Alles begann mit einem Halskratzen

Wasserburger Kinderarzt Dr. Marko Senjor erkrankte schwer an Corona - Ein Erfahrungsbericht

Es waren Momente voller Angst, mit hohem Fieber, Atemnot und starkem Husten. „Ich habe mich noch nie so krank gefühlt“, blickt der Wasserburger Kinderarzt Dr. Senjor zurück. Gleich zu Beginn der ersten Welle im März hatte sich der Mediziner mit Corona angesteckt und durchlief schreckliche Wochen. In der jetzigen Phase der zweiten Welle berichtet der Genesene exklusiv in der Wasserburger Stimme über seine Erfahrungen am eigenen Leib – und warnt eindringlich vor einer Verharmlosung des Virus.

Es war am Sonntag, der 15. März dieses Jahres, als Dr. Marko Senjor (57) die ersten Symptome spürte. „Es begann zuerst mit einem leichten Halskratzen und einer tropfenden Nase“, erinnert er sich an jedes Detail. Gleich am Montag hat er einen Abstrich machen lassen, ansonsten sich wenig Sorgen gemacht. „Ich fühlte mich fit“. Donnerstags dann der Schock: positiv! „Ich bin sehr erschrocken“, sagt Senjor, „ich wusste nicht, wo ich mich angesteckt hatte.“ Vielleicht in der Praxis, vielleicht durch die Skiheimkehrer oder Faschingsfeiernde.

Umgehend wurde die Praxis geschlossen – sie sollte es fünfeinhalb Wochen bleiben – , Mitarbeiter, Eltern und Kinder sowie die Familie und der Bekanntenkreis informiert. Da hatten sich bereits zwei Freunde infiziert, die beide aufgrund leichterer Verläufe aber nicht im Krankenhaus behandelt werden mussten. „Ich bin dann zu Hause geblieben, habe Fieber und zunehmend Husten bekommen“, sagt Dr. Senjor. Das Atmen fiel ihm immer schwerer, er fühlte sich sehr schlapp und auf Anraten seines Hausarztes begab er sich schließlich ins Krankenhaus Wasserburg.

Dort kam Atemnot hinzu, das Fieber stieg, der Husten wurde immer stärker. „Die Mitarbeiter haben sich sehr sorgsam um mich gekümmert“, meint der 57-jährige. Es wurde Sauerstoff verabreicht und verschiedene Medikamente, darunter sogar ein Malaria-Mittel, die etwas halfen. „Zunächst ging es mir immer schlechter“, erinnert er sich, „ich habe mich noch nie so krank gefühlt und hatte wirklich Angst.“ Nach drei Tagen die erste Linderung: Das Fieber ging runter, die Hustenanfälle aber blieben. Zusätzlich erlitt er eine Geruchsstörung, der Geschmackssinn ging verloren. „Zum Glück gab es keine weiteren Komplikationen.“

Am 31. März dann konnte er nach Hause entlassen werden – trotz immer noch positiver Abstriche. „Das entsprach den Vorgaben des Gesundheitsamtes“, betont der Mediziner.

Daheim begab er sich auf der Stelle in Quarantäne. Obwohl sein Sohn und seine Frau sehr erleichtert waren, blieben sie vorsichtig und steckten sich auch nicht an. „Das Essen bekam ich vor die Tür gestellt“, sagt Senjor, „ansonsten blieb ich vier Wochen alleine.“ Weil er sich in großzügigen Räumen aufhielt und Zugang zum Garten hatte, habe er es gut ausgehalten. „Ich war mit dem PC beschäftigt, habe viel gelesen“, meint er, „und bis auf die Hustenanfälle ging es mir auch ganz passabel.“ Nach dem negativen Abstrich blieb er noch sicherheitshalber eine weitere Woche in Isolation.

„Ich habe nun Antikörper und es besteht die Hoffnung auf Immunität“, berichtet Dr. Senjor heute, „aber auch das gilt nicht als gesichert.“ Die jetzigen Einschränkungen halte er für gerechtfertigt und notwendig, auch wenn sie hart sind, denn: „Corona ist kein Spaß.“ Wenn ihn Personen auf den Unterschied zwischen Grippe und Covid-19 ansprechen, empfiehlt er einen Blick in die Intensivstationen. „Corona trifft mehr Leute, die Heftigkeit und die Häufigkeit einer Infektion ist größer als bei einer Influenza“, stellt der Arzt fest.

„Das Virus wird uns nicht mehr verlassen“

Er verstehe die Sorgen und Ängste der Bürger, die gegen die Maßnahmen sind. „Es ist wichtig und richtig dagegen zu demonstrieren, aber eben nur mit Maske und den üblichen Hygienegeboten.“ Wer sich anders verhalte, handele leichtsinnig und gefährde andere Menschen.

„Das Virus wird uns nicht mehr verlassen“, blickt Dr. Senjor in die Zukunft, „wir werden damit leben müssen.“ Seine Hoffnung setzt er auf die Impfungen und die daraus folgende Herdenimmunität. Dass dabei mächtig aufs Tempo gedrückt wird, hält er für unproblematisch. „Es gibt umfangreiche Studien und die einzelnen Testphasen finden überlappend statt“, weiß der Fachmann, der sich auch selbst impfen lassen wird.

Seiner Einschätzung nach wird der Lockdown noch den ganzen Winter lang aufrecht erhalten werden. Für den Sommer 2021 sei er aufgrund der Impfwirkungen zuversichtlich und in einem Jahr werde Corona keine große Rolle mehr spielen.

„Bis dahin besteht die Chance darin, ganz allgemein das Tempo rauszunehmen“, gewinnt Dr. Senjor der Pandemie eine positive Seite ab und ist vor allem eines: „Ich bin meiner Familie und den Mitarbeitern im Wasserburger Krankenhaus sehr dankbar, dass sie sich so gekümmert haben…“

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4 Kommentare zu “Alles begann mit einem Halskratzen

  1. Lieber Dr.Senjor, vielen Dank für diesen Einblick.
    Wir freuen uns sehr, dass sie wieder gesund sind!

    Hoffentlich lesen sich das so manche Personen aufmerksam durch und überlegen nochmal, ob eine Maske wirklich so furchtbar ist?!

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  2. Danke Herr Dr.Senior für den Einblick. Hoffe andere Leute merken endlich das dies kein Spass mehr ist und eine Maske im Gesicht tut nicht weg. Unser kleiner trägt diese auch und akzeptiert diese.

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  3. Vielen Dank für diesen offenen, ehrlichen und unaufgeregten Erfahrungsbericht!

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  4. Sehr geehrter Dr. Senjor,

    danke für Ihren persönlichen Erfahrungsbericht, der doch so manchen Corona-Leugner oder Querdenker etwas wachrütteln wird.
    Gerade die heutige Zahl von 409 Todesfällen zeigt den richtigen Weg der politischen Entscheidungen, um das Infektionsgeschehen wieder zu reduzieren.
    Offensichtlich ist der Kreis der Leugner und Querdenker nicht Imstande über den eigenen Tellerrand hinauszusehen, sonst würden sie die weit schlimmeren Auswirkungen der Pandemie in Europa und der ganzen Welt erkennen. Dank unseres doch weit besseren Gesundheitsystems konnten die Auswirkungen bei uns besser reduziert werden.

    Dass die Politik nicht für jeden Einzelnen die optimale Lösung findet, ist sicher der Fall.
    Vor allem Ältere und Behinderte sind hiervon sehr betroffen.
    Aus diesem Grund ist es auch die Aufgabe jedes gesunden Bürgers, diesen Personenkreis zu unterstützen.

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