Erholung vom ersten Corona-Schock

IHK-Konjunkturumfrage Südostoberbayern: Aktueller Teil-Lockdown bremst Aufhol-Dynamik

image_pdfimage_print

Nach dem ersten Corona-Schock im Frühjahr hat sich die Stimmung der Unternehmen in Südostoberbayern über den Sommer deutlich erholt. Rund 75 Prozent des Einbruchs konnten aufgeholt werden, wie die Konjunkturumfrage der IHK für München und Oberbayern ergab. Der Konjunkturindex stieg von 86 auf 107 Punkte. Die befragten Unternehmen im südlichen Oberbayern gaben ihr konjunkturelles Stimmungsbild vor den inzwischen stark gestiegenen Infektionszahlen und dem mittlerweile vollzogenen Teil-Lockdown ab. Somit spiegeln sich die neuen Beschränkungen für die Betriebe noch nicht in den damals geäußerten Erwartungen wider.


37 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Lage als gut, von einer schlechten Lage sprechen 21 Prozent. Damit liegen die Lageurteile allerdings weiterhin deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau. Die Wachstumsaussichten für die kommenden Monate sind jedoch nur gering. Nur 20 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer Belebung, eine Eintrübung erwarten 22 Prozent.

Die geringe Zuversicht dürfte folgenden Faktoren geschuldet sein: Einige Branchen, wie insbesondere der Tourismus, leiden weiterhin unter massiven Einschränkungen ihrer Geschäftstätigkeit. Die Verunsicherung in Bezug auf die Corona-Pandemie und deren Folgen, wie beispielsweise im Grenzverkehr, ist ausgesprochen hoch. Zudem gibt es eine Reihe weiter schwelender wirtschaftspolitischen Risiken, wie dem Brexit oder Handelskonflikte. Wichtige Branchen, wie der Fahrzeugbau befinden sich im Strukturwandel.

 

Angesichts dessen fahren die Unternehmen auf Sicht. Die Investitionspläne sind auf einem niedrigen Niveau. Damit fällt die Nachfrage für jene Unternehmen aus, die diese Investitionsgüter produzieren oder planen, und gleichzeitig sinkt das mittelfristige Wachstumspotenzial. Konkret möchten nur 19 Prozent der befragten Unternehmen ihre Investitionen ausweiten. Ähnlich viele wollen sie jedoch kürzen und ebenfalls knapp ein Fünftel beabsichtigt sogar, vollständig auf Investitionen zu verzichten. Dies ist im langfristigen Vergleich ein sehr hoher Wert. Auch beim Personal müssen die Unternehmen sparen. Nur 14 Prozent möchten zusätzliches Personal einstellen, 18 Prozent müssen hingegen Stellen streichen. Immerhin hat der Beschäftigungsabbau damit allerdings an Dynamik verloren.

 

Seit Anfang November gelten in Deutschland neue Corona-Maßnahmen und in den meisten europäischen Nachbarstaaten fallen die Beschränkungen teilweise noch drastischer aus. Daher prognostiziert Irene Wagner, Vorsitzende des IHK-Regionalforums Südostoberbayern, dass die wirtschaftliche Erholung nunmehr eine Pause einlegen wird. Wagner ist überzeugt: „Wenn wir durch gemeinsame Anstrengung und Disziplin das Ansteckungsgeschehen in den Griff bekommen, wird der wirtschaftliche Aufholprozess im neuen Jahr wieder an Dynamik gewinnen. Dafür braucht es aber auch die Politik. Vor allem die stark betroffenen Branchen, unter anderem die Betriebe, die wegen des Teil-Lockdowns wieder komplett schließen mussten und kaum bis gar keinen Umsatz mehr machen, benötigen schnelle und unbürokratische Finanzhilfen des Staates.“ Die Unternehmerin fordert außerdem, die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie fortlaufend zu evaluieren und auch Erleichterungen bei den Einschränkungen zu prüfen.

 

Die IHK hatte für ihren Konjunkturbericht zwischen dem 9.September und dem 30.September zahlreiche Unternehmen in den Landkreisen Berchtesgadener Land, Traunstein, Rosenheim, Mühldorf, Altötting sowie in der Stadt Rosenheim befragt. Dreimal im Jahr wird der IHK-Konjunkturbericht veröffentlicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren