Das Deponie-Gelände unter der Lupe

Nach zwei Tagen trockener Anhörung: Heute Ortsbegehung in Odelsham

image_pdfimage_print

Bürgerbegehren, Petition, Erörterungstermin – in der hitzigen Debatte um die von der Firma Zosseder beantragte DK1-Deponie in Odelsham scheint noch lange kein Ende in Sicht. Nachdem in den beiden Erörterungsterminen am vergangenen Dienstag und Mittwoch (wir berichteten) aus Zeitgründen nicht einmal die Hälfte der Tagesordnungspunkte besprochen werden konnte, machte sich heute eine Delegation zusammen mit dem Sprecher der SPD-Landtagsfraktion für Umwelt, Florian von Brunn (links), bei einer Ortsbegehung selbst ein Bild von der Lage.

Auch Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl, sein Stellvertreter Werner Gartner sowie die Vorstände der Bürgerinitiative „Wasserburger Land“ und zahlreiche Interessenten waren zum geplanten Deponiegelände bei Odelsham gekommen, um dem SPD-Abgeordneten ihre Anliegen vorzutragen.

Von Brunn sei deshalb ein wichtiger Ansprechpartner, weil er als Mitglied des Umweltausschusses, der kommenden Donnerstag die Petition gegen die DK1-Deponie behandeln wird, an der Entscheidungsfindung beteiligt sein wird, so Kölbl. „Es geht heute darum, dass ich mir ein Bild vor Ort mache, mit den Betroffenen spreche“, sagte von Brunn selbst.

Bei dem Gespräch standen die Fragen nach der gesundheitlichen Belastung, dem Bedarf einer Abfalldeponie der Klasse DK1 und der Veränderung des Landschaftsbildes im Vordergrund.

Bezüglich des Bedarfs sprach Norbert Buortesch (rechts), der für das Bürgerforum im Wasserburger Stadtrat sitzt, seine Bedenken aus: „In der Deponie München Nord-West steht eine riesige Fläche zur Verfügung, die wegen zu wenig Bedarf umgebaut worden ist.“ Auch in Neuötting sei eine DK1-Deponie in unmittelbarer Nähe, was wiederum den Bedarf in Odelsham in Frage stelle.

Eine DK1-Deponie ist per Definition eine Deponie für nicht gefährliche Abfälle. Im Falle der Nutzung durch die Firma Zosseder hieße das konkret, dass in Odelsham Industrieabfälle oder Bauschutt entsorgt würden, die nur sehr geringe Mengen an Schadstoffen freisetzen. Jedoch befänden sich auf der geplanten Deponie dann auch Asbestabfälle, die nachweislich krebserregend sind. „Ich denke da besonders auch an unsere Kinder und Kindeskinder, die das dann aushalten müssen“, sorgte sich Liane Liebhaber-Keser (unten, rechts) von der Bürgerinitiative Wasserburger Land.

Ein weiteres Argument der Deponie-Gegner ist der Eingriff in das geschützte Wasserburger Stadtbild. „Wenn man von der Schönen Aussicht auf die Stadt runterschaut, würde man direkt zwischen den beiden Kirchtürmen den 30 Meter hohen Deponieberg sehen. Wir dürfen auf die Dächer nicht mal Solarzellen bauen, weil das das Stadtbild verunstalten würde, aber ein Müllberg, das geht dann schon.“

Die Anwesenden äußerten auch naturschutzrechtliche Bedenken, da das Gelände direkt an die Innleiten angrenzt. „Wie sie sehen, ist das alles leicht abschüssig. Wenn da was abrutscht oder Sickerwässer runterlaufen, hat das verheerende Folgen“, so Liebhaber-Keser weiter.

Falls es zur Genehmigung der Deponie für die Firma Zosseder käme, sei es auch geplant, die Fläche wieder zu begrünen, wenn die Deponie voll ist. Dafür solle ein Verfahren genutzt werden, dass bisher in der Praxis kaum getestet wurde. Eine Folie werde über die Abfälle gelegt, mit Erde aufgeschüttet und dann mit Bäumen bepflanzt. Auch hierzu kamen große Bedenken seitens der Deponie-Gegner. „Die Bäume haben doch auf zwei Meter Erde gar keinen Halt. Waldbäume sind Tiefwurzler. Da bläst einmal gscheid der Wind und schon reißt’s die wieder raus.“

Das Gelände der geplanten Deponie von oben. Foto: Georg Barth

In der Deponie-Debatte sei auch schon des Öfteren das Wort „Enteignung“ gefallen, was den Gegnern große Bauchschmerzen bereite. Der Weg, der zur Deponie führt, müsse, falls die Deponie genehmigt wird, verbreitert werden, um ein Durchkommen für die Lastwagen zu ermöglichen. Dieser Weg gehört jedoch der Gemeinde Babensham, die schon mehrmals verdeutlichte, diesen auf keinen Fall zur Verfügung zu stellen. Daraufhin habe die Firma Zosseder angeblich mit „privater Enteignung“ gedroht, was jedoch ohne die Zustimmung der Regierung von Oberbayern nicht durchführbar sei, beschwichtigte von Brunn.

Letzterer hielt sich im Gespräch merklich zurück und gab den Interessenten keine vorzeitigen Versprechen. Bürgermeister Michael Kölbl bedankte sich abschließend beim SPD-Abgeordneten. „Sie sehen, das ist unseren Bürgern ein großes Anliegen. Danke, dass Sie gekommen sind. Das zeigt, dass auch von der Landtagsseite ein Interesse da ist. Jetzt schau ma mal, was nächste Woche bei der Behandlung der Petition rauskommt.“

Text und Fotos: MP

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

10 Gedanken zu „Das Deponie-Gelände unter der Lupe

  1. „In der Deponie München Nord-West steht eine riesige Fläche zur Verfügung, die wegen zu wenig Bedarf umgebaut worden ist.“ Auch in Neuötting sei eine DK1-Deponie in unmittelbarer Nähe, was wiederum den Bedarf in Odelsham in Frage stelle – Die Frage muss jetzt schon erlaubt sein, ob dieses Sankt Florians-Denken zielführend ist? Sondermüll und Bauschutt fallen im Wasserburger Raum ganz genauso an wie im übrigen Bayern. Und auch wir hier haben dadurch eine Verantwortung für den von uns verursachten Müll, den man auf Dauer eben nicht einfach immer nur in andere Landkreise wegtransportierten kann. Auch hier gibt es eine Verantwortung „für unsere Kinder“ und die in anderen Landkreisen.

    63

    54
    Antworten
    1. Verantwortung für unsere Kinder bedeutet sicher nicht, dass man eine Giftmülldeponie 400 Meter Luftlinie neben drei Kindergärten, Schulen einem Krankenhaus mit Kreißsaal (@ Müllmann: hier kommen Babys auf die Welt) und der historischen Altstadt von Wasserburg am Inn plant.

      49

      32
      Antworten
    2. Es ist doch lächerlich, als ginge es geht hier dem Herrn Zosseder um gesellschaftliche Verantwortung. Ganz klar stehen seine eigenen wirtschaftlichen Interessen in Vordergrund. Mit Problemabfällen lässt sich einfach mehr Geld verdienen.

      46

      11
      Antworten
    3. Lieber Müllmann,
      schauen Sie doch mal in Ihren Kühlschrank!
      Wieviele der sich dort befindenden Lebensmittel wurden in einem Umkreis von 100 km hergestellt?
      Kaum eines. Dasselbe gilt für sämtliche Gebrauchsgüter des täglichen Lebens, sämtliche Energie und auch die Baustoffe, die wir benutzen. Auch der Recyclingmüll, den wir produzieren hat oft weite Wege.
      Wir leben heute in einer globalisierten Welt.
      Warum soll außgerechnet der Sondermüll und Bauschutt, von dem wir als Einzelperson oft nur einmal im Leben etwas produzieren (nämlich, wenn wir ein Haus renovieren ) und von dem auch in der Gesellschaft im Vergleich eher wenig anfällt, genau vor der Haustüre entsorgt werden? Auf einem dermaßen ungünstigen Standort?
      Wer die Natur schützen will, der sollte bei sich zuhause im täglichen Leben anfangen und aufhören zusätzliche Flächen zu versiegeln, nur damit er seinen Bauschutt mit dem eigenen Traktor um die Ecke entsorgen kann.

      20

      13
      Antworten
      1. @Deponiegegner wenn ich sie jetzt richtig verstanden habe, sind sie der meinung das der Sondermüll der bei einer, wie haben sie so schon geschrieben einmal im Leben stattfinden renovierung, am besten nach Altötting oder München gebracht werden soll damit er ja nicht in unserem Landkreis ist und uns daran erinnert das wir diesen hier verursacht haben? unter dem motto aus den augen aus dem sinn und mit dem giftmüll können sich dann andere rumschlagen. hauptsache sie leben gesund.
        sehr sozial gedacht.
        was jetzt nicht heist das ich ein befürworter der deponie bin. aber die verantwortung für das übernehme was ich mache.

        6

        13
        Antworten
        1. Lieber Roland,
          nein, da haben Sie mich falsch verstanden.
          Lesen Sie meinen Artikel bitte nochmals, dann werden Sie sehen, dass ich .v.a. den Standort der Deponie für ungeeignet halte, ebenso wie die Argumentationskette vieler Deponiebefürworter.
          Ich investiere viel Zeit und Kraft in die Verhinderung dieser Deponie, gerade weil ich Verantwortung für unseren Lebensraum und den unserer Kinder (auch Ihrer, falls Sie welche haben) übernehme.
          Und arbeiten Sie für die Zukunft an Ihrer Kommasetzung und Rechtschreibung.
          So viel Zeit sollte sein, wenn man einen öffentlichen Beitrag schreibt.

          13

          6
          Antworten
    4. Ehrlich bleiben

      Wenn man Ihrer Logik folgt, müssten Sie z.B. in Gundremmingen, Phillipsburg oder beim AKV Isar2 Atommüllendlager errichten. Im Ernst: der Standort an der Innkante ist aus vielerlei Gründen nicht geeignet. Die Fa. Zosseder möchte in Attel / Stadtgebiet Wasserburg eine Bauschuttdeponie errichten (Fl.Nr. 169, 259, 260, 264 und 265 Gemarkung Attel, Stadt Wasserburg, Deponiefläche mit Randbereichen: ca. 53.000 m², Nutzvolumen: ca. 700.000 m³, Betriebsdauer: ca. 14 – 16 Jahre – alle Infos sind der offiziellen Firmenseite entnommen). Dann wäre ja alles in bester Ordnung und man könnte auf die Deponie ein paar Kilometer weiter vezichten.

      16

      8
      Antworten
  2. Fakten Fakten Fakten

    @Müllmann (Witzname oder Mitarbeiter?). Sie haben sich doch zuletzt mehr Sachlichkeit gewünscht. Würden sie bejahen, dass sie sich mit dem Thema Deponie Odelsham ausreichend auseinandergesetzt haben? Haben sie sich die vorgetragenen Fakten seitens der Bürgerinitiative am Dienstag & Mittwoch bei der Erörterung angehört? Viele davon schwarz auf weiß dokumentiert…

    34

    22
    Antworten
  3. Auf DKI-Deponien werden selbstverständlich auch gefährliche Abfälle abgelagert, wie es z,B, die für Odelsham beantragten krebserzeugenden, asbesthaltigen Abfälle sind. Die Definition, was in eine DKI-Deponie hinein darf und was nicht, ist komplex und man findet sie in der Deponieverordnung. Für eine Enteignung der Kommunen braucht es keine Zustimmung der Regierung von Oberbayern, das wäre nämlich die Zuständigkeit des Landratsamts Rosenheim. Die 3 Vorstände der Bürgerinitiative Wasserburger Land e.V. haben am Termin mit Herrn von Brunn nicht teilgenommen.
    Zudem ist seit vielen Jahren jede vierte DKI/DKII-Deponie in Bayern nicht in Betrieb, weil es schlicht keinen Bedarf dafür gibt. Eine Änderung dieser Situation ist laut zuständiger Fachbehörde auch nicht in Sicht. Die größte bayerische DKI-Deponie in München soll deshalb sogar komplett stillgelegt werden, bevor dort noch eine einzige Tonne Abfall deponiert wurde. Das Projekt Odelsham ist einfach nicht mehr sinnvoll bzw. zeitgemäß.

    51

    20
    Antworten
  4. Dk1 Das wäre was für Christian Stückl Laiendarsteller hätte er reichlich!

    9

    8
    Antworten