Die Feuerwehr in Zeiten der Pandemie

Kreisbrandinspektor Stephan Hangl seit gut sechs Wochen im Amt: „So hab' ich mir den Start nicht vorgestellt"

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13 Gemeinden, 27 Feuerwehren und ein Gebiet mit über 50.000 Einwohnern  – die Kreisbrandinspektion im nördlichen Landkreis Rosenheim umfasst eine Fläche von über 350 Quadratkilometern. Da ist einsatztechnisch einiges geboten für die Floriansjünger. Seit 1. März ist Stephan Hangl aus Wasserburg neuer Kreisbrandinspektor. Der Beginn seiner Amtszeit fiel quasi mit der Corona-Krise zusammen. „So hab’ ich mir den Start eigentlich nicht vorgestellt”, gesteht der 49-jährige Familienvater. Die Wasserburger Stimme sprach mit Hangl über die Feuerwehr in Zeiten der Corona-Pandemie.

„Die ersten Tage der Ausgangsbeschränkung waren wirklich gespenstisch. Wir hatten so gut wie keine Einsätze mehr im nördlichen Landkreis Rosenheim. Die Menschen waren wie in einer Schockstarre. Wir hatten Feuerwehrkameraden, die sich gefragt haben, ob ihr Piepser noch funktioniert, weil sich gar nichts mehr getan hat”, so Hangl. Er selbst sei öfter in Richtung Rosenheim zum Landratsamt unterwegs. „Auf der B15 wurde extrem langsam und vorsichtig gefahren. Das kenne ich sonst ganz anders. Logisch, dass dann einfach weniger oder gar nichts mehr passiert.” Mittlerweile sei das Einsatzaufkommen aber wieder etwas angestiegen. „Ich sag mal, es ist etwa so wie in normalen Jahren im August, wenn alle in den Ferien weg sind.”

In Zeiten der Corona-Pandemie hätte sich für die Einsatzkräfte natürlich einiges geändert. „Wir besetzen die Fahrzeuge nicht mehr voll, achten auf Sicherheitsabstände und auf Mundschutz.” In „normalen Zeiten” sei man bei den Feuerwehren meist in der glücklichen Lage, etwas mehr Personal an den Einsatzort zu bringen, als von der Leitstelle angefordert. „Diesen Luxus leisten wir uns gerade jetzt nicht. Es fährt nur raus, wer wirklich muss.” Zusätzlich teile man die Mannschaften jetzt in Teams ein, die sich untereinander nicht mehr mischen sollten. „Sollte der Fall eintreten, dass sich jemand in einem Team ansteckt, gibt es immer noch das zweite.”

 

Fast alle Wehren voll einsatzbereit

Von den insgesamt 118 Feuerwehren im Landkreis Rosenheim seien derzeit 25 von Quarantänemaßnahmen betroffen, eine Wehr ist nur mehr eingeschränkt einsetzbar, eine kleine Feuerwehr aus dem Westen des Landkreises pausiere derzeit ganz. Insgesamt seien die Feuerwehren auf die Corona-Krise natürlich nicht vorbereitet gewesen, hätten sich aber schnell auf die neuen Gegebenheiten eingestellt. „Alleine schon durch unsere Ausbildung lassen wir eine gewisse Vorsicht walten und schauen von vorneherein, dass wir kontaminierte Materialien nicht von A nach B verschleppen.”

Gerade die Floriansjünger der Attel-Reitmehringer und der Wasserburger Wehr seien zur Verhinderung von Kontamination besonders gut aufgestellt. „Wir nehmen im Landkreis eine Sonderstellung ein, weil wir Spezialisten für Chemieunfälle in unseren Reihen haben. Im aller schlimmsten Fall können wir sogar unter Vollschutz arbeiten. Auch wenn der Gegner unsichtbar ist wie ein Virus, belieben wir handlungsfähig.”

400 Näherinnen im Einsatz

Mittlerweile seien praktisch alle Feuerwehren mit Mundschutz ausgerüstet. „Wir haben das so genannte Aiwanger-Vlies im Altlandkreis Wasserburg zugeschnitten und dann nach Prien transportiert dort sind in einer Turnhalle über 400 Näherinnen unter Leitung des dortigen Kreisbrandmeisters, der vom Fach ist, in verschiedenen Schichtdiensten am Arbeiten. Die fertigen Masken wurden und werden nach und nach durch das THW an die Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Pflegedienste und auch Feuerwehren verteilt.”

Und Hangls persönliche Einstellung zur derzeitigen Krise? „Wir müssen da durch. Gemeinsam. Das lässt sich jetzt nicht ändern. Aber man wird natürlich schon vorsichtiger, überdenkt so manche Handlung, ob sie unbedingt nötig ist und man wird insgesamt vorsichtiger.” HC

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