„Es ist ein absolutes Trauerspiel“

Das Corona-Virus stürzt Wasserburger Reisebüros in die Krise – Kurzarbeit für Beschäftigte, Zukunft derzeit ungewiss

image_pdfimage_print

„Ich arbeite seit 33 Jahren in der Reisebranche“, stellt Jutta Mauritz, Inhaberin vom Reisebüro am Marienplatz, entnervt fest, „ich habe den Golfkrieg erlebt, den 11. September – aber so etwas habe ich noch nicht durchgemacht!“ „So etwas“ ist Covid-19, der ihr Geschäft, wie auch das vom Reisebüro Eggerl und anderen Wasserburger Reisebüros, nahezu komplett lahmgelegt hat.

Die derzeit geltenden Ausgangs- und Reisebeschränkungen haben die Reisebranche besonders hart getroffen. Viele Reisebüros sind in ihrer Existenz bedroht. Jutta Mauritz verbucht seit vier Wochen keinen Umsatz mehr, braucht nach und nach die Rücklagen auf. Von den acht Mitarbeitern wurden fünf in Kurzarbeit geschickt, drei geringfügig Beschäftigte mussten sogar ausgestellt werden. Ähnlich die Lage beim Reisebüro Eggerl. Auch hier gilt für die vier Angestellten Kurzarbeit.

 

„Wir sind nur noch telefonisch zu erreichen“, sagt Mauritz, „unser Büro ist geschlossen, wir nehmen derzeit nur Rückabwicklungen vor.“ Bis Ende April liegt die gesamte Branche am Boden, kein Flugzeug fliegt, kein Hotel hat geöffnet. Für den Mai und die Pfingstferien Anfang Juni, wenn die Hochsaison beginnt, hoffe man, dass die Weltgesundheitsbehörde WHO und das Auswärtige Amt die Beschränkungen aufheben oder lockern. Immerhin: „Unser Highlight letzte Woche war, dass wir für Dezember zwei Reisen auf die Kanaren buchen konnten“, so Jutta Mauritz mit verhaltenem Optimismus.

 

Ebenfalls alles in der Schwebe ist beim Reisebüro Eggerl. Zwar dürfe man weiterhin buchen, wie Mitarbeiterin Nathalie Wagner berichtet. Aber die ob Reisen in den Hochmonaten Juni, Juli, August überhaupt möglich sind, sei alles mit großen Unsicherheiten behaftet.

 

Für die Kunden, die womöglich selbst auf jeden Cent achten müssen, hofft Mauritz, dass es nicht zu einer Gutschein-Lösung anstelle von Rückzahlungen kommt, wie es rückwirkend gelten soll. „Ein solcher Gutschein ist nicht abgesichert und soll bis zum 31. Dezember 2021 gültig sein“, warnt die Reisebüro-Chefin, „wenn ein Anbieter in dieser Zeit pleitegeht, geht der Klient leer aus.“ Vehement hat sie sich daher zusammen mit Kollegen gegen eine solche Lösung ausgesprochen: „Es geht nicht an, dass die Kunden die Veranstalter finanzieren.“ Die EU-Kommission wird in den kommenden Tagen entscheiden.

 

Um für das Reisebüro am Marienplatz den wirtschaftlichen Schaden wenigstens ein wenig abzumildern, hat Jutta Mauritz beim Bund Corona-Soforthilfe in Höhe von 9.000 Euro beantragt – noch ist allerdings kein Geld geflossen. Die Inhaberin plädiert außerdem für eine Fondslösung, bei der Veranstalter und Regierung in einen Topf einzahlen, um Insolvenzen entgegen zu wirken. CF

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren

3 Kommentare zu “„Es ist ein absolutes Trauerspiel“

  1. Ich bin kein Prophet und würde es auch sehr traurig finden, aber die Tourismusbranche mit all ihren Geschäftsfeldern wird extrem ums Überleben kämpfen müssen.
    Da wird sich ein Dominoeffekt von insolventen Reiseveranstaltern, Airlines, Hoteliers, Gastronomie usw,
    Bis natürlich zu Reisebüros ausbreiten. Und was da mal weg ist, wird nicht wieder kommen.
    Business Reisen werden sich massiv reduzieren, weil jetzt die bockigste Klitsche (sogar Behörden und Politik) drauf gekommen ist, was moderne IT möglich machen kann.
    Reisen und Urlaub wird deshalb bald wieder richtig teuer und nur was für die Großkopferten werden.
    Politisch und ideologisch wurde das Ziel ja auch schon intensiv in jüngerer Vergangenheit forciert (Greta, ff).
    An die damit verbundenen Konsequenzen, bis hin zu unseren lokalen, sympathischen Reisebüromitarbeitern hat auch damals schon niemand gedacht.

    Antworten
    1. Die Sachlichkeit

      Greta ist ganz sicher NICHT schuld an der aktuellen Situation und an möglichen Insolvenzen in der Reisebranche. Vielmehr ist jeder einzelne von uns gefragt, endlich sein Reiseverhalten hin zu mehr Nachhaltigkeit zu hinterfragen. Und z.B. genau an dieser Stelle haben Reisebüros auch in Zukunft ein neues großes Geschäftsfeld, das sie aktiv bedienen können – nicht nur für die “Großkopferten”.

      Antworten
  2. Dem stimme ich zu. Danke für den Kommentar.

    Vielleicht hilft die aktuelle Lage mal über das eigene Kosumverhalten nachzudenken. Dazu gehören auch Reisen. Selbstverständlich sind die Betroffenen Touristikmitarbeiter nicht beneidenswert und die Situation schwierig. Aber aus neuen Herausforderungen ergeben sich meist neue Ideen und Möglichkeiten.
    Ich bin überzeugt davon, dass sich auch für die Bediensteten des Tourismussektors sich neue Möglichkeiten ergeben werden.

    Antworten