„Ein richtungweisendes Projekt”

Stadtrat bringt Zentraldepot für städtisches Museum auf den Weg - Drei Millionen an Kosten

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„Wann, wenn nicht jetzt? Wir haben alle Einwände berücksichtigt, alles nochmals überplant. Die Notwendigkeit für dieses richtungweisende Projekt ist gegeben. Unser Museum braucht dringend eine Sanierung und das ist nur möglich, wenn es das Depot gibt. Außerdem sind die meisten unserer geschichtsträchtigen Exponate in völlig ungeeigneten Lagerstätten aufbewahrt.” Ein eindringliches Plädoyer für das Zentraldepot hielt Bürgermeister Michael Kölbl bei der gestrigen Stadtratssitzung. Und er war sich mit den Räten einig. Ohne Gegenstimme brachte der Wasserburger Stadtrat das Drei-Millionen-Projekt auf den Weg.

Kölbl eingangs der Beratungen: „Wir wünschen und wollen eine zeitgemäße Ausstattung für unser Museum. Technisch und inhaltlich ist der Zeitpunkt gekommen, das Depot in Angriff zu nehmen.” Auch die Haushaltslage sei gut bis sehr gut. Es gebe keinen Grund mehr, abzuwarten. Immerhin befasse man sich bereits seit 13 Jahren mit dem Bau des Museumsdepots.

Und diesen Zeitraum ließ Kölbl dann kurz Revue passieren. Der erste Beschluss, sich mit dem Depot zu befassen, sei 2006 gefallen. Verschiedene Räumlichkeiten seien besichtigt worden. Dann habe das Fraunhofer Institut signalisiert, ein solches Depot zu Forschungszwecken bauen zu wollen. „Für uns damals eine ideale Lösung. Doch die Forschungsmaßnahme wurde dann leider gestoppt. Und schon war das Projekt wieder bei der Stadt.”

Eine Zeit lang habe es so ausgesehen, als gebe es keinerlei Förderung für den Bau des Depots. Auch die aufwändige und teure Klimatisierung habe den Stadtrat lange Zeit abgeschreckt. Dann aber habe man ein Depot in der Oberpfalz besichtigt. „Von dem waren alle sehr angetan. Die Klimatisierung funktionierte einfacher und deutlich kostengünstiger als bei den ersten Plänen für Wasserburg. „Wir waren alle von dem Bau angetan.” Und auch bei den Fördermöglichkeiten habe man nochmals nachgefasst. „Wir können heute davon ausgehen, dass wir aus dem Kulturfonds Bayern und anderen Fördertöpfen rund eine Million Euro erhalten werden”, so Kölbl.

Marcel L. Tonnar und Alexander Schwab vom Architektur-Büro „ASA” in Unterhaching legten den Stadträten anschließend nochmals die Pläne für das Zentraldepot dar. Sie zeigten auf, dass man ein besonderes Augenmerk auf den Brandschutz, die Beleuchtung und die Durchlüftung gelegt habe. „Wir haben jetzt einen absolut optimierten Entwurf”, so Schwab. Das Depot werde bei seiner Inbetriebnahme 1300 Quadratmeter an Lagerfläche bieten.

Wichtig sei auch, dass in dem Gebäude eine bestimmte Luftfeuchtigkeit und Temperatur gehalten werden, ergänzte Tonnar. „Das Depot muss immer leicht luftdurchströmt sein. Das Heizen nehme man mit der Kombination aus Photovoltaik und Wärmepumpen vor. „Wir müssen darauf achten, jegliches Wasser unterhalb der Kunstwerke zu halten. Es darf keine Rohre oberhalb geben.” Insgesamt rechne er mit einem Energieaufwand von  4000 bis 5000 Euro im Jahr.

Stadtbaumeisterin Mechtild Hermann legte anschließend eine Folgekostenschätzung vor. „Ich betone, es ist eine Schätzung. Wir wissen natürlich nicht, wie das in zehn Jahren alles aussieht.” Für Strom, Reinigung, Abfall, Wasser, Pflege der Außenanlagen, Nachrüstkosten, Brandschutz, Heizung und Wartung, für die Sicherheitstechnik und Unterhaltskosten rechne man mit insgesamt 23.000 Euro jährlich. „Wir haben das nicht knapp gerechnet, da ist noch Luft nach unten. Die Zahlen sind belastbar.”

Die Stadträte waren quer durch alle Fraktionen von den Plänen und Zahlen positiv überrascht. Lorenz Huber (Bürgerforum): „Das klingt alles sehr plausibel, das sieht zukunftsträchtig aus.” Dennoch frage er sich, ob man den optisch nicht gerade schönen Flachbau nicht durch obenliegende Wohnungen verbessern könne. „Dann hätten wir gleich auch noch einen Einbruchschutz. Heute gibt’s doch schon fast bei jedem Supermarkt Wohnungen.”

Die Architekten warnten aber vor einer solchen Lösung: Erstens brauche man dann einen Kanalanschluss, zweitens habe man dann Wasser über den Exponaten, was unbedingt zu vermeiden sei. Das Flachdach sei im Übrigen leicht geneigt, um Wasserschäden vorzubeugen.

Auch Edith Stürmlinger (Bürgerforum) lobte den Planentwurf: „Ich bin in meiner Funktion als Kulturreferentin erleichtert, dass wir nach 13 Jahren endlich soweit sind, unsere über Jahrhunderte angesammelten Kunstgegenstände entsprechend unterbringen zu  können.”

Christian Stadler (Grüne) sagte, seine Fraktion stimme den Plänen zu, „allerdings wäre es sicherlich gut, auf dem ganzen Dach eine Photovoltaik-Anlage anzubringen.” Er sehe in den Plänen, dass nur ein Teil des Daches dafür vorgesehen sei.

Markus Bauer (CSU) zeigte sich erfreut darüber, „dass in das Projekt endlich mal alle Folgekosten eingerechnet sind. So stellen wir uns das vor, auch wenn offensichtlich noch nicht alles drin ist. Ich habe zum Beispiel noch nichts über Personalkosten und die Aufbereitung sowie den Umzug der Exponate gehört. „Das hätten wir auch noch gerne gewusst. Auch fragen wir uns, ob wir wirklich jeden Bauernschrank restaurieren und einlagern müssen.”

Der Bürgermeister beruhigte Bauer: „Die Bestückung des Depots erfolgt in Abhängigkeit von der Haushaltslage. Und wir werden natürlich nicht jedes Exponat restaurieren, erstmal vieles nur lagertauglich machen.”

Überzeugt von den aktuellen Plänen zeigte sich auch Werner Gartner (SPD): „Die laufenden Kosten sind das Entscheidende. Die ursprünglich berechnete Höhe wäre nicht zu verantworten gewesen, jetzt sind wir auf einem guten Weg. Wir haben die Chance, den Bau umzusetzen. In unseren Notdepots haben wir übers Jahr bis zu 30, 40 Grad Temperaturunterschiede. So kann man unsere wertvollen Exponate auf Dauer nicht lagern. Wir sind das unserer Geschichte schuldig.”

Mechtild Hermann zeigte dann noch die zeitliche Schiene für das Depot auf. Es folge jetzt das Genehmigungsverfahren. Fachplaner müssten eingeschaltet werden, eine Werkplanung folgen. „Der Entwurf ist mit heißer Nadel gestrickt, da müssen wir sicher noch viele Details klären.”  Man könne aber sicher noch heuer mit den ersten Ausschreibungen starten, Baubeginn könnte dann im nächsten Jahr sein.

Der Stadtrat beschloss daraufhin einstimmig die Errichtung eines Zentraldepots für das städtische Museum mit einem Kostenrahmen von derzeit 3,1 Millionen. Das Fraunhofer Institut soll das Projekt weiterhin wissenschaftlich begleiten. Die Bestückung des Depots erfolgt in Abhängigkeit von der Haushaltslage. „Das wird sich sicher sich über einen längeren Zeitraum hinziehen”, so der Bürgermeister abschließend.

 

Die Planungen im Detail …

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