Ein klares Nein der Bauern

Volksbegehren: „Ich werde mich nicht eintragen“, gibt Landrat Josef Huber bekannt

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„Ich werde mich nicht eintragen“ – mit dieser klaren Aussage von stellvertretendem Landrat Josef Huber vom Landkreis Rosenheim beendete dieser sein Grußwort in der Inntalhalle zum Kreisbauerntag des Bayerischen Bauernverbandes an diesem Wochenende. Überhaupt war das derzeitige Volksbegehren „Rettet die Bienen“ das Hauptthema bei der Zusammenkunft von Landwirten, Vertretern der landwirtschaftlichen Organisationen, Banken und weiteren Ehrengästen. Es ging aber auch um die Brenner-Basis-Planungen oder den Wolf …

Als Hauptredner hatte der BBV-Kreisvorsitzende Josef Bodmaier den Umweltpräsidenten des Bayerischen Bauernverbandes, Stefan Köhler aus Franken gewinnen können.

In seinem Grußwort erläuterte Landrat Huber seine klare Position, indem er sagte: „Bei diesem Volksbegehren fehlt der Dialog mit der Landwirtschaft und diese müsste bei einem Erfolg des Begehrens drunter leiden. Nur Miteinander wollen wir mit den Bauern zu Wasser- und Naturschutz-Themen agieren.“

Josef Bodmaier, der die aktuelle Preis- und Einkommens-Situation in der heimischen Landwirtschaft gerade noch als „auskömmlich” bezifferte, bat, die ökologischen Gewinne der Bevölkerung nicht auf dem Rücken der Bauern zu erzielen. „Die Menschen wollen laut der Zulassungsstatistiken immer mehr PS bei ihren Autos, das passt nicht mit dem zusammen, was sie von uns Landwirten fordern“, so der Kreisobmann, der mit Blick auf die Brenner-Basis-Planungen weiter sagte: „Hier müssen wir hinter der landwirtschaftlichen Fläche stehen, wir Bauern leben seit Generationen davon, Grund und Boden sind nicht vermehrbar deshalb fordern wir bei überregionalen Planungen auch überregionale Ausgleichsflächen.“

Weitere Themen des Kreisobmanns waren das Tierwohl („Hier ist der Verbraucher an der Ladentheke gefordert“), der Wolf („Wo bleibt der Tierschutz für unsere Tiere?“)  sowie Fragen, Vorschriften und Milchpreise im Zusammenhang mit Laufställen und Anbindehaltung.

Mit Interesse wurde das Referat von Stefan Köhler erwartet, der sein Kommen nach Rosenheim bei der jüngsten Grünen Woche in Berlin zugesagt hatte und der als Bezirkspräsident von Unterfranken im Spessart einen 150 Hektar großen Mutter-Kuh-Haltungs-Betrieb hat.

Provokativ begann er seinen Vortrag mit zwei Fragen: „Wenn wir die sozialen Medien anschauen, dann frage ich mich, will die Gesellschaft überhaupt noch eine intakte Landwirtschaft?“ und „Duckt sich die Politik weg?“

In Bayern mit 3,2 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche (davon eine Million Hektar Grünland) und in Rosenheim mit 65.000 bzw. 48.000 Hektar sind die Bauern gefordert und wichtig – so Stefan Köhler, der hinzufügte: „Die verkürzte Botschaft RETTET DIE BIENEN wird dazu genutzt, um auf unser Eigentum zuzugreifen“. Als Beispiele bzw. Konsequenzen des Volksbegehrens nannte er die Festlegung von Mäh- und Schnittzeitpunkten, die in Bayern von Natur aus individuell zu entscheiden sind.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und deren Ausnahmeregelungen bauen die Bürokratie unsinnig auf, ein geforderter Biotopverbund ist allein schon finanziell ein Abenteuer. „Das kann es doch nicht sein, dass die Bauern ihren Grund bearbeiten und versteuern, aber über die Nutzung entscheiden Andere“, so der Referent, der für die ökologischen Veränderungen unter anderem den steigenden Flugverkehr nannte und zum Entstehen des Volksbegehrens  sagte, dass dabei der Dialog mit der betroffenen Landwirtschaft fehlte („Nicht über uns, sondern mit uns hätte man reden sollen und sollte man zukünftig reden“).

Die Argumente des Volksbegehrens zum Thema Bienen bezeichnete Köhler als unfair, denn: „Nutz-Bienen sind ansteigend in der Zahl, das Aussterben von Wildbienen-Arten erfolgte bereits seit 1900, genauer von 1900 bis 1960 mit 28 Arten und von 1961 bis 1975 mit fünf Arten und zuletzt mit einer Art im Jahr 2001, ist also nicht verursacht durch die Intensivierung in der Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten.“

Ein weiteres Zahlenbeispiel galt der Medien-Gerechtigkeit indem der BBV-Umwelt-Präsident sagte: „Die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft mit ihren Forderungen zu sozial- und umweltfreundlicher Landwirtschaft als ein Befürworter des Volksbegehrens hat eintausend Mitglieder, der Bayerische Bauernverband mit seinen 145.000 Mitgliedern vertritt ebenfalls bäuerliche, soziale und umweltbetreffende Interessen, doch die Medien sehen dies kaum. Ebenso wenig wird darüber berichtet, dass in Bayern von 1970 bis heute die Anzahl der Pkw von 3,1 Millionen auf 9,8 Millionen gestiegen ist und dass für die ökologischen Veränderungen die Siedlungsentwicklung, das Freizeit- und Erholungs-Verhalten sowie der Klimawandel insgesamt eine Rolle spielen, da kann der Bauernverband, der unter anderem die Aktion BAYERN BLÜHT AUF ins Leben rief nicht alleine der Sündenbock sein“, so Stefan Köhler, der in der Diskussion einräumte, dass die Inhalte und Argumente gegen das Volksbegehren zu spät an die Kreis- und Ortsverbands-Verantwortlichen weitergegeben wurden und der seinerseits auf die Seite www.nein-zum-volksbegehren.com aufmerksam machte.

In der freien Aussprache wurden die anwesenden Volksvertreter um eine klare Stellungnahme gebeten.

Dabei sprachen sich die Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig, Landtagsabgeordneter Otto Lederer und Bezirksrat Sebastian Friesinger aus Albaching klar gegen das Volksbegehren und gegen einen Vorschreibe-Staat aus. Sebastian Friesinger, der selbst seit vier Jahren in seiner Eigenschaft als RegRo-Vorsitzender ein Bienen-Förder-Projekt betreibt, machte deutlich, dass das Volksbegehren unter einem falschen Namen läuft.

„Wir haben die Welt geliehen bekommen und geben sie nur an unsere Kinder weiter“ – mit diesem Appell sagte Bäuerin Gertraud Riepertinger aus der Gemeinde Frasdorf, dass eine zehnprozentige Abgabe von Grund für einen vom Volksbegehren gewünschten Biotop-Verbund eine schleichende Enteignung durch die Hintertüre wäre.

Auch Ehrenvorsitzender Robert Gröger von der Schafhaltervereinigung bezeichnete das Volksbegehren als irreführend und er bat alle Grundstücks- und Gartenbesitzer ihren eigenen Beitrag für die Insektenwelt in Form von zum Beispiel Blüh-Sträuchern zu leisten und nicht nur auf die Landwirte zu zeigen.

Angela Sollinger vom Kreisverband der Imker sagte: „Das Volksbegehren geht an den Imkern vorbei, seit 2010 haben wir wieder mehr Imker und Bienenvölker, der Weg des Begehrens ist eine Frechheit gegenüber den Bauern.“

In weiteren Beiträgen wurde eine bessere Informationspolitik von Politik zu Landwirtschaft und in der Landwirtschaft von ganz oben nach ganz unten gefordert. Dazu passend kam der Vorschlag von Ehren-Kreisobmann Sepp Ranner vom BBV-Rosenheim, der anregte, aus den Reihen der jungen Landwirtschaftsmeister einen Arbeitskreis „Öffentlichkeitsarbeit“ zu installieren. Dieser Vorschlag – so Kreisobmann Josef Bodmaier – soll in die Tat umgesetzt werden.

Zuvor hatten sich die neuen Landwirtschaftsmeister persönlich vorgestellt und ein positives Bild der heimischen Landwirtschaft abgegeben. Ein Dank galt dabei der Landwirtschaftsschule und zweitem Kreisvorsitzenden Klaus Gschendtner, der sich für die Fort- und Ausbildung der Jungbauern stark einsetzt.

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11 Kommentare zu “Ein klares Nein der Bauern

  1. Das steht im Text oben:

    Das kann es doch nicht sein, dass die Bauern ihren Grund bearbeiten und versteuern, aber über die Nutzung entscheiden Andere“

    Aber die Subventionen die wollt ihr schon. Und Geld für Ernteausfälle die ja in unserer Gegend letztes Jahr fast keinen Bauern bei uns betroffen haben. Aber pauschal einen Antrag stellen…..

    Ich bin auch dafür, dass jeder Hausbesitzer mit Garten oder Balkon Blumen etc. Für die Bienen anpflanzen muss. Der Landwirt allein ist nicht an dem Bienensterben schuld es sollte sich jeder an der Nase fassen.

    Aber jetzt wieder des Gejammer von den ganzen Landwirten find ich auch ned richtig. Das was ihr an Geld bekommt vom statt, das bekommt keine anderer Branche. Oder glaubt ihr wenn der Baubomm nachlässt, dass sich der Statt um die Firmen einen Dreck schert, die dann alle pleite gehen. Nein!!! Aber derbLandwirt wenn eine schlechte Ernte hat dann brauchen wir sofort ein Rettungspaket.

    Nicht falsch verstehen liebe Landwirte ich wünsch keinem ,dass er um seine Existenz bangen muss aber ein bissl ungerecht ist es schon. Und nebenbei kippen wir das beste Futter in Biogasanlagen das letztes Jahr Bauern die wirklich von der dürre betroffen waren dringend gebraucht hätten.

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  2. Jeder sollte sich an die eigene Nase fassen und nicht immer mit dem Finger auf andere zeigen.
    Umweltverschmutzung, Bienensterben oder wenn mir wegen Alkohol am Steuer der Schein genommen wird, immer sind die ANDEREN schuld😁🤔

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  3. Wer bringt die Gifte auf die Felder aus???????
    Wenn ich mir die Maisfeld Monokulturen ansehe…wwnn man schaut wie oft gemäht wird und mit welchen Maschinen…da hat kein Insekt eine Chance, die Subventionen die die Bauern einkassieren, sind halt Steuergelder da sollte auch ein Mitsprache Recht da sein.
    Keiner muss die Subventionen einschieben…aber wenn dann sollte schon allgemein Wohl berücksichtigt werden.
    Typisch Csu haben Sie wieder Angst Wähler zu verlieren, Nachhaltigkeit hat die Schwarzen noch nie interessiert, Hauptsache der Rubel rollt
    Arme Menschheit

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  4. Die Bauern brauchen halt keine Bienen und Insekten. Die fressen ihn nur den Nektar von den Pflanzen. Ironie off

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  5. Lieber Aussenstehender,
    du bist wohl eher ein Danebenstehender!
    Mir ist bei uns kein einziger Bauer bekannt der wegen dem vorhandenen Ernteausfall etwas beantragt hat. ( Und ich rede mit den Bauern)
    Die großen Summen der Subventionen bekommt z.B. der Flughafen München usw. (6 und 7 stellige Beträge), und nicht der Bauer.
    Landwirte die mit der aktiven Landwirtschaft aufgegeben haben, können irgendwelche förderfähigen Programmen machen, Flächenstillegung, mähen ab Juni oder Juli usw.
    Dafür gibt es gute Subventionen, aber der Bauer der das Futter für seine Tiere braucht kann auf die ersten Grasschnitte nicht verzichten, sonst hat er zu wenig Flächen und Futter.
    Es gibt Landwirte, die zB ohne Hofnachfolger sind und von 40 auf 20 Kühe schon mal reduziert haben. Diese können an solchen Förderprogrammen teilnehmen und bekommen dann mehr Subvention als ein aktiver Bauer der 80 Kühe hat.
    Das wahr alles bis vor wenigen Jahren noch im Netzt einsehbar, wer wieviel Subvention bekommt.

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  6. Ich bin kein Landwirt. Und hab auch nichts damit zu tun, doch ich kenne einige und viele davon haben mit den Tieren aufgehört und machen nur noch Ackerbau.

    Denen geht es so gut, die müssen nicht ein mal noch in die Arbeit gehen nebenbei – obwohl sie nur arbeiten müssen, wenn sie anbauen und ernten. Und sonst auf der faulen Haut liegen. Sind vermutlich nicht alle so, aber ich kenn halt zufällig ein paar.

    Der Landwirt, der wirklich Tiere hat oder die Gemüsebauern sollen die Subventionen auch ruhig erhalten. Weil dieser auch ernsthaft Arbeit hat und zwar 365 Tage im Jahr. Möchte nicht mit ihm tauschen.

    Aber ich kann nicht verstehen, dass Landwirte die nur Ackerbau betreiben diese erhalten , wenn Sie jeden Ertrag den sie ernten an den höchstbietenden Biogasbauern verkaufen.

    Und die Subventionen sind von jedem immer noch nach zu lesen. Und da kann ich nur Kopfschütteln. Was manche erhalten. Da muss so manch anderer 1 Jahr dafür arbeiten.

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  7. Kein Feind der Bauern

    Huber, Ludwig, Lederer, Friesinger – also reiner CSU-Populismus pur. Es ist natürlich bequem, sich in einer Halle voller Landwirte hinzustellen und öffentlichkeitswirksam zu erklären, dass man das Volksbegehren selbstverständlich nicht unterschreiben wird.

    Ehrlich und konstrukiv wäre es, zuzugeben, dass auch die Regierung in Bayern das Thema Artenschutz seit Jahren und Jahrzehnten eben ignoriert bzw. nur halbherzig behandelt hat.

    Alleine schon, wenn man bedenkt, dass Bayern das letzte Bundesland ist, welches keine klare gesetzliche Regelung zum Freihalten der Uferstreifen von Bewirtschaftung und dem Ausbringen von Gülle hat.

    Hier ist die vom Bauernverband propagierte Freiwilligkeit längst gescheitert – man muss nur mit offenen Augen unsere Landschaft und Gewässer betrachten. Alle betroffenen Seiten müssten endlich wieder sachlich und konstruktiv aufeinander zugehen!

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  8. Ich möchte es auch so schön haben .
    Ich geh zum Staat und sag “ich vergifte das Wasser nicht – dafür gebt ihr mir nen Haufen Kohle, ich bring Insekten nicht um und ihr gebt mir nen Haufen Kohle, ich vergifte den Boden nicht und … und und.
    Außerdem, was interessieren euch Fakten. der Bauernverband weiß schon, was stimmt – wie die letzten 50 Jahre.
    Ihr konventionellen Bauern meint, ihr seid Opfer – seid ihr nicht – IHR seid Täter !

    Wachsen oder weichen – euer Mantra.
    Gibt es von euch noch irgendeinen, der nicht über beide Ohren verschuldet ist, der gar nicht mehr anders kann, als sich so unverantwortlich zu verhalten, um noch das Letzte aus der Erde / Tiere rauszupressen, um nicht vor die Hunde zu gehen?

    Ist euch eigentlich klar, dass nicht der Umweltschutz euch in die Sche..ße reingeritten hat, sondern euer Verband, dem ihr so treudoof geglaubt habt?
    Es ist so bitter.
    Und nachdem die Fragen kommen werden. Ich kauf keinen Dreck zum Essen, ich fahr kein 2 Tonnen Auto, um meine 80 Kilo in der Gegend rumzuschaukeln und nein, ich hab keinen Haufen Kohle.

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  9. @Catweazle
    Ich male mir die Welt, wie sie mir gefällt
    In dem Märchen würde ich auch gerne leben.
    Zeichnen Sie Kinderbücher?
    Eine Frage, wie oft fliegen Sie in den Urlaub?
    Ich kenne die Antwort schon jetzt.
    PS: Ich bin noch immer kein Landwirt, habe aber eine sehr große Bienenweide angelegt. Kostet übrigens ein paar Tausend Euro.
    Was leisten eigentlich Sie für einen Beitrag gegen das Artensterben?
    Achso Sie unterschreiben ja das Volksbegehren.

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  10. Das ist doch klar, dass die Bauern dazu nein sagen.
    Immerhin sind sie ja die Opfer von den bösartigen, gefährlichen Bienen.
    Wahrscheinlich sind die Bauern der Meinung, wenn die Bienen kein Glyphosat vertragen, sollen sie schnell zum Arzt fliegen und sich impfen lassen. Also auf gut deutsch – sind doch selber schuld.

    Die Bauern sind so arm, da sollte man schon noch ein paar Milliarden reinpumpen, und eigentlich sollte ihnen jede Woche erlaubt werden, ihre Gülle auszufahren, am besten gleich in die Seen und Flüsse/Bäche, das geht schneller und macht nicht so viel Arbeit, als wenn sie immer wieder über die Felder rauf und runter fahren müssen.

    Zu dem hat es ja auch noch einen Umweltaspekt, dadurch brauchen sie nicht so viel Treibstoff, den sie in die Umwelt blasen.
    Unsere bayrischen Bauern sind schon richtig arme Schweine.

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  11. Lieber Roland -A und Catweazle, da bin ich doch lieber ein armes Schwein als ein notorischer Bauernhasser die nur mit Falschbehauptungen und vorsätzlichen Lügen ohne preisgabe ihre Identität einen Berufsstand vorsätzlich in den Dreck ziehen.Meinungsfeiheit ist ein wertvolles Gut wird von den beiden aber schamlos mißbraucht .Wer da ein armes Schwein ist stelle ich in Frage.

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