Die Schäffler trainieren schon!

Traditioneller Tanz in und um Wasserburg im kommenden Fasching - Jetzt buchen

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Spaß macht diesen Männern ein ganz besonderes Ehrenamt, das ein wochenlanges Training fordert – und dann viele Auftritte: Der Schäffler-Tanz in Wasserburg! Alle sieben Jahre ziehen die Schäffler durch die Gassen von Wasserburg und Umgebung – auch nächstes Jahr ist es wieder soweit, denn 2019 ist ein Schäfflerjahr! Die Vorbereitungen des Teams – Jung und Alt bunt gemischt – um Helmut Samer vom TSV Wasserburg laufen bereits auf Hochtouren. Denn das Tanzen – es will geübt sein. Immer montags trifft sich die Männer-Gruppe in der Badria-Halle zum fleißigen Trainieren. Auch mit dabei: Die Fassl-Schlager – unter ihnen der einzige noch echte Schäffler: Max Holbl, stolze 82 Jahre alt …

Unser Foto zeigt ihn hier rechts beim Fassl-Schlagen-Training im Geräteraum der Badria-Halle – eigens ein Probelauf für die Wasserburger Stimme! Gemeinsam mit Sepp Fürholzner (links) aus Springlbach in der Gemeinde Pfaffing, der auch schon seit 1977 bei den Wasserburger Schäfflern dabei ist.

Der Legende nach wurde der Tanz in München erstmals 1517 während einer Pestepidemie aufgeführt, um die Bevölkerung, die sich aufgrund der Pest kaum mehr auf die Straße traute, zu beruhigen und das öffentliche Leben wieder in Gang zu bringen.

Jung und Alt halten gemeinsam an dieser Tradition auch in Wasserburg fest – eine schöne Gemeinschaft, die alle sieben Jahre auflebt!

Die Generalprobe findet am 16. Dezember um 14.30 Uhr auf dem Badria-Sportplatz statt – ab dem 6. Januar 2019 wird dann bis zum Ende des Faschings getanzt. Die einzige Ausnahme ist diesmal übrigens das Wochenende um den 9. Februar, weil da die große Ü30-Party im Badria stattfindet, bei der viele ebenfalls ehrenamtlich engagiert dabei sind – das tanzen findet da ausnahmsweise nicht statt!

Folgende Preise gelten für einen Schäfflerauftritt 2019 in und um Wasserburg:

Innerhalb der Stadt: 175 Euro.
Außerhalb der Stadt: 225 Euro.

Begleitet werden die Schäffler von Mitgliedern der Stadtkapelle und den Marketenderinnen sowie den Kasperles.

Foto unten: Der weibliche Charme fehlt nicht bei den Wasserburger Schäfflern: Die Marketenderinnen sind schon gespannt auf das kommende Schäffler-Jahr – und wie kalt es wohl werden wird in dem Winter diesmal!

Die Wasserburger Schäffler freuen sich auf viele Anfragen! Bitte sich schon baldmöglichst anmelden für eine gute Planung

bei Helmut Samer unter
Telefon: 08076 / 8743.

Fotos: Renate Drax

Der letzte echte Schäffler: Max Holbl – unser Porträt!

Küfer, Kuper, Fassbinder, Böttcher, Schäffler – das Handwerk, bei dem Fässer aus Holz hergestellt und mit Metallreifen beschlagen werden, hat in Deutschland viele Namen. Leider ist es heutzutage nur noch in wenigen Gegenden zu finden, da die Umstellung auf schnellere und kostengünstigere, maschinelle Prozesse die handwerkliche Herstellung von Fässern überflüssig machte.

Foto: Die letzten Schäffler in Wasserburg, 1977 – von links nach rechts: Heini Fürbeck, Hans Kirmair, Max Holbl, Emil Wollmann.

Max Holbl erlernte den Beruf des Schäfflers 1951 am Heisererplatz in Wasserburg im Betrieb der Familie Kirmair – auf unserem Foto unten ist er mit seinem Lehrmeister Hans Kirmair und Hund Struppi zu sehen.

„Eigentlich wäre ich gerne Mechaniker geworden“, erinnert sich der 82-Jährige. Doch der Mangel an Arbeitsplätzen in den 50er Jahren ließen ihm keine Wahl, und so lernte Holbl den Schäfflerberuf schnell kennen und lieben.

„Wenn man ein Fass herstellen möchte, muss man alles über den Gebrauchszweck und das Holz, das man verwenden möchte, wissen“, erklärt der erfahrene Schäffler. „Fässer, die beispielsweise für die Lagerung von Bier verwendet werden, werden aus Eichenholz gefertigt. Dieses ist stabil und wasserbeständig. Fällt man es zum richtigen Zeitpunkt, hält es beinahe ewig.“ Für Jauchefässer, die in der Landwirtschaft verwendet wurden, würde Fichtenholz verwendet werden, weiß der Fachmann.

Pro Zentimeter Stärke werden die Eichenbretter je ein Jahr luftgetrocknet, bevor die sogenannten „Fassdauben“ dann mit großen Eisenringen in die gewünschte Form gebracht werden. Holbl weiter: „Damit sie ihre Form beibehalten, werden die Dauben gedämpft. Die Bretter werden mit großen, starren Eisenringen aneinander gelegt. Dann wird ein Feuerkorb in die Mitte der Bretter gestellt und regelmäßig mit Wasser benetzt. In der Regel dauert es einen ganzen Tag, bis die Dauben ihre endgültige Form haben.“

Am Tag nach dem Dämpfen werden die Bretter „starr“ gefeuert – es wird also wieder ein Feuerkorb in der Mitte des Fasses aufgestellt, der diesmal ohne Wasser die Feuchtigkeit aus den Dauben heizt.

„Das Fass wird dann innen und außen glatt gehobelt und die Arbeitsreifen werden durch neue Metallreifen ersetzt“, weiß der erfahrene Schäffler. Um sie von innen dicht und haltbar zu machen, werden sie mit einer Schicht aus Pech, Harz und Terpentin „gepicht“ – dies wird in der Regel jedes halbe Jahr wiederholt, um die Qualität des Fasses aufrecht zu erhalten.

Bild rechts und links oben: Herstellung eines Essigfasses für die Firma Burkhardt, 1957

Als um 1963 die Brauereien begannen, auf Bottiche aus Aluminium und die Bauern auf Kunststoffbehälter umzusteigen, kam es zum sogenannten „Schäfflersterben“ – das Handwerk wurde nicht mehr benötigt und starb langsam aus. Max Holbl wechselte für zwölf Jahre in die Montage, um sich anschließend für die letzten 40 Jahre einer anderen Passion hinzugeben: Dem Omnibus-Fahren.

Doch als Witgar Neumaier und sein Sohn zur Jahrtausendwende damit begannen, die Wasserburger Bierkatakomben für Besucher zugänglich zu machen und zu gestalten, war Holbls Können als Schäffler gefragt: „Wir holten uns Fässer aus der Region – beispielsweise spendete das Bräustüberl Ametsbichler in Aschau drei Stück – bauten diese auseinander, zurrten sie auf den Transporter und bauten sie im Bierkeller wieder auf.“ Die harte Arbeit hatte sich gelohnt: Als die Bierkatakomben 2002 von den „Kellerfreunden“ für Besichtigungen eröffnet wurden, sorgten die neu aufgebauten und restaurierten Fässer für den charakteristischen Charme.

 

Die „Kellerfreunde“ sind für Max Holbl heute noch die eine Verbindung zu seinem ehemaligen Beruf – der Wasserburger Schäfflertanz die andere …

Fotos: privat

 

 

 

 

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