflege, habe jetzt meine Frühdienste weggetauscht, damit ich mit meinen Kinder Homeschooling machen kann. Damit sie nicht auf der Strecke bleiben. Nach 6 Stunden Schule geh ich dann noch 8 Stunden arbeiten…. mach ich gerne, für meine Kinder… aber ich finde die Situation jetzt noch anstrengender und chaotischer, als letztes Jahr!!

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    1. Staunender Beobachter

      Äh, ein zwölfjähriges Kind hat noch nie alleine mit Word, etc. zu tun gehabt? Klar, dann stimmt etwas am Lehrplan in der Schule nicht – aber auch das Elternhaus wäre hier dann durchaus gefragt!

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  4. Mal ne Frage, haben alle die Möglichkeit, sich so viele Geräte anzuschaffen, um mehrere Kinder auf mehreren Plattformen durch den Schulvormittag zu bringen?
    Also wir brauchen gerade aktuell zwei Laptops, ein Tablett und die Kinder brauchen ihre Handys. Denn nicht alles funktioniert über alle Geräte und wenn gar nix geht, ist der Nachrichtendienst auf dem Handy der Retter. Hab mehr als ein Kind.
    Ich kann mir leider nicht vorstellen, dass alle Familie diese Möglichkeiten haben. Ich denke die Spaltung unserer Gesellschaft schreitet immer weiter fort. Wenn ich Sätze höre von Mittelschullehrern, die sagen, sie haben bestimmte Schüler seit März 2020 nicht mehr gesehen oder gehört, wird mir etwas schlecht.

    Aber OK, es ist jetzt so. Wir könne gar nichts dagegen machen. Und all denen, die sagen, es habe keine Folgen: Könne wir das wirklich einfach so jetzt schon sagen, oder red ma einfach in 10 Jahren nochmal. Woher wollen wir das wissen, wir wissen auch hier genau so viel wie über den Corona? Nix.

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  5. Soviel zum Thema digitale Kompetenz der (Re-) agierenden. Man hat es nicht geschafft, über nun fast ein Jahr eine funktionierende Infrastruktur
    aufzubauen. Was dabei trotzdem (Steuer-) Geld verballert wurden….werden wir nicht erfahren.
    Man hat zwar grosszügig “Geschenke” verteilt, in Form von einigen, sehr teuren Notebboks, die natürlich von Apple sein mussten.
    Abgeblich für “sozial schwache” Schüler, die sich kein Tablet oder ein preiswetes Notebook leisten könnten ( für Afrika wurden für solche Zwecke
    abgespeckte Geräte für 50 $ verteilt), wo die wirklich abgeblieben sind, weiss auch niemend.
    Für eine leistungsfähige Infrastruktur war dann wohl kein Geld mehr vorhanden. Vielleicht ist das eben nicht so medienwirksam wenn Profis im
    Hintergrund effizient und effektiv, ohne grosses Bling Bling, Dinge nach vorn bringen.
    Aber unsere Digi Minister (oder wie auch immer) müsen ja noch am Projekt Flugtaxi arbeiten.

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  6. Wir haben für unsere 4 Schüler in den Sommerferien in weiser Voraussicht zu unseren zwei vorhandenen noch zwei weitere Laptops angeschafft, damit jedes Kind ein Gerät zum Arbeiten hat.
    Das Corona-Kindergeld will ja irgendwie ausgegeben werden.
    Unser Problem ist jetzt, dass zwei der Kinder ununterbrochen in der Onlineschalte sein müssen, die anderen zwei stundenweise.
    Das verträgt unser Internetzugang oft nicht. Es ist ein einziger Kampf mit der Technik.
    Zudem haben wir ein Kind in der fünften Klasse Gymnasium.
    Es wäre vermessen zu glauben, dass Kinder im Alter von 10/11 Jahren alleine mit der Technik und der neuen Art zu arbeiten zurecht kommen.
    Ich bin also zur Rund-um-die-Uhr-Technikbeauftragten und Lehrerin mutiert.
    Zusätzlich verbrauchen wir unendlich viel Zeit, uns mit nicht funktionierenden Plattformen und Downloads herum zu schlagen.
    Der Schultag hat derzeit also meist an die 10 Stunden.

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  7. Das „überwiegend gut“ kann ich leider nicht bestätigen. Neben der technischen Schwierigkeiten, werden die Lehrinhalte zumindest im Gymnasium uneinheitlich übermittelt. Ein Lehrer erstellt einen Wochenplan, ein andere liefert täglich Material. Mal sind Hausaufgaben bis morgen zu liefern, mal erst in ein paar Tagen, z.B. Sonntag (Sonntag?).
    Zumindest meine 10-jährige Tochter ist nicht in der Lage, den nötigen Grad an Selbstorganisation aufzubringen, um alles fristgerecht zu erledigen und abzuliefern. Ganz abgesehen von den technischen Herausforderungen. Ein mit dem dem Handy erstelltes PDF ist für homeworker immer wieder zu groß, weswegen ein Upload abgelehnt wird.
    Ich arbeite seit vielen Jahren im Homeoffice und selbst ich bin mit der schulischen Situation durchaus an meinen Grenzen.
    Lehrer möchte ich im Moment aber auch nicht sein. Ihnen fehlen Schulungen für die Technik aber auch für sinnvolle Anpassung der Lehrinhalte. Und es fehlt an guter technischer Ausstattung.

    Warum konzentriert man sich in diesen Tagen nicht ausschließlich auf Kernfächer? Das reduziert die Last auf allen Seiten. Wegen 8 Wochen versäumten Ethikunterricht ist später sicherlich noch keiner zum Dauerarbeitslosen geworden.

    Im übrigen, mir wurde erzählt, dass im letzten Jahrhundert unzählige Kinder kriegsbedingt für längere Zeit (>1 Jahr) keine Schule besuchten. Von einem konkreten Beispiel weiß ich. Sie wurde später Ärztin.

    Was ich sagen oder fragen will: sind diese paar Wochen (oder auch Monate) „Corona-Schule“ all den finanziellen und psychischen Aufwand wirklich wert? Kinder, Eltern, Lehrer…alle reiben sich auf. In Relation zur heutigen Lebenserwartung oder beruflichen Schaffenszeit, die ja auch immer weiter hinausgeschoben wird, finde ich, richtet der aktuelle Stress und Aufwand mehr Schaden als Gutes an.

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    1. Lieber Flo,
      das kann ich so unterschreiben.
      Auch wir haben eine 5-Klässlerin, die mit dem Durcheinander an Aufträgen, teilweise in Chats versteckt, teilweise im Stundenplan, und mit der Technik überfordert ist. Da ist einfach zu wenig Struktur dahinter.
      Wir sind technisch gut ausgestattet, aber sind wir mal ehrlich: Wenn die Technik spinnt, verzweifelt oft schon ein Erwachsener.
      Wir sind nach dieser ersten Woche schon wieder ferienreif und sehen dieses Homeschooling als riesen Kraftakt für alle Beteiligten.
      Da auch noch die Faschingsferien zu streichen, wo nach nach jetzigem Stand Mitte Februar immer noch kein Präsenzunterricht stattfinden wird, ist eine zusätzliche, übertriebene, unnötige Härte.

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      1. Hallo Veronika,
        Danke Dir für die Zustimmung. Meine 13-jährige, das muss ich an dieser Stelle auch äußern, organisiert sich in dieser Odyssee 100% selbständig. Und das auch erfolgreich.

        Auch wir sind technisch gut ausgestattet (ich bin beruflich vom Fach) und ich kann alles schon irgendwie hinbiegen und gangbar machen, aber ein Kind in der 5. Klasse hat meine 20 Jahre IT-Erfahrung nicht.

        Nächste Woche startet am Gymnasium der Einsatz von Microsoft Teams. Ich sehe dem mit Skepsis entgegen, weil ich vermute, dass es für den Einsatz dieser Lösung kein Konzept gibt. Ich befürchte, dass ein Teil der Lehrer weiter mit Homeworker, ein anderer Teil mit Teams arbeiten wird. Es wird also komplexer, für alle.

        Abermals mache ich der Schule keine Vorwürfe. Letztendlich ist sie in einer verzweifelten Situation und sucht händeringend nach besseren Lösungen.

        Im Übrigen rät der EuGH und auch das BSI von der Nutzung von Microsoft Cloud basierten Lösungen ab, aus Datenschutz Gründen. Das Fass möchte ich an dieser Stelle aber lieber nicht aufmachen. Ich habe der Ms Teams Nutzung zugestimmt, damit meine Kinder nicht außen vor sind.

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  8. Wenngleich ich hier wohl die Ausnahme bin, aber bei meiner Tochter läuft es gut. Für Videokonferenzen wird Microsoft Teams verwendet – das ist wohl ein Angebot, das das Kumi den Schulen im Sommer gemacht hat. Und dann gibt es noch Kursräume mit Übungen in Mebis. Vor Weihnachten hat es da noch gehakt, doch diese Woche läuft es rund. Klar Unterricht in der Schule ist natürlich besser, doch ich finde es schon interessant, wie selbständig meine Kleine inzwischen arbeitet. Wenn es Probleme und Fragen gibt, kann sie die Lehrer jederzeit kontaktieren. Der Austausch mit den Klassenkameraden klappt auch.

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