Emotionaler Abschied vom Landrat

Wolfgang Berthaler zieht bei letzter Kreistagssitzung vor der Kommunalwahl Bilanz zu seiner Amtszeit

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In der letzten Kreistagssitzung vor den Kommunalwahlen hat der Rosenheimer Landrat Wolfgang Berthaler heute in einer emotionalen Rede Bilanz seiner Amtszeit gezogen. Von den Kreisräten gab es dafür stehend Applaus. Berthalers Rückblick:

Ein großes Thema gleich zu Beginn seiner Amtszeit sei die Flüchtlingskrise gewesen. „Keiner hat gewusst, was da auf uns zukommt“, sagte Berthaler. Bei der Übernahme des Amtes von Josef Neiderhell gab es rund 70 unbegleitete Jugendliche Flüchtlinge im Landkreis Rosenheim. Mit Beginn der Flüchtlingswelle stiegen die Zahlen sprunghaft an. Rund 3.500 Flüchtlinge und mehrere hundert unbegleitet Flüchtlinge mussten untergebracht werden. Die Mitarbeiter im Landratsamt hätten diese Herausforderung aber sehr gut gemeistert.

In seiner Amtszeit ist viel gebaut worden. Rund 100 Millionen Euro sind in den vergangenen sechs Jahren in Ausstattung, Neubau oder Erweiterungen von neun Schulen, deren Träger der Landkreis Rosenheim ist, geflossen, sagte Berthaler. Ein besonderer Dank ging an die Hochbauabteilung im Landratsamt Rosenheim, da bei keiner der Baumaßnahmen die Kosten überschritten wurden. „Die beste Wirtschaftsförderung ist, wenn man tolle Schulen und Berufsschulen hat.“

Der Landkreis Rosenheim ist Träger von insgesamt 23 Schulen. Rund 30 Millionen Euro sind außerdem in Neubau und in die Sanierung zweier Verwaltungsgebäude des Landratsamtes geflossen. Damit konnten rund 200 moderne Arbeitsplätze geschaffen werden. Auch in den Erhalt und die Erweiterung der Krankenhäuser wurde viel Geld investiert. In den vergangenen 15 Jahren seien das rund 150 Millionen Euro gewesen. Geld sei nie das Thema gewesen, auch nicht bei der Schließung der Geburtsstation in Bad Aibling, sagte Berthaler.

Die Berichterstattung und die Angriffe hätten ihn damals schwer getroffen. Die Entscheidung, die Geburtsstation zu schließen, habe man nicht leichtfertig getroffen. Es gab viele intensive Gespräche. Am Ende habe es aber am Personal und vor allem an Belegärzten gefehlt, um die Versorgung der Patientinnen bei der Geburt sicher zu stellen. Wenn aufgrund von Personalmangel eine Patientin stirbt, sei er als Landrat in der Amtshaftung, sagte Berthaler. „Es ist nicht am Geld gescheitert, sondern es ging um die Sicherheit der Patientinnen“, bat er für die damalige Entscheidung um Verständnis.

 

Auch beim Thema Straßen sei viel passiert. Der Landkreis habe unter anderem die beiden großen Mangfallbrücken in Kolbermoor und Bruckmühl neu gebaut und eine Ortsumgehung für Albaching. Beim Thema Müllvermeidung sei der Landkreis sehr gut aufgestellt. „Wir haben den wenigsten Restmüll in ganz Bayern und das zu recht niedrigen Preisen“, so Berthaler. Sehr stolz sei er auch auf die Wiederbelebung der Wohnungsbaugesellschaft. Mit der Einstellung von Geschäftsführer Karl Seidl sei wieder etwas vorwärtsgegangen.

Auch wenn der soziale Wohnungsbau nicht Aufgabe des Landkreises ist, so werde man sich hier dennoch engagieren. Berthaler schätzt, dass bis zum Ende der nächsten Amtsperiode rund 100 neue Wohnungen entstehen. Auch beim Thema ÖPNV sei man mit dem Nahverkehrsplan auf einem guten Weg. Auch das Hospiz in Bernau werde noch in diesem Jahr seine Arbeit aufnehmen. „Es ist eine tolle Einrichtung mit 12 Plätzen geworden.“ Hier dankte er auch der Stadt Rosenheim für die gute Zusammenarbeit.

Dem Tourismusverband Chiemsee-Alpenland bescheinigte er, eine sehr gute Arbeit zu leisten und auch die Zusammenarbeit mit dem Nachbarlandkreis funktioniere sehr gut. Das sehe man auch daran, dass beide Landkreise bei der Landesausstellung 2021 auf Schloss Herrenchiemsee wieder eng zusammenarbeiten werden, um die Ausstellung landkreisübergreifend zu vermarkten.

 

„Nicht viele Landkreise leben den Naturschutz so, wie der Landkreis Rosenheim“, begann Berthaler das Thema Naturschutz. In den vergangenen Jahren habe der Landkreis viele Hundert Hektar Moorgrundstücke gekauft. Damit sei es gelungen, riesige Flächen wieder zu vernässen. Auch bei der Wirtschaftsförderung werde tolle Arbeit geleistet, sowohl im Landratsamt, als auch bei der Stadt Rosenheim und in den Landkreiskommunen. Viele Bürgermeister betreiben eine tolle Wirtschaftspolitik und helfen mit, damit sich Gewerbe ansiedeln kann, lobte Berthaler die Bürgermeister.

 

Trotz der vielen Investitionen ist es gelungen, in den vergangenen sechs Jahren rund 40 Millionen Euro Schulden abzubauen. Er dankte den Mitgliedern des Kreistages für ihre Arbeit. Bei allen Entscheidungen habe immer der Landkreis mit seinen Kommunen im Vordergrund gestanden, und nie die Parteien.

 

Persönlich bedauerte Berthaler den Unfall im Sommer 2018 sehr. Gerade beim Thema Brennernordzulauf hätte er sich sonst gern mehr eingebracht. Auch für eine zweite Amtsperiode hätte er wahrscheinlich noch einmal kandidiert. In diesem Zusammenhang bedankte er sich ausdrücklich beim stellvertretenden Landrat Josef Huber (links), der nach seinem Unfall die Amtsgeschäfte übernommen hatte. Huber gab zu, dass ihn die Doppelbelastung sehr gefordert habe. Er zähle die Tage, bis der neue Landrat übernehme. „Ich sehe viele Dinge jetzt anders. Als Bürgermeister kann man leichter ein Urteil fällen, als wenn man selber Entscheidungen treffen muss. Dennoch war es eine interessante und schöne Zeit.“

Stellvertretend für alle Bürgermeister bedankte sich August Voit (rechts) bei Berthaler für dessen Arbeit. „Du warst ein sehr guter Landrat, der richtige Mann zur richtigen Zeit. Du warst uns lieb, aber auch sehr teuer“. Anschließend gab es stehend Ovationen für den scheidenden Landrat.              

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