Meilenstein für die Gleichbehandlung

Ministerpräsident und Gesundheitsministerin bei Grundsteinlegung in Gabersee

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In ganz Bayern gibt es derzeit kein Krankenhaus-Bauprojekt, das größer ist. Satte 240 Millionen Euro von Freistaat, Bezirk und Landkreis werden in die Verschmelzung der RoMed- und der kbo-Inn-Salzach-Klinik fließen und es soll ein Meilenstein werden. Dahingehend, psychiatrische und körperliche Erkrankungen auf gleicher Stufe zu behandeln. Für die Grundsteinlegung dieses zukunftsträchtigen Projekts kamen Ministerpräsident Markus Söder und Gesundheitsministerin Melanie Huml höchst persönlich aus München angereist – wir berichteten bereits kurz …

 

„Wir setzen hier ein wichtiges Zeichen für die Entstigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen”, so Dr. Theodor Danzl, Geschäftsführer des kbo-Inn-Salzach-Klinikums, gleich zu Beginn. Es sei daher eine besondere Ehre, dass Ministerpräsident Markus Söder zusammen mit Gesundheitsministerin Melanie Huml der Grundsteinlegung für dieses zukunftsträchtige Bauprojekt beiwohnen.

Auch viele weitere Vertreter aus Geistlichkeit und Politik, Beteiligte am Bauprojekt und zahlreiche Funktionäre und Mitarbeiter der Kliniken, die am Standort in Gabersee verschmolzen werden sollen, waren anwesend.

„Hier wird etwas Mustergültiges im ganzen Freistaat auf die Beine gestellt”, schloss sich Dr. Jens Deerberg-Wittram (Foto unten), Geschäftsführer des RoMed-Klinikums Wasserburg, an. Er richtete sich in seiner Rede auch ganz dezidiert an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Pflegekräfte, Therapeuten und Ärzte, die durch ihre Tatkraft die Zusammenführung von somatischer und psychiatrischer Medizin an einem Standort erst möglich machen würden.

Im Anschluss an die Begrüßungen durch die beiden Klinik-Geschäftsführer wurde dann die Grundsteinkartusche eingemauert. Darin: Erinnerungen an die Kliniken in Form von Zeitungsartikeln, Broschüren und Fotos, um künftige Generationen an das Bauprojekt zu erinnern. Natürlich hoffe man aber, dass die Kapsel nicht so bald gefunden werde, weil das ja einen Einsturz oder Abriss des Gebäudes bedeuten würde. Von den voraussichtlich investierten 240 Mio Euro wolle man auch „lange was haben”, betonte Danzl.

Mit Spatel und Hammer wurde die Kapsel in den großen runden Grundstein gelegt und mit Beton und Ziegeln versiegelt. Da erforderte es auch einiges an handwerklichem Geschick. Der Ministerpräsident packte kräftig mit an, scherzte jedoch, dass das wahrscheinlich keine gute Idee sei. „Mein Vater hat immer gesagt, ich hab’ zwei linke Hände. Mit dieser Begabung kann ich bestenfalls Pfarrer oder Politiker werden”.

 

In seiner Rede bekräftigte er, es sei ihm eine Freude, bei diesem Anlass gemeinsam mit Melanie Huml nach Gabersee eingeladen worden zu sein – immerhin sei dies das derzeit größte Krankenhausvorhaben, das der Freistaat mit auf den Weg bringe. Die Idee somatisch und psychiatrische Medizin miteinander zu verbinden, finde er besonders faszinierend und wichtig. Dementsprechend fördere der Freistaat das Bauprojekt auch mit 100 Millionen Euro. „Wir setzen damit auch ein Zeichen für die Stärkung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Das ist eine unserer Schlüsselaufgaben, denn es muss nicht immer alles um die Großstädte gehen”, so Markus Söder.

Gesundheitsministerin Melanie Huml schloss sich Söder weitestgehend an und machte zudem deutlich, wie symbolträchtig die Zusammenlegung der beiden Kliniken – sogar mit einem gemeinsamen Eingangsbereich – zugunsten einer Enttabuisierung psychischer Krankheiten ist. „Wenn jemand eine Operation hat, das erzählt man leichter mal im Bekanntenkreis, aber wenn die Tochter magersüchtig ist, der Papa Depressionen hat, das ist dann schon schwieriger.” So sei das neue Klinikgebäude ein Meilenstein in Richtung Gleichbehandlung von psychischen und körperlichen Erkrankungen.

Bezirkstagspräsident Josef Mederer gab einen kleinen historischen Rückblick auf die erste „Irrenkreisanstalt”, die 1883 in Gabersee entstand und zu ihrer Zeit schon ein wegweisend gewesen sei. Jetzt wolle man an selber Stelle wieder Vorreiter sein und hoffe, viele Nachahmer zu finden. Finanziell sei der Bau ohne die Unterstützung des Ministeriums nicht möglich gewesen. „Es war schon eine deutliche Positionierung des Ministeriums für diese Lösung, aber wir haben’s uns auch erkämpft.”

Stellvertretender Landrat Josef Huber unterstrich die hohe Beteiligung des verhältnismäßig „armen” Landkreises Rosenheim, der das Projekt mit 31 Millionen aus dem Kreishaushalt unterstütze. Anfänglich sei er zwar skeptisch gewesen, jedoch habe er gemerkt, dass man tätig werden müsse. „Jeder Euro, der hier investiert wird, dient der Gesundheit unserer Bürgerinnen und Bürger und ich bin auch ein bisschen stolz, dass hier sowas Tolles entsteht”. 

Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl gab den Abschluss der Reden und freute sich, dass die Stadt bei dem Bauvorhaben finanziell betrachtet der „lachende Vierte” sei. Man könne es nicht hoch genug einschätzen, dass man diesen Standort erhalte, aber gleichzeitig nicht mitzahlen müsse, da sich Freistaat, Bezirk und Landkreis die Kosten aufteilen.

Zuletzt richtete er sich noch mit einer Bitte an Söder. Der letzte offizielle Besuch eines Ministerpräsidenten sei 1988 gewesen, als Franz Josef Straß anlässlich der 850-Jahrfeier der Stadt nach Wasserburg kam. Nun werde es Zeit für eine neue Unterschrift im Goldenen Buch der Stadt. Diesem Wunsch kam Markus Söder selbstverständlich nach und auch Gesundheitsministerin Melanie Huml verewigte sich mit ihrem Autogramm noch schnell auf den weißen Seiten, bevor der straffe Zeitplan die Ministerin und den Ministerpräsidenten wieder zurück nach München schickte.

 

MP

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