Der Tag des letzten Brotes in Edling!

Nach 130 Jahren heißt es Abschied nehmen von der Bäckerei Berndl

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Morgen ist der Tag des letzten Brotes in Edling – so traurig, wie das klingt, ist es auch: Die Traditionsbäckerei Berndl in Edling – 130 Jahre gelebtes Handwerk – macht dicht! Georg Berndl (unser Foto) geht in seinen wohlverdienten Ruhestand, sein Bruder Martin ist dafür mit 56 Jahren noch zu jung. Die Ofen ihres so beliebten Familienbetriebs gehen aus, das Geschäft schließt für immer. Was bleibt ist einmal mehr die bittere Frage: Haben die kleinen, regionalen Bäckereien im Backfabrik-Aufback-Wahnsinn überhaupt noch eine Überlebenschance?

Der Opa Georg schon, der Papa Georg auch und sie als Brüder Georg und Martin – sie alle haben das Bäcker-Handwerk als große Leidenschaft gelebt. Und nun? Wieder ein Betrieb weniger, einer der noch „mit Herz und Hand … und einem guten Nudelholz“ selbst gebacken hatte – so wie es in der Bäckerhymne heißt, die beim Zentralverband des Bäckerhandwerks als Musik in der telefonischen Warteschleife läuft.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht er dem morgigen Abschiedstag seiner Bäckerei entgegen: Martin Berndl, der aus dem gesellschaftlichen Leben Edlings nicht weg zu denken ist – ist er doch seit x-Jahren leidenschaftlichst bei der Feuerwehr engagiert, als Kommandant und als Vorstand.

Martin Berndl sagt gegenüber der Wasserburger Stimme, er sei an sein „persönliches Limit“ gelangt. Auszubildende und Mitarbeiter im Bäcker-Handwerk seien immer schwerer zu finden. Und die Bürokratie – sie sei „entsetzlich“ geworden. Dafür habe man nicht Bäcker gelernt. Man könne es den eigenen Kindern deshalb wirklich nicht verdenken, wenn sie die Nachfolge nicht mehr übernehmen wollen. Und er und sein Bruder Georg – sie wollen halt nun auch nicht mehr.

Die Berndl-Filiale in Forsting wird sich in einen Dorfladen verwandeln, die Filiale in der Wasserburger Altstadt wird die Bäckerei Straßgütl übernehmen, auch für die Filiale in Eiselfing sei ein Nachfolger gefunden – offen sei noch die Zukunft des Ladens in der Burgau.

Von 7.30 bis 13 Uhr ist die Bäckerei mitten in Edling nun am morgigen Samstag ein letztes Mal geöffnet, z’ammsitzen soll Edling dort noch einmal – es gibt auch Weißwürscht und Bier. Der Erlös des Abschieds ist für den Kloster-Kindergarten gedacht. Und:

Warm wird das Brot am morgigen Samstag noch einmal sein – und es wird duften. Es ist leider der so wunderbare Duft vergangener Zeiten. Nicht nur Edling wird sie schmerzlich vermissen, seine Traditionsbäckerei Berndl!

Fotos: Renate Drax

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8 Gedanken zu „Der Tag des letzten Brotes in Edling!

  1. Es ist tatsächlich eine traurige und sehr bedenkliche Entwicklung.

    Aber man braucht sich nicht wundern, wenn man bei der Brotzeit sitzt und die Kollegen die Tüten mit Aufback-Ware von den Discountern auspacken.

    Wenn man sie dann darauf anspricht, dass viele dieser massen-industriell produzierten Teiglinge aus Fabriken in Osteuropa, etc. stammen, werden die Augen ganz groß.

    Und am nächsten Tagen waren sie eben doch wieder beim Discounter und meinen, sie haben sich super „was gespart“. Dass diese Semmeln und Brezen kaum oder gar keinen Geschmack mehr haben, interessiert dann eben nicht mehr weiter.

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    1. Stimme dem „Stammkunden“ völlig zu.
      Möchte aber nochmal ein besonderes Gewicht auf den „entsetzlichen“ Beördenwahnsinn legen, denn dieser wird immer schlimmer in allen Gebieten der Arbeit.

      Da sehe ich weiter kein Land in Sicht, denn die „Kontrollöre“ vom Amt werden immer wichtiger und narzistischer, siehe auch Thema Brandschutz und Bierzelt etc.

      Da sehe ich auch einen wesentlichen Grund, warum viele nicht mehr weiter machen wollen, weil es nur auf persönliches Engagement hinausläuft, das dich letztendlich verbrennt.
      Vielen Dank an die Großfamilie Berndl – für a guads Brot und a feine Speisen außerhalb der Bäckerei.

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      1. Genau so is´ – Hauptsach an Antrag stellen und dann alles fein säuberlich dokumentieren müßen.
        Des is unser Hauptbeschäftigung von in da Friah bis auf d´Nacht.
        Und dann wundert man sich, wenn ois so vui Geld kost.
        Wundern brauchst di ned…

        Aber trotzdem am Schorsch und am Martin an scheena Dank und ois Guade…

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  2. Es ist traurig. Jedes Mal, wenn wir in Wasserburg waren, haben wir uns beim Berndl in Edling eingedeckt und die Semmeln, Salzstangerl usw. in den Bayerischen Wald mitgenommen. Vielen Dank für das tolle Gebäck.

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  3. Die beiden Vorkommentatoren haben das genau richtig erkannt.

    Tatsache ist doch, dass das Sterben vieler Kleinstädte nicht an verkehrsberuhigten Innenstädten oder kleinen Fußgängerzonen, wie es in Wasserburg sinnvoll wäre, scheitert.

    Nein, es ist der Bürokratie-Wahn Deutschlands.

    Kein Land der EU setzt die fadenscheinigen Richtlinien und die Vorschriften der EU so restriktiv und in einem so vorauseilenden Gehorsam-Wahn um wie Deutschland – leider aber nur, wo es um klein- und mitttelständische Betriebe geht und welche den Großkonzernen nicht schaden – im Gegenteil. Dem Wachstumswahn vieler Großkonzerne werden alle politischen Entscheidungen untergeordnet.

    Was die nicht wollen, wird auch nicht umgesetzt. Und was die Bürger wollen, interessiert schon in der kleinsten politischen Einheit, der Gemeinde/Stadt, keinen, geschweige denn im Land oder Bund.

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  4. Ja, schod iss. Wieda a Handwerksbetrieb weniga. In da Ortsmittn steam de letztn Gschäfta ganz aus. Generell im Handwerk zum beobachtn. De heidign Leit mächtn hoid olle, daß bloß mea midm Compjuta arbatn miaßn, aba do ko i mia nix obabeißn. Ja, boid iss a so, dass mia auf an 75jährigen Handwerka 5 Monat wartn muaß, bis ebba zum repariern kimmt und zum eikaffa muaß i mia iatz a Taxi bschtoin, wo ois so weit weg is.

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  5. Handwerker werden in den nächsten 10-20 Jahren wieder geile Zeiten erleben, sofern sie sich der neuen Ökonomie anpassen.
    Sehr viele Mittelstandsberufe werden wegfallen. Taxifahrer, LKW-Fahrer, Zugführer etc. trifft es, aber auch Steuerberater, Anwaltsgehilfen, Buchhalter etc. pp.

    Die Zukunft besteht aus Automatisierung, künstlicher Intelligenz, Daten. Das wird wahnsinnig viele neue Berufe schaffen – nur wer die Augen vor dem Wandel stur verschließt, geht eben unter. Schon in der Gegenwart ist das gut am Social-Media-Verhalten zu beobachten. Wer sich dem verschließt und nicht dafür sorgt, online seine Marke aufzubauen, befindet sich auf dem absteigenden Ast. Und da rede ich nicht von Tech-Unternehmen, sondern auch vom kleinen Bäcker, Bars, Friseuren etc.

    Leider sind gerade alteingesessene mittelständische Unternehmen sehr anfällig für diesen Tunnelblick und verschwinden mit der Zeit, weil sie eben nicht mehr mithalten können.
    Was hält zum Beispiel der Innenstadt davon ab, seine Produkte auch online zu verkaufen? Da spricht absolut nichts dagegen und es wird auch die Laufkundschaft nicht beeinflussen!
    Das Innkaufhaus macht es vor. Onlineshop, kreative Ideen, ausbaufähige aber zumindest vorhandene und aktive Social Media Präsenz.

    Wenn wir zurück zu den Handwerkern kommen, wäre das beispielsweise eine aussagekräftige Webpräsenz, Werbung bei Google, ein gutes Google Ranking und gute Rezensionen. Positiv-Beispiel aus der Umgebung wäre der ATU mit 31 Bewertungen – kommt auch ganz oben, wenn man nach „Werkstatt Wasserburg“ sucht. Als zweites kommen dann kleine Werkstätten mit Bewertungen, die man an einer Hand abzählen kann. Die sind zwar aktuell bei 5 Sternen, aber nur zwei unzufriedene Kunden die hier einen Stern hinterlassen, können den Grundstein für die Insolvenz legen.
    Wer es hingegen schafft hier nicht den Anschluss zu verlieren, dem blühen rosige Zeiten. Handwerk wird nicht so bald durch Roboter ersetzt werden können. Künstliche Intelligenz wird keine Dächer decken, keine Häuser bauen, keinen Abfluss reinigen. Zumindest noch nicht so bald.

    Und es gibt in der Stadt ja sogar den Webmontag – da gibt es sicher immer wieder Themen die äußerst hilfreich sind, um hier auf dem Stand der Zeit zu bleiben und nicht von der Konkurrenz überholt zu werden.

    Aber natürlich schimpft es sich einfacher als darüber zu reflektieren, ob man nicht vielleicht etwas anders machen könnte, als noch vor 30 Jahren.

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    1. Danke Unternehmer, für diesen Kommentar.
      Stimme ihnen in allem absolut zu

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