Der Michi und seine Top-Gäste …

Kabarett in Wasserburg: Vieles geht den Fluss runter - aber längst nicht alles!

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Ja, vieles geht den Fluss runter – aber längst nicht alles! Zum heutigen Feierabend vor dem Wochenende mal eine Hommage an ihn, der uns so oft und gerne zum Lachen bringt bei all dem Wahnsinn: Michi Altinger wird nicht müde, seine Mitmenschen aufzuheitern. Ganz besonders nicht in seiner Heimatregion. Denn wieder einmal stand er mit kongenialen Partnern und Gästen auf der Bühne im Festsaal des Inn-Salzach-Klinikums. Die Bilanz eines Abends …

Fotos: Renate Drax

 

Er selbst führte einmal mehr durch das kurzweilige Programm und schickte gleich voraus – bei aller Klima-Diskussion – dass er selbst einen ökologischen Fußabdruck habe, dass es einer S.. grause! Sei er doch leidenschaftlicher Griller gewesen in diesem Sommer 2019. Ein bekennender Fleischesser also, der Michi Altinger.

Überhaupt fehlte das Grübeln, die Melancholie an diesem Abend bei allem Humor nicht. Warum nur gibt es bei uns mittlerweile einfach von allem viel zu viel? Und warum hält man es stoisch aus?

Und dann auch das noch: Dass es eine Mama und einen Papa doch nicht schlimmer treffen könne, als wenn der Sohn zum Abschied vom Besuch im eigenen Zuhause dann sage, ER FAHRE JETZT HEIM …

 

Dr. Theodor Danzl, Geschäftsführer des kbo-Inn-Salzach-Klinikums, hatte die Besucher im voll besetzten Saal gerne zu diesem so gelungenen Kabarett-Abend begrüßt …

Ladies first! Nora Boeckler …

Auch Michis weiblicher Gast an diesem Brettl-Abend vergaß die Selbstironie nicht – bei ernsten Themen und den alltäglichen Absurditäten des Lebens: Nora Boeckler – die 38-jährige Verwandlungskünstlerin, auch bekannt als Reporterin in der „Grießnockerlaffäre“ – nahm mit Leichtigkeit dem Ernsten die Schwere. Im Pointen-Setzen eine Eins: Immer wieder menschelte es auch bei ihr, streute sie ihre eigenen Ängste doch rein ins Programm und den ganzen Saal. Vor allem aber, weil die ausgebildete Schauspielerin ihre Figuren geradezu authentisch spielen konnte. Von der verhuschten Esoterikerin über die derbe Handy-Tussi bis zur singenden Schlager-Ikone …

Bumillo

Zuvor hatte er die Bühne betreten: Bumillo.

Und auch er spürt es: Es brodelt. Weltweit. Aber immer nur zynisch kommentieren und draufhauen sei ja wohl auch keine Lösung! Aufmerksam beobachtet der wortgewandte, charmante, Poetry-Slam-geschulte Standup-Comedian die Menschen – klug zwischen Philosophie und Poesie balancierend.

Fast ein Heimspiel in Wasserburg für ihn: Vielleicht liege es ja an seinem Geburtsort, dem idyllischen Chiemgau, in dessen gut geerdeter Energie bekanntlich so viele kreative Geister heranwachsen würden. Rappen kann er und meditieren und Optimist bleiben sowieso. Denn auch er versuche Tag für Tag angestrengt, nicht Opfer des gesellschaftlichen Wahnsinns zu werden. Ein Duschgel mit fünf – oder waren es sieben – Funktionen. Das sage doch einfach alles – über uns, über das Land und die ganze Welt.

Jess Jochimsen

Und dann er – Michis Spezl aus Jugendtagen – der Jess. Der Funke zum Publikum in Wasserburg sprang auch bei ihm sofort über. Neues aus der Anstalt, nein, vom Brettl: Schonungslos legt auch er den Finger auf die gesellschaftlichen Wunden. Und derer gibt es aktuell ja viele … Der Jess hat einen Blick für das Tiefgründige im Absurden und liebenswerte Außenseiter. Sein Roman Bellboy inspirierte Christian Lerch zum Kinofilm Was weg is, is weg.

In Wasserburg schwelgte der Jess gerne in der Vergangenheit. In der Kindheit, wo’s nach dem Sommer die Aufsatzzeit gab, mein schönstes Ferienerlebnis … zum Kotzen. Genau danach habe er die ganzen Ferien lang stets gesucht, weil er ja schon gewusst habe, was dann auf ihn zukomme. Bis in einem Jahr in den Ferien der Opa gestorben sei …

Überhaupt das Familienleben. Und die Rituale dort – vor allem Wort-Rituale – wie beispielsweise das seiner Mutter, dass der Ernst des Lebens nun anfange. Als Sechsjähriger bei der Einschulung, als er dann mit der Schule fertig war, mit dem Studium, als er die Arbeit begonnen habe, als er geheiratet habe, als das erste Kind auf der Welt war … stets habe der Ernst des Lebens begonnen. Erst dann oder immer wieder – oder ganz von vorne?

Oder so Worte wie ZEITNAH – so blanke Unsinnsworte unserer Gesellschaft. Oder DA BIN ICH GANZ BEI IHNEN … ah ja.

Jess Jochimsen regt sich auf. Gerne. Aber mit Geduld. Denn er will vor allem eines: NACHDENKEN!

Eine Empfehlung an diesem Abend … das Publikum in Wasserburg klatschte tosenden Beifall!

 

 

 

 

 

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