Ein Festival für den Altlandkreis

Peter Syr stellte in Haag und Wasserburg die „Biennale Bavaria International" vor

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Das könnt ein spannendes Projekt für den Altlandkreis Wasserburg werden: Peter Syr stellte bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates in Wasserburg und des Gemeinderates in Haag das geplante „Heimatfilmfestival“ vor. Titel des Vorhabens: „Biennale Bavaria International“. Alle zwei Jahre soll künftig der neue Heimatfilm im Südosten Bayerns bei einem großen Festival – von Wasserburg bis Burghausen – im  Mittelpunkt stehen. Start ist im Oktober 2019.

Seit rund einem Jahr arbeitet Peter Syr aus Haag an dem Projekt. Der Initiator aus Haag: „Die positiven Reaktionen von Filmemachern, Schauspielern, aber auch aus der Politik und Wirtschaft haben uns noch stärker motiviert, das Projekt durchzuziehen.“

Das Filmfestival soll alle zwei Jahre stattfinden. Zu den Veranstaltungsorten sollen neben Altötting, Mühldorf und  Burghausen unter anderem auch Wasserburg und Haag gehören.

Syr vor dem Haager Gemeinderat: „Ein Heimatfilmfest in dieser Form gibt es bisher nicht. Das ist umso unverständlicher, als weltweit laufend neue Produktionen anlaufen, die sich mit diesem Genre beschäftigen und in der Regel große Publikumserfolge darstellen.“ Solche Filme seien „Irgendwie und sowieso“, „Wer früher stirbt ist länger tot“ und international auch „Brokeback Mountain“ oder „Slumdock Millionaire“. Der Haager: „Filmemacher und Produzenten bedauern gleichermaßen, dass es bisher keinen Ort gibt, wo verschiedene aktuelle Filmproduktionen gezeigt, diskutiert und von einer Jury beziehungsweise dem Publikum gewertet und mit Filmpreisen ausgezeichnet werden.“

Für das Projekt wurde mittlerweile ein Verein gegründet, der „Internationales Festival des Neuen Heimatfilms e. V.“ heißt.

Haags Bürgermeisterin Elisabeth Schätz hat den zweiten Vorsitz übernommen. Auch die Bürgermeister von Altötting, Wasserburg und Burghausen seien unter den Befürwortern der Idee. „Wir holen die Welt in die Region“, so Peter Syr, der von einem zukünftig internationalen Festival ausgeht. „Unser Finanzminister hat es als Leuchtturmprojekt bezeichnet. Das macht uns schon ein wenig stolz.“

„Wir wollen das Festival bewusst nicht in den Metropolen ansiedeln“, erklärte Syr in seinem Vortrag vor dem Haager Gemeinderat. Das Neue an der Idee sei nämlich, die Region und kleinere Orte kulturell und wirtschaftlich zu fördern.

„Das Festival wird ein landkreisübergreifendes Projekt, das im Südosten Bayerns stattfinden soll. Kommunen wie Altötting, Mühldorf, Waldkraiburg, Wasserburg, Haag, Trostberg, Traunstein und Burghausen bieten sich hierbei besonders an.“

Jede Kommune wird dabei einen eigenen Schwerpunkt haben. Die Kategorie Spiel- und Fernsehfilm soll für Mühldorf im Mittelpunkt stehen, Altötting will sich interreligiösen Themen widmen, Waldkraiburg stellt Filme zur Heimat in der Fremde und Migration vor. In Wasserburg sollen hauptsächlich Dokumentationen angesiedelt sein, während in Burghausen die Retrospektive ein großes Thema darstellen wird.

Haag setzt sich als Schwerpunkt den Nachwuchs der Filmindustrie.

Syr: „Einerseits in Kooperation mit Filmhochschulen, Nachwuchsregisseuren und Hochschulabsolventen. Andererseits sollen Jugendliche die Möglichkeit bekommen, Filme zum Thema ,Heimat‘ zu produzieren und diese auf dem Festival vorzustellen.“

Haag bietet als Festivalstandort mehrere Vorteile. Nicht nur, dass das Thema perfekt auf den Ort zugeschnitten sei, da das Jugendzentrum im ehemaligen Kino untergebracht ist, sondern auch die Lage spreche für die Kommune.

„Wir sind der äußerste Westen des Landkreises“, so Syr, „ … und Haag strahlt bis nach Erding.“ Der Standort verspreche einen großen Umkreis. Außerdem will die Marktgemeinde ein Kino im ehemaligen Zehentstadel einrichten, was auch für den Förderfonds von Bedeutung sein kann. „Wenn das Kino eventuell 2019 gebaut wird, können wir es für eine Woche aufräumen und in der Kinobaustelle Kino schauen“, schlug Peter Syr vor.

Hauptsponsor ist aktuell die VR Altötting, die auch den Verein fördert. Auch Ludwig Schletter bietet dem Verein Büroräume, Telefon, Internet, PCs und Möbel. „Der Verein hat seine Adresse in Haag“, stellt Peter Syr die zentrale Bedeutung des Ortes dar. „Und wir haben inzwischen den ‚Point of no return‘ überschritten. Jetzt scheint’s zu funktionieren“, erklärt er stolz.

Eine erste Kostenschätzung ergab einen Betrag in Höhe von 750.000 Euro. Allerdings sollen die Kosten auf die Kommunen aufgeteilt werden. Ein Euro Beteiligung pro Einwohner der Kommune für die gesamte Festivalzeit von der Vorbereitung bis zur Durchführung. „Dass Haag klein ist, ist ein Vorteil, wenn’s ums Geld geht“, lachte Peter Syr, denn die Kosten belaufen sich daher in Haag auf etwa 6.300 Euro.

Die Haager Räte waren zum großen Teil von dem Projekt begeistert, brachten auch verschiedene Anregungen mit ein. Eva Rehbein (SPD) lag besonders am Herzen, die Haager Jugendlichen mit eigen produzierten Filmen in das Festival mit einzubeziehen.

Sorgen machte sich Stefan Mangstl (CSU) aufgrund des gewählten Zeitraums. „Zehn Tage sind kein kleines Tablett. Die Haager Vereine haben auch Veranstaltungstermine“, gab er zu bedenken.

Peter Syr allerdings betonte, darauf sei geachtet worden. „Wir starten am 3. Oktober – am Tag der deutschen Einheit. Perfekt für Heimatfilme. Da kollidieren wir sicher auch nicht mit wichtigen Vereinsterminen.“

Auch die Bürgermeisterin räumte die Zweifel aus: „Wir haben das Herbstfest bei der Terminfindung schon im Auge gehabt.“

Während Dr. Wolfgang Weißmüller (PWG) der Meinung war, das kulturelle Leben würde durch das Projekt bereichert und Peter Bauer (SPD) die Durchführungsidee für mutig, aber vielversprechend hielt, befürchtete Dr. Bernhard Grabmeyer (FWG) eine Rivalität der einzelnen Orte. „Die Schwerpunkte und Primären sind an die Orte geknüpft“, erklärt Elisabeth Schätz, „aber letztendlich sollen überall alle Filme gespielt werden.“

Die Sehnsucht nach Region und Herkunft sind Hauptantrieb für das Projekt. Die eigenen Wurzeln werden gesucht, die Heimat wiederentdeckt. Ein Grund, das Festival ins Leben zu rufen. Aber Peter Syr bemerkte noch andere positive Aspekte.

Nicht nur der Austausch von Produzenten und Zuschauern sei bedeutend, sondern auch die kulturelle und wirtschaftliche Förderung sei ein wichtiger Punkt. Schließlich solle das Projekt den Fokus auf die teilnehmenden Städte legen und nicht nur Filme gezeigt werden. „Es soll in der Festivalzeit um den Begriff Heimat gehen“, so Syr. Er könne sich gut vorstellen, es mit Veranstaltungen zu neuer Heimatliteratur, neuem Volkstheater oder neuer Volksmusik zu erweitern. Besonders wichtig ist ihm aber noch ein ganz anderer Aspekt: „Heimat ist momentan eine rechte Bewegung“, betonte er. „Hier wollen wir einen Gegenpol setzen.“

In Mühldorf war der Beschluss einstimmig: Das Projekt soll durchgeführt werden, allerdings abhängig davon, ob der Filmförderfonds die Idee fördert.

Auch der Haager Gemeinderat hat unter diesem Gesichtspunkt abgestimmt. Sofern das Festival stattfindet und gefördert werde, solle eine Beteiligung von einem Euro pro Einwohner bereitgestellt werden. Auch hier kam der Beschluss gegen nur eine Stimme zustande.

Peter Syr zeigte sich erfreut über die Abstimmung und richtete seine letzten Worte an alle Anwesenden: „Sollten Sie irgendjemanden kennen, der Geld hat, wir brauchen finanzielle Hilfe und Sponsoren.“

Der Haager stellte sein Projekt zwei Tage später auch in Wasserburg vor. Abgestimmt haben die Wasserburger Stadträte darüber allerdings noch nicht. Das Festival wird jetzt zunächst im Hauptausschuss beraten.

Johanna Furch

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