„Der Brexit ist nicht die größte Bedrohung“

SPD: Politische Matinée mit Europaparlamentarierin Maria Noichl und Aktion zum Weltfrauentag

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Zu den möglichen Auswirkungen des Brexits auf Deutschland und speziell die Kommunen referierte EU-Abgeordnete Maria Noichl (Mitte) auf Einladung der Wasserburger SPD in den Paulanerstuben. Außerdem initiierte die Wasserburger SPD einen aufwühlenden Film von Sherry Hormann am Weltfrauentag im Kino Utopia.

Maria Noichl ist seit 2014 Mitglied im Europa-Parlament. Dort engagiert sich die Rosenheimerin unter anderem für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter. Weitere Schwerpunkte sind Verkehr und Fremdenverkehr, Entwicklungshilfe und Menschenrechte. Maria Noichl ist außerdem Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Sie gilt aus Europa-Expertin und setzt sich für starkes, faires und soziales Europa ein.

Für die EU sei das Herausbrechen Großbritanniens ein tiefer Cut, und das nicht nur weil dadurch künftig 12 Milliarden fehlen werden, Geld das auch für die Sicherheits- und Außenpolitik abgeht, so Noichl. Die EU-Abgeordnete Noichl hatte auch eine Erklärung, warum das ohnehin sehr knappe Brexit-Referendum – nur 51,2 Prozent stimmten dafür – so kam: „Der Brexit wurde von den vier wichtigsten Medien, zwei davon sind in den Händen von USA und Kanada, regelrecht herbei geschrieben.“

Die Kommunen würden den Brexit besonders in den Bereichen Kunst und Kultur spüren, meinte Noichl. „Städtepartnerschaften, Schulpartnerschaften, der kulturelle Austausch wird künftig nicht mehr wie bisher möglich sein. In den Schuhen der anderen gehen, das ist es doch, was die EU ausmacht. Die Kommunen sind doch eigentlich Europa“, so Noichl. Es seien vor allem viele kleinen Einzelprojekte, die schmerzhaft fehlen werden. Die tatsächliche Bedrohung europäische Werte aber gehe von einer Ländergruppe aus, die gar nicht austreten will, konstatierte Noichl. „Ein zunehmend faschistisch regiertes Ungarn ist wesentlich gefährlicher als der Brexit“, so Noichls Einschätzungen der aktuellen Entwicklung. Mit großer Sorge blicke sie auch auf Polen, wo sich eine staatlich gesteuerte Homophobie ausbreitet und Lehrer und Lehrerinnen ins Gefängnis wandern, wenn sie Sexualkunde unterrichten.

„Wer als EU-Mitgliedsland demokratische Rechte ignoriert, muss es am Kontoauszug deutlich spüren.“ Demokratisches Geld dürfe es nur für demokratische Länder der EU geben. Nirgendwo sonst gibt es solche Menschenrechte, Umweltrechte und Frauenrechte, das dürfen wir auf keinen Fall gefährden, war Noichls Appell. „Wer Europa erhalten will, muss es reformieren.“ Mehr Transparenz, Stärke, Integration und vor allem mehr Soziale Politik waren Maria Noichls zentralen Forderungen, wenn es um den Erhalt der Europäischen Gemeinschaft geht.

 

In einer weiteren Veranstaltung initiierte die SPD zum Weltfrauentag  einen aufwühlenden Film von Sherry Hormann am Weltfrauentag im Kino Utopia.

In dem dokumentarisch inszenierten Spielfilm erzählt das Opfer die Vor-Geschichte des Mordes an ihr. Vor allem wird deutlich gezeigt, wie es dazu kam, dass dieser sogenannte ‚Ehrenmord‘ an der Berlinerin Hatun Sürücü im Jahr 2005 passieren konnte. Erschossen zu werden von der eigenen Familie, die von ihr so geliebt wurde, wird Schritt für Schritt nachvollzogen.

Im Gespräch einiger SPD-Frauen mit Besucherinnen nach dem Film, in dem auch Männer anwesend waren wurde deutlich, dass – so wie auch in anderen Religionen – durch religiös motivierten Fanatismus in der Familie, auch heute noch, Mädchen und Frauen Menschenrechte und Freiheiten vorenthalten werden, bis hin zum Mord.

Wolfgang Janeczka

 

 

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