Erste Hilfe für die Stadtmauer

Im nächsten Frühjahr beginnt die Sanierung - Pläne im Stadtrat vorgestellt

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Teilweise fast 800 Jahre alt, mächtig, beeindruckend und doch vom Zahn der Zeit angenagt: Die Wasserburger Stadtmauer, die zu den herausragenden Baudenkmälern der Inn-Stadt zählt. Die ersten Maßnahmen der vor zwei Jahren beschlossenen Generalsanierung wurden jetzt im Stadtrat präsentiert.

In den Fokus rückt zuerst der Abschnitt zwischen Friedhofstor und Roten Turm, wie Felix Martin vom Münchner Ingenieurbüro „Kayser und Böttges, Barthel und Maus” referierte. Dort muss das Mauerwerk, das Fugennetz und der Mörtel dringend ausgebessert werden – und zwar möglichst mit originalgetreuen Baustoffen in dem historischen Bestand angepasster Farbe und Oberfläche.

 

Teil der Mauer droht zu kippen

Vorrang hat dabei aber das Teilstück zwischen Friedhofstor und Quermauer des Feuerwehr-Hofes. „An dieser Stelle droht die Mauer zu kippen“, berichtete Martin. Denn der untere Teil der Mauer stammt noch aus dem Jahr 1250, errichtet in sogenanntem Fischgrätmauerwerk aus unbehauenen Gletschersteinen vom Inn oder auf Feldern eingesammelten. Im Erdreich verborgen sind die Mauerreste rund 1,7 Meter stark, weiter oben aber nur noch zwischen 50 und 80 Zentimeter – eindeutig zu dünn.

 

Grund für die Ausdünnung sei wohl in früheren Zeiten der Bedarf gewesen, zwischen Wohnbebauung und Mauer noch mit Fuhrwerken durchzukommen. Heute befinden sich an dieser Stelle seit etwa 100 Jahren Garagen, die Bestandschutz genießen. Eine Verbreiterung zur Häuserseite hin oder Stützmaßnahmen kommen damit nicht in Frage, wie der Stadtrat den Anwohnern zugesteht. Allerdings können die Garagen während der Arbeiten für zwei bis drei Monate nicht genutzt werden-

 

Deshalb sollen nun auf 25 Metern Länge vier Pfosten (fünf Meter hoch, 30 Zentimeter stark) von der Friedhofsseite zwischen den Gräbern in die Erde gesetzt werden. Quer verbunden werden sie mit zwei zehn Meter langen Stahlrechteckrohren, die insgesamt neun Tonnen Gewicht auf die Waage bringen. Deshalb müssen die Rohre auch mit einem Schwerlastkran vom Feuerwehrhof aus in den Friedhof gehoben werden. Die ganze Konstruktion, die auf dem Prinzip Druck und Zug basiert, wird „möglichst zurückhaltend“, wie Felix Martin versicherte. Träger und Pfosten werden mit etwa zehn Zentimetern Abstand zur Friedhofsmauer aufgestellt und nur punktuell statisch mit dieser verbunden.

 

Auch das andere Mauerwerk, das im oberen Teil aus dem 15. Jahrhundert stammt, wird dabei saniert. „Der Fugenmörtel wird erneuert, lose Steine neu versetzt, die Mauerkrone befestigt“, erklärte Martin. Besonderes Augenmerk gilt dem dichten Efeubewuchs, der seit dem 19. Jahrhundert dort sprießt. Der Blätterwald schädigte durch Wurzelwachstum das Mauerwerk über die Jahrzehnte und muss zu Gunsten des dauerhaften Erhalts der Stadtmauer davon ferngehalten werden. „Als Ersatz sind mit der Naturschutzbehörde Rankhilfen vor den neuen Pfosten im Friedhofsbereich abgestimmt an denen der Efeu künftig wachsen kann“, so der Ingenieur.

 

Mit dem Beginn des ersten Sanierungsabschnittes wird im kommenden Frühjahr gestartet werden, denn für die Bauarbeiten sind Temperaturen über fünf Grad erforderlich. Die gesamte Sanierung wird einige Jahre in Anspruch nehmen und rund zwei Millionen Euro kosten, wobei die Stadt mit einem Zuschuss in Höhe von 50 Prozent rechnet. 

CHRIS FRITZ

 

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