Ein Herz für Kiebitze

Arten-Hilfsprojekt im Altlandkreis unterstützt von Landwirten, Vogelfreunden, Gemeinden

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Absolut clever getarnt der Nachwuchs: Der Kiebitzschutz wird im Altlandkreis groß geschrieben. 13 Gemeinden sind Partner eines neuen Artenhilfsprojekts, auch viele Landwirte engagieren sich. 72 Kiebitz-Paare wurden in diesem Jahr beim Brüten unauffällig unterstützt. Am Artenhilfsprogramm „Schutz der Kiebitze im nördlichen Landkreis Rosenheim“ beteiligten sich Landwirte, ehrenamtliche Vogelfreunde und Gemeinden – unterstützt vom Landschaftsarchitekturbüro Niederlöhner in Wasserburg.

Witterungsbedingt brüteten heuer weniger Kiebitze als in den vergangenen Jahren.

Für den Kiebitz war es viel zu lange nasskalt, bis in den Mai hinein gab es frostige Nächte. „Da fangen die Vögel nicht an zu brüten, weil es ihnen nicht gelingt, die Eier warm zu halten“, sagt Barbara Reinelt vom Landschaftsarchitekturbüro Niederlöhner. Sie betreut das Projekt im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Rosenheim. 2016 brüteten 96 Kiebitz-Paare, heuer 72. Reinelt begründet diese Schwankung mit den extremen Wetterbedingungen im Frühjahr 2017.

Das Artenhilfsprogramm umfasst rund 30 Vorkommensgebiete in 13 Gemeinden im nördlichen Landkreis Rosenheim. Der Kiebitz nutzt dort Ackerflächen zum Brüten, kurz gemähtes Grünland zur Nahrungssuche sowie Deckungsstrukturen wie Wiesen- und Wegsäumen als Unterschlupf für die Jungvögel. Eine besondere Bedeutung haben feuchte Geländemulden. Sie sind vor allem in trockenen Witterungsperioden überlebenswichtig für die Küken, denn mit ihren kleinen Schnäbeln könnten die Nestflüchter im harten Boden keine Nahrung finden und müssten verhungern.

Wesentlich für den Erfolg des Artenhilfsprogramms „Schutz der Kiebitze im nördlichen Landkreis Rosenheim“ ist die Unterstützung der Landwirte. Gelege der Bodenbrüter werden markiert und können so von der Feldbewirtschaftung ausgespart werden. Einige Landwirte kennzeichneten die Nester selbst, andere verschoben den Maisanbau um frisch geschlüpfte Küken im Acker zu schützen.

Diese Maßnahmen geschehen auf freiwilliger Basis und werden finanziell gefördert. So erhält jeder Landwirt für ein Gelege, in dem Kiebitzküken schlüpfen, einen Gutschein im Wert von 50 Euro, den Gemeinde und Landkreis je zur Hälfte finanzieren. Auch eine kiebitzfreundliche Bewirtschaftung oder die Anlage von feuchten und mähbaren Mulden werden im Rahmen von Ausgleichsflächen oder durch das Landschaftspflegeprogramm finanziell unterstützt.

Eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung der Lebensräume bietet das so genannte Greening. Das heißt, Landwirte müssen auf ausgewiesenen Flächen bestimmte Bewirtschaftungsmethoden einhalten, die den Klima- und Umweltschutz fördern. Dazu gehören brachliegende Flächen oder blühende Säume, die nicht nur dem Kiebitz, sondern auch der Feldlerche zugutekommen, einer weiteren gefährdeten Vogelart der Agrarlandschaft.

Aus Sicht der Unteren Naturschutzbehörde war die Zusammenarbeit zugunsten der Kiebitze hervorragend. Die zuständige Fachfrau Margit Böhm bedankt sich dafür bei allen Beteiligten. Die Notwendigkeit des Artenschutzes belegen Zahlen der Bundesregierung vom Frühjahr dieses Jahres. Sie zeigen den besorgniserregenden Rückgang der Kiebitzbestände in den vergangenen 30 Jahren um bis zu 80 Prozent sowohl bayernweit als auch deutschlandweit.

Weitere Informationen zum Kiebitzschutz gibt es bei Margit Böhm von der Unteren Naturschutz-behörde im Landratsamt Rosenheim, telefonisch unter 08031 392 3301 oder bei Barbara Reinelt im Landschaftsarchitekturbüro Niederlöhner in Wasserburg unter 08071 7266 860.

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