Die meisten Räder stehen still

Hohe Einbußen bei heimischen Busunternehmen - Viele Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt

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Es gibt derzeit unzählige Branchen, die wegen der Corona-Pandemie tief in der Krise stecken. Dazu gehören auch die heimischen Busunternehmen. Durch die Absage der Urlaubsfahrten bricht den Betrieben im Altlandkreis der größte Teil ihres Geschäftes weg. Allenfalls die Linien- und Schülerfahrten bewahren die Unternehmen zumindest ansatzweise vor dem Totalausfall. Wir sprachen mit drei Unternehmern, die exemplarisch ihre Lage schildern …

„Einzig der Linienverkehr und die Schülerfahrten halten uns aufrecht“, stellt Andrea Hilger von Hilger Reisen, Wasserburg, fest, „hätten wir das nicht, würde es ganz bös aussehen.“ Denn die Firmeninhaberin hat gut mit den Auftraggebern, dem Landratsamt und den Schulen, verhandelt, so dass die Verluste zu verkraften sind.

Seit 16. März sind die Fahrten in ihren Bussen, die im Auftrag des Regionalverkehrs Oberbayern (RVO) unterwegs sind, kostenfrei. „Die Fahrgäste zahlen praktisch nichts, denn eine Kartenzahlung ist nicht möglich und weil die Fahrer zu ihrem Schutz die vordere Türe nicht mehr öffnen dürfen, fällt auch das Bezahlen mit Bargeld aus“, beschreibt Andrea Hilger die Misere:

Im Büro gibt es derzeit mehr Arbeit als sonst. „Wir sind mit Stornierungen und Rückabwicklungen beschäftigt“, sagt Hilger. Denn sämtliche Tagesreisen oder Urlaubsfahrten wurden abgesagt. Einen Teil ihrer 20 Mitarbeiter hat sie in Kurzarbeit geschickt. Den anderen Teil beschäftigt sie bei den gegenwärtigen Bauarbeiten im Betrieb. „Dadurch sparen wir Geld“, so die Inhaberin, „denn wir hätten sonst die Arbeiten extern vergeben.“ Für die Zukunft ist Hilger verhalten optimistisch. „Sollte sich die Krise abmildern, können wir die Einbußen noch irgendwie auffangen.“

„Die Lage ist besch…eiden“, findet Andreas Käsweber, Inhaber von Käsweber Reisen in Pfaffing, drastische Worte. Der Flughafentransfer und der Reiseverkehr, den Käsweber mit seinen 18 Fahrzeugen unterhält, stehe praktisch still.

Alle 24 Beschäftigten wurden in Kurzarbeit geschickt. Allenfalls die Krankentransporte sowie der Linienverkehr halte den Betrieb noch über Wasser. „Das ist allerdings nicht der große Anteil“, so Käsweber. Bei den beliebten Kunstreisen, die zuletzt zu 90 Prozent ausgebucht waren, „geht gar nichts mehr“.

Auch er setzt deshalb alles auf Lockerungen. „Wenn die Wirtschaft zurückkommt“, hofft der Firmenchef, „können wir die gröbsten Verluste noch auffangen.“

Bei Huber Reisen und Transport in Neudeck sei die Lage ernst, aber nicht hoffnungslos, wie es Geschäftsführer Josef Huber beschreibt. Zwar seien von seinen 44 Bussen derzeit nur noch vier im Linienverkehr im Einsatz, der Lkw-Betrieb und die Fahrten der Milchwagen kompensiere aber einen Teil der Einbußen. „Ich bin jetzt froh, dass ich das Geschäft mit meinen zehn Lkw behalten habe“, meint Huber, „denn die liefen früher eher schlecht, trotzdem wollte ich nie damit ganz aufhören.“

Auch der Unternehmer musste einen Teil seiner 60 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Die noch verbliebenen Angestellten beschäftigt er in der betriebseigenen Werkstatt. Die Zeit des Lockdowns wird bei Huber für Reparaturen genutzt, die noch nicht unbedingt notwendig waren. „Ich jammere nicht“, betont Huber, „aber ich glaube nicht, dass wir den wirtschaftlichen Schaden noch auffangen können.“ CF

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