Die Tennis-Halle ist jetzt Lager-Halle

Umnutzung beim Fit&Fun unter Dach und Fach - Große Pläne für Sportpark

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Die Tinte unter den Verträgen ist trocken: Seit 1. August ist die ehemalige Fit&Fun-Tennishalle jetzt eine Lagerhalle der benachbarten Firma RKW. Mit der Umnutzung reagierte Besitzer Hans Enzinger auf sinkende Zahlen an aktiven Tennisspielern und steigende Betriebskosten. „Wir hätten heuer eine große Summe in einen neuen Boden investieren müssen. Das hätte keinen Sinn gemacht. Und RKW braucht die Halle dringend.” Der Sportpark ist ansonsten von der Umnutzung nicht betroffen, wird derzeit sogar in Teilen ausgebaut und saniert.

Fast 30 Jahre hat sie auf dem Buckel – die Tennishalle des Sportparks Fit&Fun in Wasserburg. Jetzt unterzeichneten Hans Enzinger und Dr. Jürgen van Marwick (RKW) den den Mietvertrag. „Auch wenn mir mein Tennis-Herz blutet: Unser Nachbar, die RKW, ist an mich herangetreten. Das Unternehmen braucht dringend Lagerraum. Man hat mir einen langfristigen Mietvertrag zu guten Konditionen angeboten.”

Hans Enzinger weiter: „Unser Nachbar platzt aus allen Nähten, da ist die Tennis-Halle mit ihren 2500 Quadratmetern eine ideale Erweiterungsfläche. Ich denke da schon auch an die Arbeitsplätze“, so Enzinger.

Allerdings: „Es geht dabei natürlich auch um meine eigene Zukunft. Ich bin jetzt 65. Obwohl unsere Tennis-Halle im letzten Jahr wieder etwas besser ausgelastet war, sehe ich da in zehn bis 20 Jahren keine echte Zukunft mehr. Das hängt alleine schon mit der Demographie zusammen. Woher soll denn der Tennisnachwuchs noch kommen?”, fragt sich Enzinger. Trotz eines eigenen Blockheizkraftwerks sei die Versorgung einer solch großen Halle mit Strom und Wärme eine ziemliche finanzielle Herausforderung. „Mit RKW habe ich jetzt einen tollen Partner an der Seite.”

Alle, die noch ein Tennis-Abo haben, können sich direkt an den Sportpark wenden. „Wir haben für jeden eine Lösung parat, haben spezielle Angebote im Fitness-Bereich ausgearbeitet. Wer rastet, der rostet.” Zudem gebe es für alle einen Monat lang ein kostenloses Fitness-Abo. 

 

Mit etwas Wehmut blickt Hans Enzinger auf die Boom-Zeiten des Tennis zurück. „Was wir alles in Sachen Nachwuchsarbeit und in verschiedenen Tennis-Ligen zusammen mit dem TSV Wasserburg in den 70er und 80er Jahren erreicht haben, war schon phantastisch.”

Los ging’s mit dem Hallen-Tennis, als Enzinger vom TSV 1975 drei Traglufthallen übernahm. „Ich habe es nach kurzer Zeit geschafft, dass die wirtschaftlich zu betreiben waren. Das stimmte mich optimistisch.” 1979 habe er dann seine erste Halle gebaut. „Ein gewaltiges finanzielles Risiko. Sowas wie der Bau der damaligen Happy-Tennis- und Squash-Anlage wäre heute gar nicht mehr möglich”, ist sich Enzinger sicher. „Ich war damals 24 Jahre alt und hab’ das einfach durchgezogen.”

1991 sei dann der Sportpark entstanden – eine fast 30-jährige Erfolgsgeschichte. Nicht nur für die Wasserburger Fitness-Sportler, sondern auch fürs Wasserburger Tennis. Mit Letzterem ist jetzt erstmal Schluss, was für den Sportstandort Wasserburg ein herber Verlust ist. Die nächsten Tennishallen sind in Grafing und in Rosenheim. Nachdem die Hallen in Kalteneck schon seit Jahren geschlossen sind, findet Tennis im Winter und bei schlechtem Wetter in Stadt und Altlandkreis vorerst also nicht statt.

 

Doch Hans Enzinger wäre nicht Hans Enzinger, wenn er nicht schon wieder Pläne hätte – die 65 hin oder her. Derzeit baut er gerade im Sportpark den Gesundheits- und Fitness-Bereich aus. Mit einem neuen IT-System, geringeren Einstiegspreisen und extrem flexiblen Buchungsbedingungen will Enzinger auch weiterhin Wasserburgs Sportler an den Sportpark binden und neue Kunden gewinnen.

Und dann gibt es ja auch noch das derzeit nahezu leerstehende Gelände südlich der Hallen, wo sich ehemals die Traglufthalle befand. „Ich will das Tennis in Wasserburg nicht sterben lassen, dafür bin ich selbst zu lange mit großer Leidenschaft Tennisspieler gewesen. Deshalb bin ich jetzt an die Vereine und die Stadt herangetreten. Vielleicht gibt es eine gemeinsame Lösung, auch wenn’s derzeit noch schwierig ist.”

Er könne sich gut vorstellen eine multifunktionale Halle zu bauen, in der man dann auch wieder Tennis spielen könne. „Das kostet natürlich eine hübsche Summe. Allerdings viel weniger, als wenn beispielsweise die Stadt eine neue Sporthalle errichten muss, weil alle Hallen in Wasserburg aus den Nähten platzen. Bei uns wären ja schon alle sanitären Einrichtungen vorhanden – bis hin zum Wellness-Bereich mit Sauna.” Was er für das Projekt brauche, das seien Partner, die mit ihm langfristige Nutzungsverträge eingingen.

„Eine neue Sporthalle für Wasserburg, errichtet zu niedrigen Baukosten, das wäre doch ein Glücksfall für die Stadt. Interessenten können sich jederzeit an mich wenden”, sagt Hans Enzinger und man sieht ihm dabei an, dass ihn schon wieder Pläne beschäftigen …

 

Der letzte Ball ist geschlagen: Hans Enzinger und der ehemalige Tennisprofi Timur Fedorov bestritten die letzte Partie in der Halle.

 

 

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