Ein „Meisterboxer“ auf Gemüsediät

Paradestück der Situationskomik bei der Theatergemeinschaft Amerang

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In die aktuelle Spielsaison geht die Theatergemeinschaft Amerang mit einem bekannten und oft gespielten Paradestück der Situationskomik – „Der Meisterboxer“ von Otto Schwartz und Carl Mathern, mit dem einst Willy Millowitsch Berühmtheit erlangte. Die Vorgänge sind in der in Amerang gespielten Fassung in München-Giesing um 1955 angesiedelt, in der Ameranger Darbietung wirkt jedoch einiges recht modern und auch Bezüge zu lokalen Gegebenheiten sind durchaus erkennbar.

Unter anderem kann man an diesem Abend eine Menge über vegane Küche lernen. Das hängt mit der Grundkonstellation des Stückes zusammen: Zwei Damen der besseren Gesellschaft meinen, dass es zur Gesunderhaltung ihrer Ehemänner notwendig ist, diese auf fleischlose Diät zu setzen, bei der Alkohol selbstverständlich auch nicht erlaubt ist.

Und so lebt das Stück vor allem von der Frage, welche Auswege die Männer aus dem gestrengen Regiment ihrer Ehefrauen finden. Und letzten Endes auch von der Frage, ob das gutgehen kann, wenn die Gattinnen laut eigener Aussage den Mann als „Rohstoff“ sehen, „der geformt werden muss“.

 

Für die Zuschauer sind die Bemühungen der beiden Damen und die Reaktionen der ihnen angetrauten Männer allerdings sehr unterhaltsam, denn aus den diversen Reibungsflächen entstehen Schlag auf Schlag urkomische Situationen. Doch damit nicht genug – die Handlung nimmt zusätzliche Fahrt auf durch die Namensgleichheit von Vater und Sohn Breitenbach und vor allem durch den Umstand, dass es dazu noch einen Spitzenboxer dieses Namens gibt, der – um die Sache noch etwas komplizierter zu machen – Bekanntschaft mit der Breitenbach-Tochter Lilli gemacht hat und gleich Feuer und Flamme für sie ist. Da ist das Chaos vorprogrammiert, wenn sich der alte Friedrich Breitenbach als der Boxer ausgibt, um sich der Kontrolle seiner Frau zu entziehen.

 

Gute Ausgestaltung der Charaktere

Sehenswert wird der „Meisterboxer“ in der Ameranger Version vor allem durch die schauspielerische Umsetzung, die genau das richtige Maß an Übertreibung findet. Unter der Spielleitung von „Yps“ Hronek, assistiert von Franz Strell, lösen die Ameranger Theaterspieler die Aufgabe mit Bravour, die Balance zwischen Überdrehtheit und Realitätsnähe zu finden. Sie gestalten ihre Charaktere genüsslich aus und zeigen dabei altbekannte Muster auf.

Wenn Silvia Tunat als Marmeladenfabrikantengattin Adelheid Breitenbach durch den Salon rauscht ist jedem klar, warum ihr angetrauter Friedrich Breitenbach den Weg des geringsten Widerstands wählt und sein Heil darin sucht, sich als Meisterboxer auszugeben. Mit sichtlicher Spielfreude gibt Anton Neubauer den schlitzohrigen Ehemann, der sich in seinen eigenen Tricks verstrickt, aber eigentlich nur aus Sehnsucht nach familiärer Harmonie. Maria Scalise überzeugt als Tochter Lilli, die froh ist, dass sich ihr neuer Verehrer Friedrich Breitenbach – der echte Boxer – nicht von ihrer Mutter die Schneid abkaufen lässt.

Michael Oberbauer füllt den Part gut aus, Normalität in das von den Alten gestiftete Durcheinander zu bringen. Karina Köhldorfner und Hans Wurmannstetter als Amalie und Egon Wipperling verdoppeln gekonnt gewissermaßen die Grundkonstellation des Ehepaars Breitenbach und tragen weitere Aspekte zum Verständnis der Problematik des Geschlechterverhältnisses bei, ebenso Veronika Gubisch als Hausmädchen Rosa, das kein Hehl aus seinem Verständnis für die Ehemänner und dem Wunsch nach etwas normaleren Verhaltensweisen der Herrin macht.

Leonhard Fischbacher als Sohn Fritz (Friedrich) Breitenbach zeigt klar, dass er durch seine Liäson mit der französischen Sängerin und Tänzerin Coco nicht unerheblich zum Durcheinander im Hause Breitenbach beiträgt. Und Coco selbst (Marina Thaller) bringt mit herrlichem französischem Akzent wirklich Farbe in das eigentlich von allen gemeinsam angerichtete Verwirrspiel. Und immer wieder sind es die ausgeklügelten Details, die in der Ameranger Aufführung zum fast pausenlosen Amüsement der Zuschauer beitragen, beispielsweise Friedrich Breitenbachs Kampf mit den Fremdworten und boxsportlichen Fachausdrücken oder die unglaubliche Reaktion der Grünpflanze im Breitenbachschen Salon auf unterschiedliche Getränke.

Weitere Aufführungen:

Das Stück ist eine Komödie, und die muss schließlich gut ausgehen. Wer selbst herausfinden will, wie die Damen von ihren Verhaltensauffälligkeiten kuriert werden : Die nächsten Aufführungen der Theatergemeinschaft Amerang finden statt am Freitag, 29.  und Samstag, 30. März, weitere am Freitag, 5. April, und Samstag, 6.April, jeweils um 20 Uhr. Karten im Café Smile in Amerang und an der Abendkasse, Reservierungen können unter 0151/750 277 21 oder konrad.gubisch@t-online.de vorgenommen werden.

IG

Foto oben: Egon Wipperling (Hans Wurmannstetter, von links), Adelheid Breitenbach (Silvia Tunat), Fritz Breitenbach (Leonhard Fischbacher), Lilli Breitenbach (Maria Scalise) und Rosa (Veronika Gubisch) lassen sich von Friedrich Breitenbachs (Anton Neubauer) Schilderung seines Sieges mitreißen

 

 

Egon Wipperling (Hans Wurmannstetter, von links), Adelheid Breitenbach (Silvia Tunat), Fritz Breitenbach (Leonhard Fischbacher), Lilli Breitenbach (Maria Scalise) und Rosa (Veronika Gubisch, verdeckt) lassen sich von Friedrich Breitenbachs (Anton Neubauer) Schilderung seines Sieges mitreißen.

 

Kampf zwischen zwei ungleichen Boxern: Friedrich Breitenbach (Anton Neubauer, von links) und Friedrich Breitenbach (Michael Oberbauer) – beobachtet von Adelheid Breitenbach (Silvia Tunat) und Lilli Breitenbach (Maria Scalise).

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