Eine 18.000-Euro-Preisauslobung

Für Forschungen über die Zeit des Nationalsozialismus in der Stadt Wasserburg - Ab sofort bewerben

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Mit einer Preisauslobung (Preisgeld: 18.000 Euro) soll die Entstehung einer geschichtswissenschaftlichen Studie über die Zeit des Nationalsozialismus in der Stadt Wasserburg unterstützt und realisiert werden. Ansprechpartner für nähere Infos und die Bewerbung zu dieser Preisauslobung ist Wasserburgs Stadtarchivar Matthias Haupt …

Nach dem Machtantritt 1933 etablierte sich die nationalsozialistische Diktatur auch in der Stadt Wasserburg schnell. Bis zum Juli verloren Mandatsträger der Parteien SPD und BVP ihre Ämter im Wasserburger Stadtrat. Gegner des Regimes wurden verfolgt. Denunziationen führten zwischen 1933 und 1945 zu Verhaftungen. Staatlicher und parteilicher Zwang wurde ausgeübt. Unrecht hatte im Nationalsozialismus viele Gesichter. Der Willkürstaat durchdrang alle Lebensbereiche.

Foto: Das Mahnmal am Wasserburger Heisererplatz

„Als ich über die Brücke laufend meine Hand nicht zum Hitlergruß erhob, bekam ich eine Schelle vom Schülerheimdirektor, der ein überzeugter Nationalsozialist war …”

Diese Aussage eines Wasserburger Schülers der damaligen „Luitpold-Oberrealschule“ Wasserburg zu den Geschehnissen auf einem seiner Schulwege von der Altstadt zum Gymnasium um das Jahr 1940, ist vielleicht ein Stück weit sinnbildlich für viele offene Fragen zum Alltag der Menschen in Wasserburg während des Nationalsozialismus.

Der Vorgang steht stellvertretend für den Verlust des Grundrechts auf persönliche Freiheit. Verbote, Kontrollen und nationalsozialistische Lenkung wurden Bestandteil des Alltags.

Sie wurden oft als selbstverständlich hingenommen und unter Umständen auch nach der Befreiung vom Nationalsozialismus nicht als Unrecht empfunden. Im Vergleich zu anderen Verbrechen des Nationalsozialismus wirkt die Züchtigung des Schülers oder ähnliche Vorgänge, die in einer Kleinstadt zum Alltag im Nationalsozialismus gehörten, vielleicht unscheinbar. Und doch sind sie Teil der Wellen an Gewalt, die sich zwischen 1933 und 1945 ereigneten.

Im Mittelpunkt der Studie, die einen umfassenden Ein- und Überblick über die gesamte Zeit des Nationalsozialismus in Wasserburg geben soll, stehen auch Fragen zur NS-Ausgrenzungsgesellschaft vor Ort.

Es wird angestrebt, folgende Themenkomplexe zu bearbeiten – Beispiel

Einführung in das Thema Zeit der „Machtergreifung“

  • Wie stieg die NS-Bewegung vor Ort auf und wie fasste sie gerade in den Anfangsjahren Fuß? –
  • Wie wurden die Wasserburger zum „Mitmachen” bewegt und welche Menschen wurden dabei ausgegrenzt? –
  • Wie wirkte sich das System der „Schutzhaft” in Wasserburg aus?
    • Unmittelbare Auswirkungen der Ernennung Adolf Hitlers am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler.
    • regionale/lokale Ergebnisse der Reichstagswahlen März 1933.
    • Die Gleichschaltungsbestrebungen der Nationalsozialisten in der Wasserburger Stadtverwaltung sowie auf Kreisebene des Altlandkreises Wasserburg.
    • Anpassungsdruck auf bürgerliche Kräfte.
    • Ausgrenzung/Zerschlagung der übrigen Parteienlandschaft.
    • Erste politische Opfer: System der „Schutzhaft“.
    • Entwicklung der Zustimmung der Wasserburger zum Nationalsozialismus.

Das Manuskript der Abhandlung wird dem Stadtarchiv zum Druck, zur Veröffentlichung bzw. ggf. auch zur Online-Publikation kostenlos und zeitlich unbefristet unter einer Creative Commons Lizenzierung überlassen. Es wird zudem angestrebt, Teilbearbeitungen neben der Gesamtdarstellung auch im Historischen Lexikon Wasserburg zu publizieren und entsprechend aufzubereiten.

Auf der Grundlage der schriftlichen Ausarbeitung wird im Zusammenhang der Veröffentlichung, welche über die Schriftenreihe des Stadtarchivs realisiert wird, mindestens ein Vortragsabend gestaltet.
Hierbei werden die Ergebnisse ansprechend und auch für Laien gut verständlich präsentiert.
Zwischenberichte zum Arbeitsstand werden (je nach Bearbeitungsdauer) einmal jährlich nach Vergabe dieser Preisauslobung erwartet.
Zeitliche Perspektive/Bewerbung und Arbeitsskizze/Preisgeld Für die Bearbeitung wird nach individueller Absprache eine Bearbeitungszeit von zwei bis max. vier Jahren eingeräumt. Die Arbeit kann/darf im Kontext wissenschaftlicher Ausbildung stehen. Die Preisauslobung für vorgenannte Aufgabenstellung richtet sich gleichwohl an freiberuflich tätige Historiker*innen (o.ä.). Eine Bewerbung als Arbeitsgemeinschaft ist möglich.

Über Details zur Quellenüberlieferung vor Ort informiert das Stadtarchiv Wasserburg a. Inn gerne, ebenso wird jedoch die eigenständige Quellenrecherche hier und in weiteren Einrichtungen und Archiven erwartet.
Um die Preisauslobung bewerben können Sie sich mit einem Motivationsschreiben, Ihrem (v.a. wissenschaftlichen) Lebenslauf, einer Leseprobe (ggf. auch Nachweisen bisheriger Veröffentlichungen in Auswahl sowie Referenzen der Vortragstätigkeit) und einer Arbeitsskizze bis 12.3.2021 beim
Stadtarchiv Wasserburg a. Inn Kellerstr. 10 83512 Wasserburg a. Inn. E-Mail: bewerbung.stadtarchiv@wasserburg.de

Bitte reichen Sie Ihre Bewerbung ausschließlich elektronisch (per E-Mail) und als zusammenhängendes PDF ein. Im Betreff der Mail nennen Sie bitte die Zeichenfolge: „Bewerbung-NS-WS-21-25“.
 
 
Kontakt/Fragen: Ihr Ansprechpartner zu dieser Preisauslobung ist Stadtarchivar Matthias Haupt.

Stadt Wasserburg  – Stadtarchiv Kellerstr. 10 – 83512 Wasserburg a. Inn

Telefon: +49 8071 920369 Telefax: +49 8071 920371

E-Mail: matthias.haupt@wasserburg.de

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