Ein schönes Wiedersehen

Für Konrad Reisböck (88) vom Betreuungshof Rottmoos - Dank unseres Artikels

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Auf seinem Briefkopf steht „Generalmusikdirigentenmeister und Hoffotograf“ und darauf ist der 88-jährige Konrad Reisböck vom Betreuungshof Rottmoos – er war dort 1955 einer der ersten Bewohner – besonders stolz. Sagen die Bezeichnungen doch aus, dass er als schwer Gehör-Geschädigter in seinem nicht leichten Leben zwei leidenschaftliche Freuden hatte: Die Blasmusik und das Fotografieren. Einen Einblick in seine Erinnerungen gewährte er jetzt bei einem Besuch in Wildenwart, dem Ort, der ihm für die ersten Jahre seines Lebens Heimat bei einer Pflegefamilie (Foto) bot.

Seit sechs Jahren wohnt er in der Wohngruppe 3 von Rottmoos, einem Haus mit 50 Bewohnern. Besonders froh ist Konrad, dass seine Freundin Loni in der gleichen Wohngruppe wohnt.

Konrad wurde 1931 als Sohn seiner Mutter Magdalena Reisböck in Atzing (damals Gemeinde Wildenwart, heute Gemeinde Prien) geboren. Schon bald kam er noch als Baby zur Familie Loferer auf dem Röselsberg bei Wildenwart und fand dort liebevolle Aufnahme.

In Röselsberg und Umgebung erlebte er schöne Kindheitsjahre (im Foto ganz rechts), er war aufgenommen in einer kinderreichen Familie, machte sich trotz seiner Sprach-Behinderungen gerne mit auf den Weg zum Kirchgang in die 1934 geweihte Kirche „Christkönig“, musste aber mit Beginn der Schulreife Wildenwart verlassen.

Es folgte die Einschulung in der Berufsschule für Gehörlose in München, 1944 musste er wegen Bomben und kriegsbedingten Bränden München verlassen und er kam zur Gehörlosenschule nach Murnau.

In seinen jungen Jahren arbeitete er in einer Glaserei in Grassau im Chiemgau und als Schuhmacherhelfer in München. Im November 1955 begann dann sein bis heute andauernder Lebensabschnitt im Betreuungshof Rottmoos, eine Einrichtung für hör- und sprachgeschädigte Menschen am Wasserburger Stadtrand. 

Als einer der ersten Bewohner wurde er von diesem Betreuungshof auch unterstützt, als er von 1956 bis 1995 in den Werkstätten von Gabersee als Glaser arbeitete und 1999 in Gabersee eine kleine Wohnung bezog.

Mit Foto-Alben in Erinnerungen geschwelgt

Mit seiner Loni (siehe Foto weiter oben) und mit seiner Betreuerin Monika machte er sich jetzt zum Jahresanfang 2020 auf den Weg nach Wildenwart, das er seit seinem Wegzug vor gut 80 Jahren zwar immer wieder mal besucht hatte, aber doch kaum noch persönliche Kontakte mehr hatte.

Der neue Kontakt kam zustande dank eines Artikels bei uns – der Wasserburger Stimme – über den Wasserburger Kalender 2020:

Der Kalender zeigt nämlich Foto-Aufnahmen von Konrad Reisböck und in der Vita wird auf die Kindheit in Wildenwart hingewiesen.

 

Recherchen der Wildenwarter führten zum Erfolg und zur nunmehrigen Einladung nach Stupfa bei Wildenwart bei Rita Aicher und ihrem Mann Georg, der mit 87 Jahren ein Jahr jünger ist als Konrad. Rita Aicher (Foto) war eine der Röselsberger-Töchter, die sich noch gerne an Konrad, seine Kindheit und seine späteren Besuche erinnern.

Bis heute hat Konrad Reisböck mit der Loferer-Familie zwar selten, aber doch immer wieder Kontakt gehalten. So brachte Peter Loferer, bei dessen Oma Konrad als Baby Aufnahme fand, Briefe mit, die Konrad nach Röselsberg sandte.

In diesen Briefen beschreibt er seine Freude mit den Bildern seiner Nikon-Analog-Kamera. Chronologisch interessant hat der Hobby-Fotograf seine Aufnahmen in vielen Alben festgehalten. Einige dieser Alben brachte er zum Treffen nach Stupfa mit, die Bilder-Erinnerungen war natürlich beste Grundlage für einen regen Gedankenaustausch.

Eine der Aufnahmen, die Konrad gemacht und mitgebracht hatte, zeigt Rita Aicher als junges Dirndl daheim in Röselsberg bei der Pferdepflege, eine andere Aufnahme zeigt ihn als Dirigent der Kiefersfeldener Musikkapelle, die zu seinem 85. Geburtstag nach Rottmoos kam. Die Kiefersfeldener haben Konrad ebenso wie die Wasserburger Stadtkapelle in all den Jahrzehnten besonders lieb gewonnen, denn er machte sich bei deren Auftritten immer wieder positiv bemerkbar. Als Dirigent bewies er sein musikalisches Talent.

Mit einem seiner eigenen Kalender 2020 („Durch die Linse eines Urgesteins – Wasserburg in alten Ansichten – Fotografien von Konrad Reisböck“) bedankte sich Konrad Reisböck bei den Wildenwarter Gastgebern für die Einladung, zusammen mit seiner Freundin Loni und seiner Betreuerin Monika machte er sich wieder auf den Weg nach Rottmoos bei Wasserburg und versprach, sich bald wieder mit einem Brief zu melden.

Fotos/Repros: Hötzelsperger

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