Die Haager im Himmel

,,Gscheid dableckt": Singspiel begeistert Publikum beim Haager Starkbierfest

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Dass in Haag nichts los sei, hieß es zu Beginn des Abends in der Fastenpredigt von Florian Haas ganz provokant. Dabei lieferten die Schauspieler und Sänger der gestrigen Starkbierfest-Premiere selbst den Gegenbeweis. Zum sechsten Mal stellten sie ein Singspiel auf die Beine, das sich sehen lassen kann. Feinsinnig und schonunglos, derb und charmant. Ein unterhaltsamer Abend auf höchstem Niveau, den die Gäste im restlos ausverkauften Grandl-Stadl mit stehendem Beifall belohnten.

In gewohnter Manier „dableckte” Fastenprediger Florian Haas mit seinen Ministranten gleich zu Beginn des Abends einmal ordentlich jeden, der Rang und Namen in Haag und Umgebung hat– wie es sich für ein bairisches Singspiel gehört. Angefangen bei überregionaler Politprominenz wie Seehofer, Söder und Aiwanger über die großen Parteien hin zur „kleinen SPD”, wie Haas angesichts der schlechten Wahlergebnisse im vergangenen Jahr scherzte. „Die einzige Chance, die die SPD noch hat, ist, dass sie von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wird.“ Aber auch die hiesige Politik zog er ordentlich durch den Kakao – mit teils sehr scharfer Zunge.

Haager Geschäftsleute, Gemeinderäte, Gemeinderatsanwärter und andere „Lokalpromis” wurden ordentlich dableckt. Die Sax-Brüder kamen – wie jedes Jahr – nicht aus, die Bürgermeisterin musste einiges aushalten und auch über die steigenden Strompreise bei den Haager Kraftwerken wurde geschimpft. „Die haben jetzt den Schlossturm gekauft, weil sie nicht mehr wussten, wohin mit dem ganzen Geld. Jetzt lagern sie’s im Turm ein.”

Glimpflich davon kamen dagegen die örtlichen Vereine wie der TSV Haag und die Schäffler, gegen die ausnahmsweise nicht gestichelt wurde, sondern höchsten Tönen Lob erklang.

Für einen der größten Lacher in Haas’ Predigt sorgte der Spott über das Zeitungsinserat der Haager Maibaumfreunde, in dem stand, dass der Maibaum ab jetzt gestohlen werden könne und sich willige Maibaumdiebe melden sollten. „Zum Maibaumstehlen macht ma koan Termin ned aus. Des is Ehrensache!“, mahnte Haas.

Auch einen Seitenhieb gegen die katholische Kirche ließ sich Haas in der Mönchskutte nicht nehmen. „Wenn der liebe Gott wollen hätte, dass Politik Spaß macht, hätte er nicht die katholische Kirche erfunden“, provozierte er. Durch ein großes Maß an Selbstironie konnte er die Wogen jedoch stets glätten, so nahm er sich beispielsweise  selbst auf dem Arm, indem er über seine unverständliche Aussprache scherzte. Ein Plädoyer, das ganz ohne Provokation und Sarkasmus, dafür aber mit einer großen Portion Überzeugung und Ernsthaftigkeit daherkam, schloss Haas’ Rede ab. „Auf die Gemeinde Haag und dass sie bald endlich aus ihrem Dornröschenschlaf aufwacht und was anpackt! Macht’s was, engagiert’s eich!“

 

Wie das äußerst aufwendig und liebevoll gestaltete Bühnenbild im Hintergund während der Fastenpredigt schon vermuten ließ, findet das Singspiel heuer im Himmelsreich statt – ganz im Branderkaspar-Stil. „Bei uns im Bayern-Himme, do is‘ schee“ stimmte der Haager Viergsang um Liedschreiber Hans Urban ein.

Die meisten der Schauspieler und Sänger präsentieren sich als Engerl, aber auch der Brandnerkaspar (Bernd Furch, rechts), der Boandlkramer (Tom Göschl, links) und der heilige Portner (Ewald Wegerer) lassen sich nicht vermissen.

Nach einem stärkenden Weißwurstfrühstück mit passendem Bier schauen die Engerl vom Himmel hinunter auf das Haager Land. „Eröffnet, aber trotzdem ned auf!“, stellten sie da zum Beispiel beim Blick von oben auf den Haager Schlossturm fest, was für einige Lacher im Publikum sorgte.

Neben der gekonnten schauspielerischen Inszenierung, wofür Tom Göschl wie gewohnt den Text verfasste, und dem Bühnenbild, das Seinesgleichen sucht, überzeugten auch in diesem Jahr vor allem die Lieder, die das Herzstück des Singspiels bilden. Wie gewohnt in perfekter Harmonie ließ der Haager Viergsang Lieder über die verschiedensten Themen und Personen rund um Haag erklingen.

So besangen sie beispielsweise die „Helden“ vom Bauhof, die mit ihrem Kombi in der „Wossalocka“ stecken bleiben oder die Ramsauer, die sich als Freizeitbeschäftigung nur zwischen Blaskapelle oder Fußball entscheiden können und ihrem eigenen Heiratsmarkt stets treu bleiben. „Alle 11 Minuten verliebt sich ein Single über die Ramsauer Blaskapelle“, spottete Urban, zu dessen Überraschung heuer auch ein Lied geschrieben wurde, worin es um ihn und seine teils sehr ausgeprägte Liebe zu erneuerbaren Energien geht. „Wer fährt mit Strom, trifft den richtigen Ton? Ja, unser Hans, der kann’s.“

Übers Hallenbad hieß es melodisch und sarkastisch: „Die Sanierung dauert sicher nur ein Jahr. So wie’s beim Schlossturm war.“ Wer noch alles besungen und dableckt wurde, wird an dieser Stelle nicht verraten, immerhin führen die Haager ihr Starkbier-Spektakel ja noch dreimal auf.

„Unser Gschicht is jetz aus, mia gfrein uns auf Applaus“, waren die letzten Zeilen des letzten Liedes. Und der Applaus kam. Schallend, stehend und langanhaltend.

Musikalisch passend umrahmt wird das Singspiel von der Blaskapelle Ramsau, die zusammen mit dem eh schon „griabigen” Ambiente im Saal von Wirt Matthias Bachmeier (rechts) für die perfekte Atmosphäre sorgte. Alle paar Minuten war ein kollektives Klirren der Steinkrüge zu hören, die mit bestem Forstinger Doppelbock und Unertl-Weißbierbock gefüllt waren, und die Bedienungen huschten mit Schweinshaxen, Currywurst, Brezn und Co. zum leiblichen Wohl der Gäste durch den restlos ausverkauften Stadel.

Die weiteren Termine sind:

  • Samstag, 16. März
  • Freitag, 22. März
  • Samstag, 23. März

Einlass ist jeweils ab 18 Uhr. Beginn mit Begrüßung ist um 19.30 Uhr.

Unsere Fotos vom Singspiel:

Unsere Fotos von den Gästen und dem „Drumherum”:

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