Erschreckende Schulweg-Bilanz

In nur zwei Monaten elf Unfälle im südlichen Oberbayern - Drei davon tödlich

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Es ist eine erschreckende Bilanz: Im Bereich des Polizeipräsidiums Rosenheim haben sich allein im Januar und Februar des Jahres 2018 bereits elf Schulwegunfälle ereignet – mit drei getöteten Schulkindern und elf verletzten Buben und Mädchen im südlichen Oberbayern! Das Polizeipräsidium nimmt diese Entwicklung zum Anlass, zur Sensibilisierung der Verkehrsteilnehmer verstärkte polizeiliche Präsenz, insbesondere im Bereich von Schulbus-Haltestellen, zu zeigen. Dabei wird die Polizei auch Verkehrskontrollen, vor allem im Hinblick auf die zulässige Geschwindigkeit, durchführen.

Für Autofahrer, die einen Bus an einer Haltestelle überholen, gelten besondere Regeln. Da die schweren Schulwegunfälle der ersten beiden Monate auch mit dem richtigen Verhalten an Bushaltestellen in Zusammenhang stehen, weist das Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf die wichtigsten Regelungen hin.

Das Verhalten von Kraftfahrern bei Omnibussen des Linienverkehrs und gekennzeichneten Schulbussen ist in Paragraph 20 der Straßenverkehrsordnung geregelt. Die Vorschriften gelten dabei sowohl innerhalb, als auch außerhalb geschlossener Ortschaften:

Ø  Wenn ein Bus an einer Haltestelle (Zeichen 224) hält, dann darf nur vorsichtig daran vorbei gefahren werden – dies gilt auch für den Gegenverkehr, denn besonders Kinder treten oft vor oder hinter dem haltenden Bus auf die Straße und werden dadurch erst sehr spät wahrgenommen.

Ø  Nähert sich ein Bus einer Haltestelle und sein Warnblinklicht ist eingeschaltet, dann darf der Bus nicht überholt werden – auch hier versuchen Kinder nicht selten einen ankommenden Bus noch im letzten Moment zu erreichen und überqueren ohne auf den Fahrzeugverkehr zu achten die Fahrbahn.

Ø  Hält ein Bus an einer Haltestelle und sein Warnblinklicht ist eingeschaltet, dann darf nur mit Schrittgeschwindigkeit (maximal 7-10 km/h) daran vorbei gefahren werden – dies gilt auch für den Gegenverkehr. Dabei muss ein Abstand eingehalten werden, der eine Gefährdung oder Behinderung aussteigender Businsassen ausschließt. Notfalls muss angehalten werden.

Ø  Den Bussen ist das Abfahren von gekennzeichneten Haltestellen zu ermöglichen – sie haben Vorrang. Auch hier gilt: Falls nötig, anhalten und warten.

Da es sich bei diesen Örtlichkeiten um einen besonders zu schützenden Verkehrsbereich handelt, reicht die Bandbreite bei der Verfolgung von der einfachen Verwarnung mit fünf Euro bis zu einer Geldbuße von mehreren hundert Euro, Punkten im Verkehrszentralregister sowie einem Fahrverbot von einem bis zu drei Monaten.

Unbelehrbaren oder uneinsichtigen Verkehrsteilnehmern droht zudem die verpflichtende Teilnahme an einem Verkehrsunterricht.

Polizeioberrat Martin Irrgang, Leiter Verkehrsaufgaben beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd: „Jeder Verkehrsteilnehmer sollte immer daran denken: Ein sicherer Schulweg geht uns alle an! Es gibt nichts Schlimmeres, als den Tod eines Kindes auf dem Weg zur Schule oder nach Hause. Tödliche Schulwegunfälle, wie zuletzt geschehen, zerstören nicht nur das Leben der Opferfamilien, sondern auch das Leben des Unfallfahrers und seiner Familie.“

Schulwegsicherheit ist ein ganz zentrales Thema im Bayerischen Verkehrssicherheitsprogramm „Bayern mobil –sicher ans Ziel“:

http://www.sichermobil.bayern.de/

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5 Gedanken zu „Erschreckende Schulweg-Bilanz

  1. Wohin sind die guten alten Schülerlotsen und Schulweghelfer hin verschwunden? Hat keiner mehr Interesse an dieser wichtigen Aufgabe? Die wenigen die ich die letzten Jahre entdecken konnte waren meist in Grossstädten in 30er Zonen an Zebrastreifen anzutreffen…..was ist mit den Kindern auf dem Land und den kleinen Städten deren Schulweg meist um einiges gefährlicher ist? Warum setzen sich die Gemeinden für viel Unsinniges aber nicht für Schulwegsicherung (inklusive Bushaltestellen) ein?

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  2. Bist du Schülerlotsin?

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  3. Glück gehabt

    Ehrlich gesagt, ist es ein riesengroßes Glück, dass nicht viel mehr passiert! Wenn man mal betrachtet, wie extrem voll die Busse oft sind (es stehen meist doppelt so viel Kinder am Gang, wie Sitzplätze zur Verfügung stehen). Und das bei Überlandfahrten!

    Ganz abgesehen von der oft sehr gefährlichen Situation an den Bushaltestellen.

    Entsprechende Meldungen an die zuständigen Stellen laufen stets ins Leere, am Ende geht’s immer ums Geld…

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  4. An Beobachter: Nachdem ich mich noch nicht klonen kann und einen Full-Time-Job hab … leider nein …. aber ich geb die Frage gern zurück :-))

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  5. Jetzt mal eine ganz andere Frage, warum müssen die Busse fast immer an den viel befahren Hauptstraßen in den Orten halten? ist es nicht besser in eine Seitenstraße auszuweichen? Kann man damit nicht die Gefahr reduzieren?
    Gut auf den Landstraßen selber ist das nicht so einfach möglich aber mit sicherheit in den Orten.
    Bestes Beispiel ist Obing morgens um 7 Uhr halten auf der Hauptstraße 2 Schulbuse gleichzeitig, der Rückstau ist dann groß, keiner traut sich an den Busen vorbei und diese stehen dann bis zu 8 Minuten. Tut der Umweltgut und ist ja auch keine Lärmbelästigung.

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