Dem Stern folgend …

Wasserburger Museum: Präsentation der besonderen Beyer-Krippe im Schaufenster bis Dreikönig

Majestätisch reitet Kaspar auf seinem Elefanten. Dem jungen König aus dem Morgenland hat sich ein großes Gefolge angeschlossen. Gemeinsam ziehen sie durch die Wüste, Bethlehem entgegen. Denn dort soll der König der Juden geboren sein. Rechterhand des Königs läuft sein Fahnenträger, links führt eine Gefolgsfrau das große Dromedar, auf welchem das kostbare Geschenk für den kleinen Jesus thront – da das Wasserburger Museum aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation leider nicht öffnen darf, musste die Präsentation dieser Beyer-Krippe in das Schaufenster verlegt werden. Dort ist bis zum kommenden Mittwoch, 6. Januar, ein Teil der Königszüge zu sehen …

Die Beyer-Krippe stammt aus dem Anwesen der Familie Beyer im Weberzipfel in Wasserburg. Entsprechend des alten Familiennamens „Mayer“ und dem Standort des Hauses wurde sie auch „Moarweber-Kripperl“ genannt.

Zuletzt war sie im Besitz der Schwestern Therese (1920–2007) und Anna Beyer.

Letztere führte lange Zeit das elterliche Eisenwarengeschäft im Weberzipfel fort. Doch ursprünglich wurde die Krippe wohl schon vom Großvater Sebastian Mayer (1862–1926) oder sogar vom gleichnamigen Urgroßvater (1826–1893) der Beiden aufgebaut.

Die individuelle Anfertigung der Figuren verlangte ihnen sicherlich enormes handwerkliches Geschick und großen Ideenreichtum ab, denn Derartiges konnte man nicht im Handel erwerben.

Im Jahr 1932 bestellte die Familie einen 235 x 80 cm großen Hintergrund für die Krippe bei Benedikt Barbisch. Daraus lässt sich ablesen, wie viel Platz die Aufstellung der Szenen im Beyer-Anwesen beanspruchte.

Es verwundert kaum, dass die Krippe später viele Jahre lang mangels Zeit und freier Fläche nicht mehr aufgestellt wurde, bis sie schließlich 1996 im Rahmen einer sehr erfolgreichen Sonderausstellung im Wasserburger Heimathaus wieder zu sehen war.

Spätestens beim Stall zu Bethlehem wird Kaspar der Legende nach auf zwei weitere Könige treffen. Auch Melchior und der greise Balthasar sind mit ihrer Gefolgschaft nach Judäa gekommen, um das Kind anzubeten und ihm ihre Gaben – Weihrauch, Myrrhe und Gold – zu überreichen.

Alle Drei folgten sie einem Stern, der ihnen aufgegangen war. Die Könige aus dem Morgenland, in anderen Übersetzungen auch als Weise oder Zauberer bezeichnet, sind Teil der Heilsgeschichte und somit auch in vielen Krippen vertreten.

So auch in der sogenannten Beyer-Krippe, die vollständig aufgebaut neben der Heiligen Familie ebenfalls die Anbetung der Hirten, die drei Könige mit ihrem jeweiligen Gefolge sowie die Hochzeit zu Kana zeigt.

Um all diese Szenen möglichst umfangreich und prächtig zur Darstellung bringen zu können, umfasst die Krippe insgesamt 63 männliche Figuren, und 15 weibliche sowie sieben Engel. Hinzu kommen 32 Schafe, drei Ziegen, zwei Esel, acht Rinder, drei Hütehunde, drei Elefanten, drei Kamele, ein Dromedar und zahlreiches Zubehör.

Die Figuren sowie die übrige Ausstattung der Krippe können im Kern um das Jahr 1870 datiert werden, wurden allerdings später in Teilen überarbeitet oder ergänzt. Ihr Korpus besteht aus geschnitztem Holz und starkem Draht, welcher mit Baumwolle oder Watte umwickelt ist, während die filigranen Hände und Köpfe aus Wachs gefertigt sind. Der ehemalige Museumsleiter und Kreisheimatpfleger Ferdinand Steffan äußert die Vermutung, dass jene wächsernen Körperteile von der Waserburger Wachszieher- und Lebzelterfamilie Surauer hergestellt wurden.

Ein Inserat von Franz Alois Surauer, das im November 1880 im Wasserburger Anzeiger abgedruckt wurde, belegt den saisonalen Verkauf derartiger Köpfe. Nur sechs verschiedene Kopftypen sind in der Beyer-Krippe verbaut. Diese wurden jedoch durch ihre Bemalung sowie durch die Anbringung von Haaren und teilweise auch Bärten stark individualisiert.

Nicht original dürften die schlichten Holzfüße sowie weite Teile der Bekleidung sein. Letztere stammt vermutlich aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Um die Aufstellung der Figuren zu ermöglichen, wurden sie an beiden Füße mit einem Drahtstift versehen. So können sie in einen Untergrund, zum Beispiel aus Styropor, gesteckt werden. Die Körper der Krippentiere sind zweischalig aus einer Art Pappmaché aufgebaut und mit Filzstaub beflockt. Ihre Beine wurden aus Holz gearbeitet, welches man anschließend mit einem Kreidegrund überzog und bemalte.

Es ist anzunehmen, dass man die Krippe nach und nach aufstockte, so dass jedes Jahr neue Figuren hinzukamen und noch mehr gezeigt werden konnte. Besonders hervorzuheben sind an dieser Stelle die Figuren in alpenländischer und Alt-Wasserburger Tracht, welche so gar nicht ins biblische Judäa passen wollen. Sie können als Ausdruck des Wunsches verstanden werden, das Heilsgeschehen nicht nur in Form einer Krippe anschaulich zu machen, sondern es mithilfe dieser regionalen Bezüge auch zu sich nach Hause zu holen.

Das Museum lieh die Krippe auch 2003 zunächst für eine Sonderausstellung aus, bekam das Ensemble schließlich jedoch von den damaligen Eigentümerinnen zum dauerhaften Verbleib im Haus geschenkt. Ein solches Objektensemble stellt eine enorme Bereicherung für die Sammlung dar, denn die lange Tradition des Krippenbauens reicht in Wasserburg bis an den Anfang des 17. Jahrhunderts zurück.

Bei der genauen Sichtung des Bestandes gab es im Museum eine schöne Überraschung: Neben der großen Beyer-Krippe existierte wohl auch eine kleinere Version für die Kinder des Haushaltes, denn 13 Figuren von geringerer Größe scheinen aufgrund ihrer Kleidung Teil eines eigenen Ensembles gewesen zu sein. Diese sind nun in einer Kastenkrippe verbaut.

Seit die Beyer-Krippe wieder öffentlich präsentiert wird, machten sich Gabriele und Josef Beck, Margarete Kölbl, Elisabeth und Dieter Simon sowie Josef Schneider um ihren Erhalt und ihre Ergänzung verdient.

Zuletzt wurden die Figuren im Herbst diesen Jahres von der Textilrestauratorin Cornelia Knörle-Jahn für eine weihnachtliche Präsentation im Museum vorbereitet.

Sie reinigte und glättete die Gewänder mittels schonender Dampfbehandlung und festigte lose Körperteile. Um ein stimmiges Gesamtbild zu schaffen, ergänzte sie darüber hinaus fehlende Frisuren sowie Kopfbedeckungen. Auch die Tiere bedurften einer dringenden Restaurierung. Besonders das Fell aus Filzstaub hatte sich über die Jahre verändert.

Armin Göttler konnte das hochstehende Material niederlegen und Fehlstellen retuschieren, indem er die Tiere an den entsprechenden Bereichen neu beflockte. Zusätzlich führte er ihnen Standbretter zu, um ihre Aufstellung zu erleichtern und sie zu stabilisieren.

Fotos: Museum – Beyer-Krippe, verschiedene Materialien (Holz, Wachs, Metall, Textil, Pappmaché), im Kern um 1870 mit späteren Überarbeitungen, Inv-Nr.: 10475­–10504.

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