Die Lust am Kulturmachen

Landkreis Rosenheim verlieh Kulturpreise 2019 - Festakt in Oberaudorf

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Die Musikfilmtage Oberaudorf sind mit dem Kulturpreis 2019 des Landkreises Rosenheim ausgezeichnet worden. Im Kursaal in Oberaudorf ehrte der stellvertretende Landrat Josef Huber gestern Abend  zudem die Klarinettistin Elisabeth Dögerl aus Bad Endorf mit dem Kulturförderpreis sowie das Doppelprojekt „Heiliges Grab“ und Auferstehungsspiele in Aschau mit dem Kultursonderpreis. Die Laudationes hielt der Kulturreferent des Landkreises Christoph Maier-Gehring.

Der stellvertretende Landrat Josef Huber schwärmte in seiner Begrüßung von den zahlreichen hochkarätigen Künstlern in der Region: „Würdige Preisträger werden uns nie ausgehen.“ Zudem informierte Huber, dass die Preisträger vom Rosenheimer Kreistag einstimmig beschlossen worden waren. Oberaudorfs zweiter Bürgermeister Alois Holzmeier freute sich, dass sich die Musikfilmtage so rasant entwickelten, „sodass wir heute die Macher ehren können.“

 

„Ich schaue gerne gute Filme und ich liebe Musikfilme“, gab Christoph Maier-Gehring freimütig zu. „All diese Filme kann ich alljährlich bei den Musikfilmtagen erleben.“ Er lobte das Herzblut der Organisatoren, „das man überall spürt, wenn man die Musikfilmtage besucht.“

Über 3.000 Besucher kamen heuer zur 12. Ausgabe der Musikfilmtage Oberaudorf. Seit 2008 wurden mehr als 170 lange Filme gezeigt, zudem zahlreiche Kurzfilme. Besonders lobte Maier-Gehring die besonderen, pädagogisch wertvollen Filme für Kinder und Jugendliche. Traditionell gehört zu allen Musikfilmtagen ein Filmmusikkonzert im Kurpark, meist mit der Musikkapelle Oberaudorf. Ein weiterer Höhepunkt ist der Frühschoppen der Filmtage, den unter anderem die Schauspieler Udo Wachtveitl, Günter Maria Halmer, Brigitte Hobmeier, August Zirner, Hannelore Elsner, Senta Berger und Alexander Held besuchten. Weitere Gäste waren die Regisseure Doris Dörrie, Dominik Graf, Hans Steinbichler, Michael Verhoeven sowie die Oscar-Preisträgerin Caroline Link. Zudem wurden auch Musiker wie Klaus Voormann, Klaus Doldinger, Georg Ringsgwandl oder Helmut Pixner zum Frühschoppen begrüßt.

 

Zum Abschluss seiner Laudatio holte Maier-Gehring den Erfinder der Musikfilmtage von Oberaudorf Markus Aicher auf die Bühne. Auf die Frage nach den Anfängen, sagte Aicher, „Sie entstanden aus dem Wunsch heraus, Kultur zu machen, Filme zu zeigen.“ 2008 gründete sich ein Förderverein mit heute rund 130 Mitgliedern.

 

„Ein voll besetzter Kurpark mit über 700 Gästen die hier Bohemian Rhapsody (biografisches Filmdrama zu Queen-Sänger Freddy Mercury) anschauten.“ Das fiel Markus Aicher ein, als er nach den Highlights gefragt wurde. Als Zweites nannte er die Vereinsmitglieder, „die jedes Jahr mitmachen und ein Festival machen, das in Deutschland seinesgleichen sucht.“

 

Für kommendes Jahr kündigte Festivalgründer Aicher eine Neuerung an. Erstmals werden die Musiker einer Band, die mit einem Film im Festivalprogramm vertreten sind, nach Oberaudorf kommen und ein Konzert geben. Im konkreten Fall geht es um „Dreiviertelblut“.

 

Die Lust am Kulturmachen und Filme zeigen ist bei den Verantwortlichen der Musikfilmtage offenbar weiter groß, denn zum Abschluss des Gesprächs meinte Markus Aicher, „wir wünschen uns nichts sehnlicher als ein Kulturhaus.“

 

Mit der Rigoletto-Fantasie von Giuseppe Verdi und Luigi Bassi hatte die diesjährige Kulturförderpreisträgerin Elisabeth Dögerl den Festakt im Kursaal von Oberaudorf eröffnet. Begleitet wurde sie am Klavier vom Förderpreisträger des Jahres 2015 Thomas Schuch aus Stephanskirchen. Die heute 24-jährige Elisabeth Dögerl erhielt ab dem neunten Lebensjahr Klarinettenunterricht. Nach dem Abitur wurde daraus ihr Studium im Konzertfach Klarinette am Mozarteum Salzburg. Zudem studierte sie Instrumentalpädagogik, das sie 2017 mit dem Bachelor mit Auszeichnung abschloss.

 

Elisabeth Dögerl gastierte schon bei einigen professionellen Orchestern, unter anderem bei den Reichenhaller Symphonikern, beim Oper im Berg Festival Salzburg, bei der Bläserphilharmonie Salzburg, bei der Opernbühne Bad Aibling oder bei der Isar Philharmonie. Seit September 2019 ist Dögerl nebenberuflich als Musiklehrerin in Prien tätig. Laut Maier-Gehring ist die frisch gebackene Kulturförderpreisträgerin offen für alles Mögliche. „Freuen würde sie sich über eine feste Stelle in einem guten professionellen Orchester und das möglichst nicht zu weit weg von zuhause.“

 

Das Doppelprojekt „Heiliges Grab und die Auferstehungsspiele“ bezeichnete Maier Gehring als idealen Kultur-Sonderpreisträger. „In beiden Projekten steckt spürbar viel Herzblut der Aschauer Vereine, Verbände und vieler Einzelpersonen. Der Gemeinschaftsgeist war sehr groß. Die Aschauer können jedenfalls stolz sein auf ihr Heiliges Grab und die Auferstehungsspiele.“

 

2018 jährte sich die Geschichte des Heiligen Grabes zum 400. Mal. Der Heimat- und Geschichtsverein Aschau nahm dies zum Anlass, das Heilige Grab wieder in der Pfarrkirche zu installieren. Letztmals war es 1955 dort zu sehen. Weil die Gemeinde Aschau ein schlüssiges Konzept vorlegen konnte und sich an der Restaurierung beteilige, übernahm die Erzdiözese München-Freising einen Großteil der Restaurierungskosten.

 

Von Mitte März bis Anfang Mai 2019 war das Heilige Grab in der Pfarrkirche aufgebaut. In dieser Zeit wurden der erste Teil der Auferstehungsspiele „Vom Leben Jesu“ sieben Mal und anschließend der zweite Teil „Die Auferstehung Jesu“ achtmal aufgeführt. Alle Vorstellungen waren ausverkauft. Vor und hinter der Bühne waren über 130 Mitwirkende aktiv.

 

Begleitet wurde das Projekt „Heiliges Grab“ zudem mit einer Reihe liturgischer Veranstaltungen, einem Pontifikal-Gottesdienst mit Kardinal Marx sowie einem Haydn-Konzert, einem Volksmusikkonzert und Pergolesis Stabat Mater mit dem Ensemble von Johannes Berger. Viele waren beteiligt, neben dem Heimat- und Geschichtsverein unter anderem die Katholische Pfarrei mit Pfarrer Paul Janßen, das Kolping Theater Aschau und die Gemeinde Aschau.

 

Abschließend wagte Laudator Christoph Maier-Gehring einen Blick in die Zukunft: „Sollte es nach den Akteuren gehen, könnten die Auferstehungsspiele im originalen Heiligen Grab in ein paar Jahren wieder zu sehen sein.“

 

Dr. Ulrich Feldmann vom Heimat- und Geschichtsverein Aschau bedankte sich: „Wir sind eigentlich zwei Mal ausgezeichnet worden. Das erste Mal durch 6.000, die zu den Auferstehungsspielen kamen, weitere 4.000 besuchten das Heilige Grab. Das war ein toller Erfolg und durch die Auferstehungsspiele entstand eine phantastische Stimmung im Dorf. Und die zweite Auszeichnung heute ist natürlich die Krönung.“

 

Der Landkreis Rosenheim vergibt die Kulturpreise jährlich, um Bürgerinnen und Bürger oder Gruppen zu ehren, die sich besondere Verdienste um die Kultur im Landkreis erworben haben. Der Kulturpreis ist mit 5.000 Euro dotiert, der Kulturförderpreis mit 2.500 Euro und der Kultursonderpreis mit 1.500 Euro.

 

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