„Das tut uns im Herzen weh“

Derzeit keine herkömmliche Trauerarbeit bei den Wasserburger Bestattern möglich

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Als wenn der Abschied von einem geliebten Menschen nicht schon schwer genug wäre, kommen in Zeiten von Corona auf die Hinterbliebenen noch weitere Belastungen zu. Denn bei den Wasserburger Bestattungsunternehmen gilt zuallererst Abstand halten und Trauerfeiern nur auf den engsten Angehörigenkreis zu beschränken. Den sonst so wichtige persönliche Kontakt mit den Trauernden beschränkt Freddy Eisner (Foto) von der Trauerberatung Brand auf das Allernötigste. „Wir lassen niemanden mehr ins Büro, nicht einmal die Fahrer“, sagt Eisner, „nur noch ich und meine Kollegin Michaela Aringer betreten es abwechselnd. Hausbesuche finden nicht statt“.

Für die Aufnahme wurde ein separater Abschiedsraum mit leicht wischbaren Flächen eingerichtet. Die zwei Tische für das Gespräch wurden mit Abstand aufgestellt. Nur noch zwei Hinterbliebene dürfen daran teilnehmen. „Und ich rate, dass jüngere Angehörige erscheinen, die nicht zur Risikogruppe gehören“, so der Trauerberater.

 

Termine, Organisatorisches und sonstige Informationen werden, wenn irgend möglich, am Telefon abgefragt. Was Eisner persönlich im Herzen weh tut, ist die Beratung auf Abstand. „Wir können die Trauernden nicht mehr in den Arm nehmen“, sagt er, „das fällt besonders schwer, weil wir sehr viele Leute kennen.“ Sterbeurkunden werden nicht mehr persönlich vom Standesamt abgeholt, sondern per Post versendet.

 

Natürlich befinden sich unter den Verstorbenen auch Menschen, die dem Virus zum Opfer gefallen sind. Sie können deshalb nicht mehr angezogen werden, eine Verabschiedung ist nicht gestattet. „Ich habe aber auch den Eindruck, dass viele ältere Personen in dieser schweren Zeit vielleicht auch der Mut verlässt und sie deshalb von uns gehen“, stellt der Trauerberater fest.

 

Beerdigungen finden im Moment ausschließlich unter freiem Himmel und ohne Gottesdienst statt. Maximal 15 Trauergäste sind zugelassen und auch nur aus dem engsten Familienkreis. Das Ritual, dass die Hinterbliebenen mit einem Wedel Weihwasser ins Grab sprenkeln oder mit einem Schäufelchen Erde hinzugeben, muss ausfallen – zu groß sei die Gefahr einer Ansteckung.

 

Hinterbliebene, die sich für eine Urnenbeisetzung entscheiden, um so die Trauerfeier für die Zeit nach Corona zu verschieben, gibt Freddy Eisner den Tipp, nicht zu warten: „Denn Trauerarbeit beginnt erfahrungsgemäß nach der Beisetzung.“ Stattdessen empfiehlt er einen Anlass zu einem späteren Zeitpunkt zu wählen, wie etwa den Geburtstag des Verstorbenen, um sich dann in größerem Kreise zu verabschieden. „Denn wenn viele Menschen, womöglich mit Kapelle, dabei sind, hilft es, den Schmerz zu verarbeiten.“

 

Auch Ottilie Mayer von der Bestattungshilfe Riedl rät davon ab, die Urne nach einer Feuerbestattung aufzubewahren: „Man schließt mit der Trauer nicht ab.“ Ebenfalls dürfen auch im Hause Riedl höchstens zwei Personen zu den Gesprächen erscheinen, die strengen Hygienevorschriften unterliegen. „Plexiglasscheiben trennen uns von den Trauernden“, sagt Mayer. Und auch hier findet der überwiegende Teil der Beratung schriftlich, per Telefon, Fax oder E-Mail statt – Hausbesuche sind bis auf weiteres ausgesetzt.

Noch sei bei der Bestattungshilfe Riedl keine nennenswerte Zunahme der Todesfälle in Verbindung mit dem Virus zu verzeichnen. „Aber das kann sich leider schnell ändern“, so Ottilie Mayer. CF

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