Eine leidenschaftliche Schreiberin

Zum Tode von Dr. Sieglinde Kirmayer - Rückblick auf das Leben einer außergewöhnlichen Journalistin

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Im Alter von 93 Jahren ist Dr. Sieglinde Kirmayer im Seniorenheim Maria Stern auf der Wasserburger Burg verstorben (wie kurz berichtet). Sie war Zeit ihres Lebens mit Wasserburg eng verbunden, wirkte für die Stadt als Journalistin bei der Wasserburger Zeitung, aber auch für den Heimatverein, dessen Schriftführerin sie von 1968 bis 1973 war.

1946 war sie Schülerin des ersten Abiturjahrgangs nach dem Kriege, besuchte anschließend die Dolmetscherschule, bevor sie 1947 das Studium der Zeitungswissenschaft, Literaturgeschichte und Neueren Geschichte aufnahm.

1956 promovierte sie im Fach Zeitungswissenschaft.

Bekannt war sie in der Stadt als „leidenschaftliche Schreiberin“. Bereits 1951 veröffentlichte sie in der „Heimat am Inn“ Beiträge, zunächst über „Hof und Kapelle Rottmoos“ und ein Jahr später über den „Kapellenkranz von St. Jakob“. 1953 veröffentlichte sie dann einen Beitrag über das „Zeitungswesen Wasserburgs“. Von 1953 bis 1987 war sie Redakteurin der Wasserburger Zeitung.

Als die Bayerische Staatsregierung 1971/72 die Auflösung des Landkreises Wasserburg plante, kämpfte sie leidenschaftlich und hartnäckig gegen „dieses Unrecht“. Mit Alex Heck, dem bekannten Fotografen, arbeitete sie sehr eng zusammen. Aber als er ein Fahrzeug mit Rosenheimer Kennzeichen (und nicht mehr Wasserburger) fahren musste, war es ihr ein Gräuel. Sie selbst fuhr nicht Auto, auch Computer und andere moderne Medien in Sachen Textverarbeitung blieben ihr fremd. Sie schrieb ihre Texte auf der Schreibmaschine und klebte die Fotos anschließend aufs Papier.

Es ist hier wohl fast unmöglich, die zahllosen Texte, die sie während ihrer Zeit als Redakteurin verfasst hat, aufzuzählen. Der Aufsatz „Abiturfeier bei Heißgetränk – Schülerleben zwischen den Jahren 1938 – 1946“ sei aber erwähnt. Er wurde veröffentlicht in der Jubiläumsschrift des Luitpold-Gymnasiums zum 125jährigen Bestehen dieser Schule. Der Artikel gibt einen guten Einblick in die schulischen Verhältnisse jener Zeit.

In Wasserburg wurde sie hochgeschätzt: Ihre freundliche, humorvolle Art und ihr hintergründiger Humor machten sie zu einem unentbehrlichen Ratgeber für viele in der Stadt.

Während ihrer Zeit als Schriftführerin des Heimatvereins sorgte sie auch zuverlässig für eine stets pünktliche und umfassende Pressearbeit, was den Bekanntheitsgrad des Vereins enorm steigerte. Als sie 2001 aus dem Vorstand ausschied, wurde die zum Ehrenmitglied des Heimatvereins ernannt.

 

Mit Dr. Sieglinde Kirmayer verliert Wasserburg eine stets kritische doch philanthrope Begleiterin des öffentlichen Lebens.

 

Foto: 7. Juli 1991 – In einer kleinen Feier enthüllt Dr. Sieglinde Kirmayer das neue Schild der Josef-Kirmayer-Straße an der Ecke zum Kaspar-Aiblinger-Platz.

Peter Rink/ Foto: Archiv Alex Heck

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Ein Kommentar zu “Eine leidenschaftliche Schreiberin

  1. Pflaum-Müller Heidrun Angelika

    Ein zauberhafter Bericht. Ich durfte von 1974-1978 die Kollegin der besten Freundin von Frau Kirmayer sein in der Stadtkämmerei Wasserburg am Inn …

    Schreibe aus Porec/Kroatien und liebe Ihre Wasserburger Stimme – svaki dan – täglich!!!

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