Der Bauer ist sauer!

Runder Tisch mit Landwirten und MdB Daniela Ludwig offenbart Frust und Ärger

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Ernste Blicke: Die Düngeverordnung, eine CO2-Steuer und das Volksbegehren Artenschutz – das sind drei aktuelle Themen, die bei den Bauern im ganzen Landkreis für Frust, Ärger und Unsicherheit sorgen. Das ist die Bilanz eines Runden Tisches, zu dem die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig Vertreter der Landwirte eingeladen hatte. Als wichtigen Gesprächspartner hatte sie ihren Fraktionskollegen Artur Auernhammer, selbst Landwirt und Mitglied im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft im Deutschen Bundestag, an den Tisch geholt. „Die Landwirte haben es derzeit nicht leicht“ …

… so Ludwig im Hofcafé Donebauer in Prutting. „Brüssel hat eine Verschärfung der Düngeverordnung gefordert. Das ist noch ein langer Kampf. Wir können das in Bayern nicht hinnehmen. Denn unsere Landwirte werden in einen Topf geworfen mit der Massentierhaltung im Norden und Osten der Republik. Wir brauchen individuellere Werte und keine Pauschalwerte.“

Beim Volksbegehren Artenschutz ist für Artur Auernhammer noch nicht das letzte Wort gesprochen. „Es sind wichtige Vorschriften, die für uns Landwirte einfach nicht gehen. So etwa das Walzverbot von Grünland nach dem 15. März oder Mähverbot auf zehn Prozent der Grünflächen vor dem 15. Juni. Diese und andere Regelungen zwingen Bauern zum Aufgeben.“ Dennoch war es richtig, dass sich der Bauernverband hier den Verhandlungen nicht verweigert habe, so Auernhammer. „Es gab keine Alternative. Wir müssen das Beste daraus machen.“

Auf Kritik stießen in der Runde auch die Regelungen für Obstgärten oder das Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf Dauergrünland.

Frust, Ärger und Unverständnis prägen die Diskussion über die Düngeverordnung. Die von der EU geforderte Verschärfung der Düngeverordnung nehme keinerlei Rücksicht auf regionale Gegebenheiten. „Wir haben das sauberste Wasser. Kein Bauer hat bei uns Verständnis für eine Verschärfung“, sagte der ehemalige Landtagsabgeordnete Sepp Ranner.

Eine Verschärfung werde viele Bauern in der Region zwingen, die Tierhaltung zu reduzieren, meinten andere Teilnehmer. Wegen der unsicheren Perspektiven habe auch kein Landwirt mehr Lust, in seinen Betrieb zu investieren.

Das Volksbegehren Artenschutz hatte für die Landwirte noch in anderer Hinsicht fatale Auswirkungen. Mehrere Teilnehmer des Runden Tisches berichteten, dass sich die Einstellung der Bevölkerung zur Nutzung von Wiesen, Wäldern und Feldern geändert hat. So gebe es mehr Übergriffe auf das Eigentum der Landwirte. Mountainbiker fahren über die Felder, Jogger laufen über den Grund, Radfahrer fahren über die Wiesen der Landwirte. Die Landwirte, so der Tenor, seien zum Allgemeingut geworden.

Einer CO2-Steuer erteilten die Landwirte eine klare Absage. „Wir sind die einzige Berufsgruppe, die CO2 bindet, zum Beispiel über den Mais oder die Forstwirtschaft“, betonte der Kreisobmann des Bauernverbandes Rosenheim Josef Bodmaier. „Alle anderen Industriezweige produzieren CO2. Wir wollen deshalb von einer Steuer, wenn sie wirklich kommt, profitieren und nicht belastet werden.“

Daniela Ludwig hat ebenso wie ihr Fraktionskollege Artur Auernhammer großes Verständnis für den Ärger und die Sorgen der Landwirte. Beide lehnen eine CO2-Steuer ab. „Diese Debatte müssen wir beenden“, forderte Ludwig. „Die  Landwirte verdienen mehr Respekt für ihre Leistungen. Und Klimaschutz betrifft alle. Die Verbraucher zum Beispiel bestimmen mit ihrem Verhalten selbst, was in den Supermärkten im Regal steht.“

Fotos: CSU

In der Diskussionsrunde in Prutting gab’s nichts zu lachen – von links: Der stellvertretende Landrat Josef Huber aus Babensham, MdB Artur Auernhammer, MdB Daniela Ludwig sowie der Kreisobmann des Bauernverbandes Josef Bodmaier …

 

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6 Kommentare zu “Der Bauer ist sauer!

  1. “Die Verbraucher zum Beispiel bestimmen mit ihrem Verhalten selbst, was in den Supermärkten im Regal steht.

    Leider hat die Vergangenheit gezeigt dass hier die Marktwirtschaft katastrophal versagt, deswegen ist das Klima unserer Erde heute in der Situation in der es ist. Den Bauern kann man hierfür keine Vorwürfe machen, auch sie sind durch die Marktwirtschaft gezwungen in Konkurrenz zu riesen Agrar Höfen zu gehen, diesen Kampf kann ein kleiner bäuerlicher Betrieb nur verlieren. Wir müssen weg von der bisherigen Art des Wirtschaftens es gibt keine Alternative.

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  2. Unsere Nitratwerte im Grundwasser sprechen doch für sich, wer soll sonst dafür verantwortlich sein, als das Überdüngen?
    Wir müssen letzendluch alle die Zeche zahlen und die Bauern bekommen wahrscheinlich dafür wieder Subventionen, tolle Marktwirtschaft

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  3. Natürlich kann jeder Verbraucher selbst bestimmen, was er kauft, und damit theoretisch auch, was angeboten wird. In der Wirklichkeit ist es aber so, dass die meisten Menschen nur begrenzt Geld zur Verfügung haben und somit der Preis bestimmt, was am besten verkauft wird. Diesen Sachverhalt können aber vermutlich diejenigen, die genug Geld haben, nicht nachvollziehen…
    Die Landwirte, die durch die jahrzehntelang falsche Subventionspolitik dazu angetrieben wurden, immer mehr und immer billiger zu produzieren, sind nun die Leidtragenden – und im Ergebnis landet ein Drittel aller Lebensmittel auf dem Müll…

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  4. @Rosa: Die Marktwirtschaft hat nicht versagt. Man hat sie ausgehebelt. Durch Zuschüsse wurde Angebot und Nachfrage einfach ignoriert. Schweinefleisch und Milch wurden so billig, dass der Verbraucher zum Kauf genötigt ist.

    Dass der Verbraucher hier alleine Schuld ist, das ist wohl nicht so ganz richtig. Natürlich verlangt er nach billigen Waren, wäre ja schön blöd wenn er sich das teure sucht.
    Beim Rindfleisch gibts auch keinen Preisverfall. Und wieso? Weil es nicht durch irrsinnige staatliche Leistungen zum Ramschprodukt gemacht wird. Da funktioniert die Marktwirtschaft nämlich.

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  5. Ja. Es stimmt. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, in einer sozialen Marktwirtschaft.
    Aber sowohl das Angebot wie auch die Nachfrage werden in Deutschland f r e m d gesteuert.

    Jeder Landwirt will durch die Erzeugung und den Verkauf von Produkten Gewinn machen. Kein Landwirt arbeitet und produziert, wenn der Verkauf ein Verlustgeschäft ist.

    Trotzdem gibt es die EU Flächenprämien – ganz unabhängig davon, was ein Bauer verkauft – die gibt es sozusagen oben drein. Mit diesen Geldern tätigen die Landwirte die größeren Anschaffungen wie Maschinenpark und Gebäude.
    Gäbe es diese Flächenprämien nicht, könnten die Landwirte nicht auf Dauer von der Landwirtschaft leben.

    Da durch diese Prämien die Landwirte ihre Erzeugnisse mit einer sehr niedrigen Gewinnspanne anbieten können (die größten langfristigen Kosten brauchen nicht mit eingerechnet werden) gibt es die Lebensmittel ersten bei uns relativ günstig und können am Weltmarkt bestehen.

    Diese EU Subventionen müssen aber die EU Nettozahler zuerst mal erwirtschaften und der EU zur Verfügung stellen. Sie werden vom Bürger als Steuer erhoben und EU-weit verteilt.

    Der Bürger zahlt schon bevor er ein Lebensmittel kauft mit Steuern die EU Flächenprämien und zahl somit – ganz egal was er kauft oder verbraucht – einen viel höheren Lebensmittelpreis als den Ladenpreis.

    Das ist keine soziale Marktwirtschaft – das ist gesteuerte EU Planwirtschaft.
    Kein Bürger wird gefragt ob er das will.

    M. E. wäre es viel vernünftiger die Landwirte ohne EU Prämien arbeiten zu lassen und diesen dafür den fairen Preis für ihre Erzeugnisse zu zahlen.
    Dann hätten die Lebensmittel ihren wahren Preis (was bei der EU Subventionspolitik nicht der Fall ist) und jeder Bürger kann sich entscheiden, ob er das kaufen will oder nicht.

    Aber in Deutschland ist das nicht gewollt – die zweithöchste Steuerlast für die Bürger – das macht die Bürger unfrei – zum Beispiel in dem sich Viele teure Lebensmittel nicht mehr leisten können.

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  6. Lieber Dünger,
    ich muss zu deiner Aussage, wo soll es sonst herkommen, etwas richtigstellen. Sicher trägt die Landwirtschaft zum Nitrat im Trinkwasser etwas bei. Um hier steuernd eingreifen zu können gibt es Wasserschutzgebiete. Aber zur Ehrenrettung der Bauern sollte man schon auch wissen, dass es eine weitere Eintragstelle für Nitrat und einiges anderes mehr gibt. Es tritt aus maroden Abwasserkanälen mehr ungereinigtes Abwasser in die unteren Bodenschichten aus, als Gülle oberflächlich ausgebracht wird. Und in bis zu fünf Meter tiefe und mehr gibt es keine Pflanzen mehr die Nährstoffe binden und verwerten können.
    Aber das ist halt nicht sichtbar und somit ist der einzelne von uns nicht angreifbar. Den Trinkwasserschutz alleinig der Landwirtschaft aufzubürden ist zu kurz gedacht. Im Abwasser landen nicht nur Fäkalien, die wären stofflich als Klärschlamm bestens verwertbar. Probleme bereiten Hormone, Mikroplastik und Medikamente die dann auf diesem Weg wieder im Grundwasser landen.

    Lorenz Huber
    Biobauer

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