Endlich wieder geöffnet

Heute in einer Woche dürfen Wasserburger Geschäfte wieder aufschließen – Wie bereiten sie sich vor?

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Gärtnereien, Bau- und Gartenmärkte haben seit heute wieder geöffnet. Läden mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern sind am Montag, 27. April, an der Reihe. Wir haben uns stellvertretend für alle Wasserburger Betriebe bei fünf Geschäften umgehört, wie sie sich vorbereiten und welche Sicherheitsmaßnahmen für kommende Woche getroffen werden. Foto: John Cater

Als „ungerecht“ empfindet es Sybille Schumacher, Inhaberin des Inn-Kaufhauses, dass zunächst nur Baumärkte öffnen dürfen. „Das ist keine klare Linie“, äußert sich die Geschäftsfrau, „jedem steht das Wasser bis zum Hals.“ Umso mehr freut sie sich, dass es bald wieder losgeht. „Wir starten natürlich unter Einhaltung sämtlicher Schutzmaßnahmen.“ Deshalb wird es auch keinen Prosecco zum Anstoßen geben. „Aber vielleicht kleine Fläschchen zum Mitnehmen“, plant die Kaufhaus-Chefin.

Denn Sybille Schumacher ist dankbar für „die tolle Unterstützung“, die sie während der Schließung von den Kunden erhalten hat. Der Kontakt zu den Klienten über den Online-Shop oder die Freude bei persönlichen Lieferungen, sei auch eine psychische Stütze gewesen. „Es ist einfach nur traurig, durch das leere Geschäft zu gehen“, berichtet Schumacher, „der Umgang mit Menschen ist einfach wichtig.

Zwar sei der Handel über den Internet-Shop eine wichtige Einnahmequelle gewesen. Aber dass die Verluste, vor allem zu den Osterfeiertagen, die nach Weihnachten mit zum zentralen Geschäft gehören, kompensiert werden können, sei „ganz schwierig.“

Sehr dankbar sei sie für die Hilfe der Wasserburger Basketball-Damen, die beim Lieferservice tatkräftig mitgeholfen hätten. „Den Lieferservice werden wir übrigens weiter anbieten, weil sich sicher noch nicht jeder schon vor die Tür traut.”

 

Auch für Markus Ruepp, Geschäftsführer vom gleichnamigen Juwelier, sind die Verluste kaum wieder aufzufangen: „Wir sind leider kein Baumarkt.“ Die „Trauringtage“, die zweimal im Jahr für jeweils zwei Wochen stattfinden, wurden extra auf den 27. April verlegt, um Einnahmen zu erzielen. „Es gibt zehn Prozent auf den regulären Preis“, kündigt Ruepp an. Die Zeit bis nächsten Montag wird genutzt, um Plexiglasscheiben im Kassenbereich und bei der Trauringberatung aufzustellen. „Wir werden auf den Mindestabstand achten und darauf, dass jeder den vorgeschriebenen Mundschutz trägt“, sagt der Juwelier, „ansonsten freue ich mich und bin froh endlich wieder aufgeräumt zu sein.“

 

Die Auflage mit dem Mund- und Nasenschutz macht es für Annika Wierer von der Parfümerie Wierer nicht eben leichter. „Bei uns will der Kunde natürlich riechen, was er kauft“, so die Inhaberin. Deshalb hat sie eigens leere Zerstäuber bestellt, die mit verschiedenen Düften bestückt werden und die der Interessent zur Probe mit nach Hause nehmen kann. „Wir haben allerdings auch sehr viele Stammkunden, die meinem Ratschlag vertrauen oder ohnehin denselben Duft kaufen“, betont Wierer.

 

Auch hier wird die Kasse mit Plexiglasscheiben geschützt, „wir selbst werden so einen Gesichtsschutz tragen, der uns ein wenig wie Pathologen aussehen lässt.“ Jeweils nur ein Kunde oder ein zusammengehöriges Paar wird bis auf weiteres eingelassen, weil die Geschäftsfläche zu klein sei, um den Mindestabstand zu gewährleisten. Auch Annika Wierer berichtet vom Geschäftsverlust, der nicht mehr aufzuholen ist. „Ein Frühlingsduft, der nicht verkauft worden ist, wird später nicht mehr gekauft“, sagt sie. Eine Lanze bricht Wierer für den Freistaat, der ihr unkompliziert mit der Soforthilfe finanziell unter die Arme gegriffen habe: „Das hat zumindest die Versicherung und die Miete gedeckt.“

 

Zwar hat der Lockdown auch die Buchhandlung Fabula getroffen. „Wir haben aber sogar neue Kunden durch unseren Onlineservice hinzugewonnen“, bestätigt Auszubildende Christina Pemsl. In der Zeit bis zur Wiedereröffnung soll das geplante Konzept umgesetzt werden. Das sieht vor, dass gleich bei der Eingangstüre ein Desinfektionsmittel bereit stehen soll. Außerdem gibt es Tüten für die Kunden, mit denen sie ihre Einkäufe zur Kasse bringen. Die Griffe der Tüten sind mit Gummiband umwickelt, sodass sie leicht desinfiziert werden können und dann für die nächsten Käufer am Eingang bereitstehen. Natürlich wird es auch hier Plexiglasscheiben geben.

 

Für die 800-Quadratmeter-Regelung hat Hugo Gruber, Inhaber des Gewandhauses, das neben Wasserburg auch Häuser in Erding, Freising und Dorfen unterhält, wenig Verständnis. So muss das Oberhaus weiterhin geschlossen bleiben, weil es „zu groß“ ist. „Wir hätten ja beispielsweise nur das Erdgeschoß öffnen können, so wie es zum Beispiel in Baden-Württemberg möglich ist“, wundert sich Gruber, „nur in Bayern geht das nicht.“

Immerhin gehen das Unterhaus und das Sportgeschäft wieder an den Start. Dort werden am Eingang Schutzmasken für die Kunden ausliegen. „Die haben wir selbst produziert, alleine schon, um unsere Angestellten zu schützen.“

Was die Verluste betrifft, zeigt sich der Gewandhaus-Chef abwartend. „Eins unserer Hauptgeschäfte ist etwa die Abendmode. Wir müssen aber abwarten, ob überhaupt in der nächsten Zeit irgendwelche Feste gefeiert werden können“, so Gruber nachdenklich.

CF

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