Das Arbeiten am Computer ist seine Welt

Thomas H. hat dank des Teilhabechancengesetzes eine geförderte Beschäftigung

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„Wenn ich am Computer sitze, dann ist das genau meins. Irgendwie bin ich da schon ein bisschen ein Nerd“, sagt Thomas H. mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht. Der 43-Jährige arbeitet seit Mitte 2017 im Buchcafé am Gleis 1 auf dem Rosenheimer Bahnhofsgelände, das vom Caritas Zentrum betrieben wird.  Dabei lief es im Leben des schwerbehinderten Mannes nicht immer gut:

Nach einem schweren Unfall ist er größtenteils auf die Nutzung eines Rollstuhls angewiesen. Trotzdem konnte er 2001 an der Fachhochschule Rosenheim sein Studium als Informatiker mit Erfolg abschließen. Nach dem Studium machte er sich selbständig. Doch war die Herausforderung dieser Tätigkeit für ihn, auch aufgrund seines zusätzlichen Krankheitsbildes des Aspergersyndroms, zu groß und er musste finanzielle Unterstützung des Jobcenters in Anspruch nehmen. Seine Ansprechpartnerin dort ist Sonja Bert, die für die Betreuung Langzeitarbeitsloser zuständig ist.

Für Thomas H. war immer klar, dass er seine Vorkenntnisse aus der IT bei der Arbeit nutzen wollte. Und da passte es gut, dass die Caritas 2017 einen Bücher- Online-Verkauf starten wollte. „Ich war sehr froh, dass der Kontakt zu ihm zustande kam. Thomas H. hat maßgeblich zum Gelingen des Projektes beigetragen und sein Aufgabengebiet geht inzwischen weit darüber hinaus“, schwärmt Andrea Rentzsch vom Sozialpsychiatrischen Dienst der Caritas, die das Buchcafé leitet. 

So beschreibt Thomas H. sein Aufgabengebiet: „Ich frage bei mehreren Internetportalen an, ob Sie die Bücher kaufen und was sie dafür bezahlen würden. Wenn der Preis höher ist als der, den wir hier im Buchcafé erzielen können, erhält der Bestbietende das Buch. Und Andrea Rentzsch fügt hinzu: „Zudem kümmert er sich um unsere Homepage, erstellt Flyer und hilft, wenn wir Probleme mit der Software haben“, so die Projektleiterin, und weiter: „Ich muss wirklich sagen, dass Thomas eine tolle Entwicklung gemacht hat: Er hat Mitte 2017 mit einer Arbeitszeit von 15 Stunden in der Woche angefangen und konnte sich dann im Laufe der Einarbeitung auf 30 Stunden steigern.“ 

Dass bei Thomas H. alles so gut läuft, liegt auch daran, dass er seit Januar 2019 an einem Förderprogramm für Langzeitarbeitslose teilnimmt. Unternehmen erhalten im Rahmen des Teilhabechancengesetzes für maximal fünf Jahre Zuschüsse. In den ersten beiden Jahren werden sogar 100 Prozent der Lohnkosten übernommen. Außerdem haben alle Teilnehmer*innen einen Coach als Ansprechpartner für alle Bereiche, egal ob es um Behördengänge, Wohnungsfragen oder das Thema Arbeit geht. 

Sein Coach ist Herbert Maurer und die beiden verstehen sich bestens: „Am Anfang war er sehr schüchtern, aber je länger wir uns kennen und je mehr wir ins Gespräch kommen, umso mehr Gemeinsamkeiten entdecken wir “, erklärt Maurer lächelnd. Die Unterstützung des Coaches umfasst sowohl das berufliche als auch das private Umfeld. „Ja stimmt, inzwischen gehe ich wirklich wieder viel lieber vor die Tür“, sagt Thomas H. Mittelfristig würde er sich wünschen einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft zu finden. „Gerne bei einem Unternehmen, wo ich bei der Arbeit rund um den Computer zuarbeiten kann.“ 

Frau Bert vom Jobcenter würde sich freuen, wenn sich Unternehmen melden würden, die dem studierten Informatiker ein Praktikum ermöglichen könnten. „Interessierte Betriebe können sich gerne unter der Rufnummer 08031 40894399 oder per Mail an jobcenter-rosenheim@jobcenter-ge.de bei mir melden.“

Bis dahin unterstützt Thomas H. weiter tatkräftig im Buchcafé am Gleis 1 die Caritas, die mit seiner Hilfe nun auch einen eigenen Internetverkauf aufbauen möchte.

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