Damit nirgends der Schuh drückt

Unser Werkstatt-Besuch: Bei Simon Doser, 26 Jahre alt und Schuhmacher-Meister sowie Kulturpreisträger

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Er gehört zwar nicht zu den aussterbenden, aber bestimmt zu den raren Berufen in Bayern: Der Schuhmacher. Einer der Nachwuchs-Meister ist Simon Doser, 26 Jahre alt. Der junge Mann ist aber nicht nur ein Meister seines Fachs, er ist auch Vorplattler, Volksmusikant, Goaßlschnalzer und Kulturpreisträger. Bei einem Besuch in seiner Werkstatt in Schwindkirchen zwischen Sankt Wolfgang und Dorfen gibt er uns einen Einblick in sein berufliches und trachtlerisches Wirken.

Simon Dosers Schulwerdegang begann in der Hauptschule von Burghausen, es folgte die Berufsfachschule für Musik in Altötting mit Hauptschwerpunkt Volksmusik und dann die Schuhmacher-Berufsschule in München, die er als zweitbester Schuhmachergeselle auf Bundesebene erfolgreich verließ.

Die Meisterschule für Schuhmacher in Frankfurt am Main schloss er dann mit sehr gutem Erfolg im vergangenen Jahr 2019 ab.

Nach der Schulbank-Zeit hatte Simon Doser Ausbildungs-Erfahrungen bei der Firma Meindl in Kirchanschöring gesammelt. Simon: „Mich interessieren die alten Techniken im Schuhmacherhandwerk wie das Zwienähen besonders“. Diese bei der Firma Meindl gemachte Praxis war auch wertvolle Grundlage für die Übernahme des Geschäftes von Johann Sclearescu aus Neumarkt St. Veit im Jahr 2017.

„Seitdem fertigen wir handgemachte Trachtenschuhe in der eigenen Werkstatt in Schwindkirchen, gemacht werden dabei unter anderem Haferlschuhe in geklebter, rahmengenähter oder zwiegenähter Variante, dabei gibt es verschiedene Varianten mit oder ohne Haken, eine individuelle Lederauswahl, Leder- oder Gummisohlen und wenn gewünscht sogar mit persönlichen Initialen“, so der Schuhmacher-Meister, der noch erklärt, dass die gängigen Standardgrößen von Größe 24 bis 50 gehen. Dass Maß-Schuhe für Mannerleute und Frauen auf Bestellung möglich sind und dass sich Trachtenvereine gerne gemeinsam um gleiche Plattler- oder Schließenschuhe bemühen.

In der Werkstatt in Schwindkirchen werden Reparaturen aller Art vorgenommen, im Verkaufsraum kann man auch einen Einblick in die Schuhmacher-Werkstatt haben – dazu sagt Simon Doser: „Mir ist wichtig, dass die Kunden das alte Handwerk kennenlernen können und wissen, wo ihr Schuh herkommt. Gerne fahren wir auch auf Trachtenmärkte, um uns persönlich, die Schuhe-Vielfalt und das Handwerk vorzustellen, aber das geht zur Zeit nicht“.

Denn im heurigen Corona-Jahr sind alle Trachtenmärkte – mit spürbaren Folgen für die Aussteller – abgesagt, der direkte Kundenkontakt ist nicht möglich. „Dazu kommt, dass derzeit keine Plattlerproben und Veranstaltungen sind, das gemeinsame Platteln, Tanzen, Schnalzen und Musizieren fehlen im Alltag“ Dies soll – so der junge Schuhmacher-Meister – hoffentlich bald wieder anders werden.

Schließlich gilt es nicht nur altes Handwerk, sondern auch eine 180-jährige Tradition der Schuhmacher in seiner Familie zu erhalten und weiterzuführen. Qualitativ hochwertige Schuhe, an denen der Kunde lange eine Freude hat, sorgen dafür, dem beruflichen Anspruch gerecht zu werden – auf dass den Schuh-Erwerbern möglichst nie und nirgends der Schuh drücken werde.

                                                                                                                                         Kulturpreisträger Simon Doser – der Trachtler, Musikant und Goaßlschnalzer

Vielfältig und vielfreudig bringt sich Simon Doser in der Brauchtumspflege ein, so ist er nicht nur Mitglied, sondern auch 1. Vorplattler beim Trachtenverein Almenrausch Lindach-Burghausen, beim Trachtenverein Salzachtaler Stamm Burghausen ist er ebenfalls Mitglied und beim Trachtenverein Wasentegernbach wirkt er als Goaßlschnalzer und Vereinsmusikant aktiv mit.

In der Funktion als Vorplattler der Gebietsgruppe Inn-Salzach vom Gauverband I war er in diesem Januar kurz vor Corona-Ausbruch auf der Grünen Woche in Berlin und trat dort in der Bayernhalle auf. Als Musiker gestaltet und umrahmt er verschiedene Brauchtums- und Kulturveranstaltungen, als Kulturpreisträger der Stadt Burghausen und als Mitglied verschiedener Musikgruppierungen prägt er in seiner Heimatregion das kulturelle und musikalische Geschehen.

Bei all den vielen Aktivitäten von Familie, Beruf, Ehrenämtern und aktiver Kultur gilt für Simon Doser das Motto: „Eins nach dem Andern, alles nach bestem Gewissen und stets dem Grundsatz treu bleibend: Schuster bleib bei Deinen Leisten“.

Fotos: Hötzelsperger

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Ein Kommentar zu “Damit nirgends der Schuh drückt

  1. Ja, war scho drin in dera Werkstott beim Simon. Gfreit mi, daß Schwindkiacha wieda a Schuastawerkstott hod. Zua Berichtigung:
    Schwindkiacha is zwischn Darfa und Schwindegg, ned zwischn Darfa und Woifgang.

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