Der Blick zum Himmel

Die Saturn-Mission der NASA-Raumsonde Cassini an der Hochschule Rosenheim

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saturn

Beeindruckende Bilder: Der Luft- und Raumfahrtexperte der Freien Universität Berlin, Dipl.-Ing. Tilmann Denk, berichtete vor rund 300 Interessierten in der Hochschule Rosenheim über die Saturn-Mission der NASA-Raumsonde Cassini – und über das bevorstehende Missionsfinale mit Durchfliegen der Ringe des Saturns. Über 3,5 Milliarden Kilometer musste die Sonde seit ihrem Start 1997 zurücklegen, bis sie sieben Jahre später im Jahr 2004 den Saturn erreichte. Hier kreist sie seit nun über zwölf Jahren und lieferte bislang viele Erkenntnisse über den Saturn, seine Ringe und seine 62 bislang bekannten Monde.

Das Ende der Mission ist absehbar. Das ursprünglich für vier Jahre geplante Projekt wurde zwei Mal verlängert. Voraussichtlich am 15. September 2017 wird die Raumsonde Cassini beim Aufprall an den Ringen des Saturns zerstört. Bis kurz vor dem Schluss soll sie weiterhin einmalige und bislang nie erreichte Bilder und Daten aus unmittelbarer Nähe der Saturnringe liefern.

Spannende Einblicke in die Steuerung der Sonde, ihr Equipment und die damit verbundenen Möglichkeiten machten dem breiten Publikum deutlich, wie solch eine Expedition ins All funktioniert und mit welchen Herausforderungen die Wissenschaftler konfrontiert sind. Diesen gelingt es, die rund 1,43 Miiliarden Kilometer entfernte Raumsonde auf ein- bis zweitausend Meter genau in ihr Ziel zu lenken.

Mit solch präzisen Meisterleistungen konnte im Jahr 2005 die mitgeführte Landesonde „Huygens“ auf dem größten Saturnmond Titan abgesetzt und so weitere spannende Bilder gewonnen werden. Seen und Flusslandschaften aus Methan und Stickstoff wurden entdeckt und aus nächster Nähe fotografiert.

Aber was genau untersuchen die Wissenschaftler dort eigentlich? „Die Mission ist in mehrere wissenschaftliche Disziplinen gegliedert, denen sich verschiedene Teams widmen“, erklärt Tilmann Denk. „Für diese Disziplinen gibt es eine Orbitsegmentierung, also eine Aufteilung der Umlaufbahnen der Raumsonde. So hat jedes Team zu bestimmten Zeiträumen die Möglichkeit, die für sich relevanten Messungen durchzuführen“, so Denk weiter.

Insgesamt sechs Teams widmen sich den Fachgebieten Saturnatmosphäre, der Magnetosphäre (Magnetfelder des Saturns), den Saturnringen, den Eismonden und dem Mond Titan. Ein überdisziplinäres Team beschäftigt sich mit allen Messungen und Ergebnissen.

Da die Energiereserven der Sonde langsam ausgehen, steht nun das große Missionsfinale an. Zwei letzte Vorbeiflüge am Mond Titan und ein Durchflug durch die Saturnringe bilden den großen Höhepunkt. Die Wissenschaftler erhoffen sich, hierbei die ersten Bilder der Saturnringe von Innen zu bekommen.

Anhand der Bestimmung der Masse soll dann das Alter der Ringe genauer bestimmt werden können. Auch neuen Aufschluss über die Rotationsdauer des Saturns will man so gewinnen. Aktuell gibt es hierzu verschiedene Berechnungen. So ist man nicht einig, ob ein Tag auf dem Saturn 10:32 oder 10:47 Stunden andauert. Am 15. September wird die Raumsonde Cassini dann im Planeten Saturn versenkt.

„Wenn wir all diese Erkenntnisse summieren, ist ein wichtiges Ergebnis, dass wir auf jeden Fall sagen können, dass es nirgends im Umkreis von Milliarden Kilometern so exzellente Lebensbedingungen für den Menschen gibt, wie hier auf unserer Erde!“, so Denk zum Abschluss.

Daten und Fakten zum Saturn (unser Foto oben):
Der Saturn ist in etwa zehnmal so groß wie die Erde.
Der Saturn benötigt rund 30 Jahre, um einmal um die Sonne zu kreisen.
Es gibt dort Jahreszeiten (15 Jahre Sommer, 15 Jahre Winter) mit blauem Winterhimmel und versmogtem Sommerhimmel.
Es herrschen Temperaturen von -180 °C.
Der Saturn besteht hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium.
Mit 10,4 m/s² hat der Saturn eine ähnliche Anziehungskraft wie die Erde (9,8m/s²).
Das Ringsystem des Saturns ist 60.000 km breit, hat einen Durchmesser von 273.000 km und ist nur 10 bis 100 km dick.

Im Rahmen der populärwissenschaftlichen Vortragsreihe lädt die Hochschule Rosenheim zwei Mal im Semester renommierte Wissenschaftler ein, die ihre Themen der breiten Öffentlichkeit verständlich machen.

Infos zu weiteren Vorträgen aus dem Bereich der Astronomie finden Sie unter www.fh-rosenheim.de/vortraege.html oder unter www.sternwarte-rosenheim.de.

Der nächste Vortrag der Vortragsreihe am 12. Januar 2017 beschäftigt sich mit einer Jahrhundert-Sensation, der erste direkten Messung von Einsteins Gravitationswellen.

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