Ein in Bayern einmaliges Projekt

Pfaffing und Albaching dabei: Was brauchst du, um gut lernen zu können?

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Damit Hausaufgaben keine lästige Pflichtaufgabe sind, suchten die Mitarbeiter von insgesamt zwölf Kinder-Tageseinrichtungen und Horten in Stadt und Landkreis Rosenheim (unser Foto) zusammen mit den Buben und Mädchen nach optimalen Bedingungen. Mit dabei auch zwei Einrichtungen aus dem Altlandkreis: Das wissenschaftlich begleitete Projekt zur Praxis der Hausaufgaben ist jetzt zu Ende gegangen. Eine Bilanz …

An dem Hausaufgabenprojekt in Stadt und Landkreis Rosenheim hatten sich

das Kinderhaus Schatzkiste Albaching, das Kinder- und Familienzentrum Inklusiv in Halfing, das Kinderhaus Aising, der Kinderhort St.Quirin aus Rosenheim, das Haus des Kindes St. Martin in Kiefersfelden, die Kindertageseinrichtung Christkönig in Rosenheim, der AWO-Hort Taka-Tuka-Land in Rosenheim, der AWO-Hort in Bad Endorf, der Integrationshort in Pfaffing, der Kinderhort Jonathan aus Rosenheim und die Kindertageseinrichtung Raupennest in Raubling beteiligt.

Hausaufgaben unter einem Tisch machen – warum nicht. Hortkinder haben das ausprobiert und saßen nach wenigen Tagen wieder auf ihrem Stuhl, weil es einfach zu unbequem war: Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales sowie unter der Federführung des Staatsinstituts für Frühpädagogik und der Begleitung der pädagogischen Fachberaterinnen für Kinder-Tageseinrichtungen in Stadt und Landkreis Rosenheim, Bettina Sewald und Christine Blindert, begann im Januar 2017 ein in Bayern einmaliges Projekt. Weil es bisher kaum Forschungsergebnisse zur Hausaufgabenpraxis in Horten gab, wurde Handlungsbedarf gesehen.

Dr. Andreas Wildgruber und Andrea Schuster vom Staatsinstitut für Frühpädagogik gingen in die Einrichtungen, vermittelten Inhalte, sprachen mit Kindern, Jugendlichen und Teammitgliedern, werteten die Hausaufgaben-Tagebücher der Kinder und Jugendlichen aus und leiteten eine ganze Reihe von Besprechungen.

Die Erkenntnisse präsentierte Dr. Wildgruber im Rahmen eines Abschlussabends jetzt im Katholischen Bildungszentrum in Rosenheim.

„Kinder wollen nützliches Wissen und Können erwerben“ – vorausgesetzt, ihnen erschließt sich der Sinn von Hausaufgaben. Dr. Wildgruber sieht in der Motivation einen wesentlichen Schlüssel zu eigenverantwortlichem Lernen: „Die Kinder müssen sich wohlfühlen, sie müssen ihre körperlichen Grundbedürfnisse leben können.“ Weiter stellte der Wissenschaftler fest, „dass kooperatives Lernen wirkungsvoller ist als individuelles Lernen. Das gilt aber nicht für alle.“ Er riet dazu, die Kinder durch persönliche Unterstützung und durch ein konstruktives Feedback Erfolge erleben zu lassen. Auch Fehler sollten als Chance gesehen werden, sich weiter zu entwickeln.

Wichtig war Dr. Wildgruber zudem, die Selbstbestimmung der Kinder zu pflegen, sie zu fragen, was sie brauchen, um gut lernen zu können: „Probieren Sie Neues aus, riskieren Sie etwas und schenken Sie Vertrauen.“

In den Kinder-Tageseinrichtungen und Horten wurden in den vergangenen knapp zwei Jahren eine ganze Reihe von Möglichkeiten ausprobiert. So konnten die Kinder in einigen Häusern jeden Tag neu entscheiden, wo sie ihre Hausaufgaben machen wollen. Es gab Einzel- und Gruppentische, Hausaufgaben konnten im Freien gemacht werden oder auf Sitzbällen, Sitzsäcken oder auf dem Boden.

Räume wurden angeboten für unterschiedliche Lerntypen wie ruhige eigenverantwortliche Persönlichkeiten oder Kinder mit großem Bewegungsdrang. Sie wollten Musik bei den Hausaufgaben hören und verzichteten nach ein paar Tagen wieder darauf, weil sie zu sehr ablenkte.

Der Tenor im Projekt: Die Suche nach dem optimalen Hausaufgaben-Umfeld sei ein Prozess, der nie enden werde.

Wie die abschließende Diskussion zeigte, werde dies in den verschiedenen Einrichtungen aber nicht als Nachteil empfunden. Ganz im Gegenteil, die Beteiligung fördere das Vertrauen zwischen Kindern und Betreuern, so die Meinung.

In seinem Vortrag hatte Dr. Wildgruber auch auf die grundsätzliche Bedeutung von Hausaufgaben hingewiesen, die Teil der Entwicklung hin zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit sein sollen. Auch deshalb wurde abschließend von den Vertreterinnen und Vertretern der Einrichtungen der Wunsch geäußert, die örtlichen Schulen mit ins Boot zu holen, um das beste Ergebnis für die Kinder herauszuholen.

Die Erfahrungen aus dem Hausaufgabenprojekt fließen in Vorträge, Fachtage und Veröffentlichungen ein, mit denen das Staatsinstitut Frühpädagogik die anderen bayerischen Regionen erreichen will.

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