„Dann hätte das Hotel schließen müssen“

Hausmeister aus Pfaffing bekommt Corona-Testergebnis erst nach acht Tagen per Post

image_pdfimage_print

Thomas Haberle (58) aus Pfaffing versteht die Welt nicht mehr: Weil er in München als Hausmeister in einem Hotel arbeitet und täglich zig Kontakte hat, ließ er sich nach seinem Urlaub bei der Einreise nach Deutschland sicherheitshalber auf Covid-19 testen. Trotz anderslautender Zusicherung lag das Ergebnis erst nach gut einer Woche im Briefkasten.

Natürlich, Österreich ist kein Risikogebiet, wo Haberle einen viertägigen Kurzurlaub verbrachte. Umsichtig ließ er sich am 24. August dennoch an der Autobahn-Raststelle Hochfelln Nord an der A8 testen. „Ich musste ja schließlich einen Tag später wieder zur Arbeit“, sagt der Pfaffinger. An der Station wählte er die Option, seine Daten (Personalien, E-Mailadresse, Dauer und Ort des Urlaubs) per Smartphone zu übermitteln.

Unter https://covidtestbayern.sampletracker.eu/ gab er die gewünschten Informationen ein und erhielt eine ID-Nummer zugewiesen. „Ohne diese Nummer kann man gar nicht zum Test“, so Haberle. Mit einem Wattestab wurde ein Abstrich aus dem Mund-Rachen-Raum genommen. „Mir wurde versichert, dass spätestens nach 48 Stunden das Ergebnis vorliegt“, berichtet der 58-Jährige.

Am 25. August begab er sich pflichtbewusst zur Arbeit, „ich fühlte mich ja gesund und war nicht in einem Risikogebiet.“ Die Tage vergingen, ohne dass der Hausmeister eine Antwort erhielt.

Als Haberle selbst telefonisch beim Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege nachhakte, landet er in einer Warteschleife. „17 Minuten sollte ich warten, meinte die Ansage – das war mir dann doch zu dumm“, so der Pfaffinger.

Stattdessen griff er erneut zum Hörer und rief bei Eurofins an, dem Dienstleister, der im Auftrag der Regierung, die Tests auswertet. „Dort wurden erneut meine Daten aufgenommen und mir versprochen, dass ich noch am gleichen Tag das Ergebnis per E-Mail bekomme“, berichtet Haberle.

Zeitgleich schickte er eine Mail an das Ministerium und – als eine Reaktion ausblieb – am 29. August eine weitere Mail an Eurofins (sämtlicher Schriftverkehr liegt der Redaktion vor). Und wieder: Keine Antwort.

Die kam per Post (!) schließlich am 1. September – acht Tage nach der Testung. Ergebnis: Negativ. „Ich mag mir gar nicht vorstellen, was gewesen wäre, hätte ich mich doch angesteckt und einfach keine Symptome gespürt“, sagt Haberle nachdenklich. „Ich treffe in der Arbeit jeden Tag auf zahllose Menschen, wäre ich positiv gewesen, hätte das ganze Hotel schließen müssen.“

Gegenüber der Wasserburger Stimme äußerte sich jetzt ein Ministeriumssprecher zu dem Vorfall: „Die Übermittlung per Post deutet auf ein elektronisches Übermittlungsproblem hin. Im konkreten Fall können wir eine abschließende Bewertung jedoch erst nach einer Überprüfung mittels der Personendaten und Test-ID und unter Einbindung des Dienstleisters abgeben.“ Weiter seien den Behörden sonst keine größeren Verzögerungen bei den Befundmitteilungen bekannt. Der ganz überwiegende Großteil der Ergebnisse könne innerhalb der vereinbarten 48 Stunden übermittelt werden.

„Die Annahme des Testangebotes durch Ihren Leser zeugt von Verantwortungsbewusstsein und ist im Sinne der Bayerischen Teststrategie die richtige Entscheidung“, so der Sprecher. Immerhin….

CF

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren

10 Kommentare zu “„Dann hätte das Hotel schließen müssen“

  1. Das gesamte Unterfangen Rückreisende auf eine Covid-19-Infektion zu testen ist eine gewaltige Aufgabe – vor ALLEM wenn man auf IT setzt.

    IT bedeutet: passende Software, Hardware, Wartung, Administratoren, Netzwerker, Kosten ohne Ende für Lizenzen, etc, etc, etc….
    Im Kopf eines normalen Anwenders ist das alles ganz easy. Was aber dahinter steckt ist enorm! Und in komplexen IT-Umgebungen läuft es selten so rund wie am heimischen Windows-PC oder Android-Smartphone.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass all das, was Politiker per Fingerschnipp auf den Weg bringen, Systemadministratoren an den Rand des Wahnsinns bringen.

    Somit wäre es wirklich schön, wenn Urlaubsrückkehrer etwas dankbarer wären, dass sie auf Kosten der Allgemeinheit geprüft werden.
    Und wer sich solche Sorgen um das Hotel macht – der verbringt halt mal ein Jahr lang auf Balkonien. Denn wenn der Bescheid positiv gewesen wäre, dann wären nochmals 14 Tage Quarantäne auf Kosten des Arbeitgebers entstanden.

    Antworten
  2. Und Nachtrag:
    Selbst wenn er den Bescheid 48 Stunden später bereits erhalten hätte, so war er zu dem Zeitpunkt bereits im Hotel gewesen, denn schließlich ging er direkt am Tag nach der Testung bereits wieder zur Arbeit.

    Also was soll diese Empörung? Um was geht es eigentlich?

    Antworten
  3. (…) Wir haben auch 7 Tage auf unser Testergebnis gewartet, waren auch in KEINEM Risikogebiet, hatten KEINE Symptome oder Kontakte. Von dem her hieß es auch erstmal wieder in die Arbeit. Ist leider nicht ungewöhnlich.

    Antworten
  4. Naja wenn man keine Kontakte hatte, kann man sich doch auch gar nirgends angesteckt haben, wieso verbraucht man dann Testkapazitäten?

    Antworten
  5. Deshoib Dahoam bleim!

    Antworten
  6. WARUM lässt man sich an der Grenze testen, obwohl man nicht in einem Risikogebiet war? Überall hieß es, man solle diese Kapazitäten an Heimkehrer aus Risikogebieten überlassen.
    Aber wenns schon nichts kostet, wieso sollte ich mich denn extra beim Hausarzt testen lassen, der mich dann vielleicht fragt, warum ich den Test möchte. Ironie aus.
    und wenn ich mich schon testen lasse, dann ist es für mich Selbstverständlichkeit, dass ich mich vor Bekanntgabe des Ergebnisses NICHT unter Leute begebe,auch wenn es länger dauert.

    Antworten
  7. @Jonny B Good und @Sunny Warum lässt man sich testen? Ganz einfach, weil’s vernünftig ist. Wir gingen schon davon aus das uns nichts fehlen dürfte aus den oben genannten Gründen aber einfach der Meinung sein selber hat man es nicht und man hat sich nirgendwo angesteckt ist äußerst unvernünftig und egoistisch. Deswegen haben wir uns testen lassen um auf Nummer sicher zu gehen. Meiner Meinung nach müsste eh jeder regelmäßig getestet werden. So könnte man Infektionen effektiv unterbinden.

    Und glaubt mir in Wasserburg waren mehr Menschenmassen unterwegs als in Jesolo von dem her kann ich dieses Gebetsmühlenartige auf die Urlauber eindreschen nicht mehr hören. In der Therme Erding ist es gefährlicher als am Adriastrand das man sich ansteckt. Da nutzt das Zuhause bleiben und da Urlaub machen nichts.

    Antworten
    1. Naja, die Wahscheinlickeit sich anzustecken ist hier genauso klein/groß wie im Ausland. Theoretisch müsste man sich also täglich testen lassen wenn man unter Leute geht.

      Antworten
  8. @Altstadtbewohner – Sie haben mich nicht ganz richtig verstanden. Mir gings darum,sich an der Grenze testen zu lassen, obwohl man nicht im Risikogebiet war. Die Teststationen waren ja mehr als überlastet und dass das dauert, bis das abgearbeitet ist, sollte sich jeder denken können.
    Allerdings sollte man die Tests sowieso nicht überbewerten – ich war leider gleich zu Beginn der Pandemie selbst schon positiv und lag 3 Wochen im Krankenhaus deswegen. Und da habe ich allerhand miterlebt bezüglich falsch negativer Testergebnisse. Ich hoffe, dass es da bald zuverlässigere Tests gibt.
    Ich denke auch, dass man sich nicht im Risikogebiet aufhalten muss, um angesteckt zu werden. Wir sind im Urlaub auch daheim geblieben, haben nicht mal Tagesausflüge in Berge oder an Seen gemacht, weil ich mich nicht in diese Menschenmassen begeben wollte. Obwohl ich momentan Antikörper habe.
    Und deshalb kann ich es nicht verstehen, wenn man sich schon testen lässt, warum man dann vor dem Ergebnis unter die Leute geht. Glauben Sie mir, ich war noch nie so krank und möchte diese Krankheit nicht nochmal durchmachen!

    Antworten
  9. Ihre Aussage, dass Sie die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung hier für noch größer halten als in ihrem Urlaubsgebiet, macht das Inanspruchnehmen von Testkapazitäten ja noch absurder.

    Und wie stellen Sie es sich logistisch vor, 80 Millionen Menschen regelmäßig zu testen?

    Abgesehen, dass dies logistisch niemals auch nur ansatzweise durchführbar ist, ist dies lediglich eine Momentaufnahme, wenn Sie sich 30 Minuten nach dem Test infizieren, bringt das gar nix.

    Das ist alles nur eine gefühlte Sicherheit, man muss jetzt einfach lernen, mit dem Virus zu leben, der wird uns bleiben und viele andere werden noch dazu kommen, wenn wir so weitermachen – in Bezug auf Umwelt, Wachstum etc.

    Antworten