Die Leben in Wasserburg unter Hitler

P-Seminar des Luitpold Gymnasium Wasserburg für besondere Leistungen geehrt

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Wie gestaltete sich der Alltag von Wasserburgern während des NS-Regimes? Wie wirkte sich Hitlers Politik insbesondere auf die jungen Leute aus? Mit diesen Fragen beschäftigten sich sieben Schülerinnen und Schüler des Wasserburger Luitpold Gymnasiums im Rahmen ihres P-Seminars unter der Leitung von Rektor Peter Rink. Für ihr besonderes Projekt wurden sie heute im Rathaus von Bürgermeister Michael Kölbl mit dem ersten Platz beim Geschichts- und Heimatkunde-Wettbewerb der Stadt belohnt.

Die Grundidee des städtischen Wettbewerbes, den es seit dem Schuljahr 2003/04 gibt, ist es, geschichtliche Quellen aus dem Museum und dem Stadtarchiv auszuwerten und somit die Geschichte wieder lebendig zu machen. Von diesen beiden Einrichtungen werden den Schulen immer wieder auch Themenvorschläge unterbreitet sowie Projekte im Rahmen der Archiv- und Museumspädagogik fachlich begleitet und unterstützt.

So entstand auch das P-Seminar des Luitpold-Gymnasiums „Wasserburg zwischen 1933 und 1938“ unter Leitung von Peter Rink. Über einen Zeitraum von zwei Jahren trafen sich sieben Schülerinnen und Schüler einmal wöchentlich in der Schule oder im Stadtarchiv mit Matthias Haupt, um etwas über das Leben in Wasserburg, insbesondere das der Jugend, unter der Diktatur Hitlers zu lernen. „Geschichte hat uns alle schon immer interessiert, vor allem auch das, was direkt vor unserer Haustür passiert ist”, so Clara Wohlschläger stellvertretend für die SeminarteilnehmerInnen. Dass sie ihren thematischen Schwerpunkt unter anderem auf die Wasserburger Jugend legen wollten, suchten sich die Schülerinnen und Schüler dabei selbst aus. Sie beschäftigten sich beispielsweise mit der Hitlerjugend, dem Schulleben oder der Erziehung.

Eine der Bildquellen: Eine Schießübungsszene der Hitlerjugend in Wasserburg. Quelle: Stadtarchiv.

 

Unter Anleitung von Peter Rink und Matthias Haupt wurden sie nach und nach an das Arbeiten mit historischen Quellen herangeführt. Sie mussten lernen, wie man alte Schriften liest, wie man mit Quellenbeschreibungen umgeht und diese korrekt auswertet. „Die Quellen überhaupt lesen zu können war schon eine große Hürde, aber zum Glück hat man in den P-Seminaren ja zwei Jahre Zeit, um die erlernten Kompetenzen dann auch wirklich anzuwenden”, so Stadtarchivar Matthias Haupt.

Das Ergebnis – eine Ausstellung – wurde schließlich in der kleinen Aula des Luitpold-Gymnasiums vom 17. bis 29. Januar öffentlich präsentiert. Über die Ausstellung hinaus boten die Schülerinnen und Schüler schulinterne wie auch öffentliche Führungen an, die sie selbst organisierten und durchführten. „Es sind mehr Leute gekommen als erwartet, da waren wir wirklich überrascht”, freute sich Wohlschläger.

 

Foto: Matthias Haupt

Die Jury des Geschichts- bzw. heimatkundlichen Wettbewerbs – bestehend aus Bürgermeister Michael Kölbl, Museumsleiterin Sonja Fehler, Heimatvereinsvorsitzendem Peter Rink und Stadtarchivar Matthias Haupt – war sich einig, den ersten Preis für diese Gruppenarbeit zu vergeben. „Besonders gelang den Schülern die Facetten des Unrechtsstaates im Kleinen, im vermeintlich Alltäglichen und Belanglosen aufzuspüren und somit aufzuzeigen, wie tiefgreifend der Willkürstaat in den Alltag der Menschen hineinregierte”, zitierte Kölbl die Bewertung der Jury. Auch sei das besondere Engagement der Schüler hervorzuheben, da sie sich auch außerhalb des regulären Unterrichts Zeit nahmen für die Besucherführungen.

Das Preisgeld in Höhe von 200 Euro wollen die frisch gebackenen AbiturientInnen an die Björn-Schulz-Stiftung am Chiemsee spenden.

 

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