„Da vergät dir des Feiern!“

Heftige Auflagen bei Veranstaltungen in der Diskussion - Landrat: „Es geht um Sicherheit der Besucher"

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Es ist ein Thema, das derzeit viele Vereine in der Region beschäftigt – und zwar viele Vorstände auch im Altlandkreis Wasserburg absolut in Rage bringt: Immer mehr und heftigere Auflagen, die es nicht leicht machen, überhaupt noch Feste zu veranstalten. So der Vorwurf. An erster Stelle: Neue Brandschutz-Verordnungen. Was brauche ich also, damit mein Fest zugelassen wird? Antworten darauf gab es jetzt endlich mal von Experten der Abteilung Baurecht des Rosenheimer Landratsamtes. Der Saal war voll besetzt …

Um das Fazit gleich mal vorweg zu nehmen: Beim Brandschutz bei Veranstaltungen gehe es nicht um Verbote, sondern einzig und allein um die Sicherheit der Besucher, so die Fachleute der Behörde.

Speziell ging es an dem Landkreis-Abend im Aiblinger Kursaal um die Genehmigung von Veranstaltungen und Festen mit über 200 Besuchern.

Ganze Vereinsabordnungen auch aus dem Altlandkreis reisten zu dem Abend an. Wie hatte es Martin Bacher, der 1. Vorsitzende des Edlinger Kirtavereins, vor wenigen Tagen im Rahmen der Jahreshauptversammlung deutlich formuliert: „Da vergät dir des Feiern!“ Wir berichteten …

Landrat Wolfgang Berthaler begrüßte die Zuhörer und appellierte daran, die Emotionen auch an diesem Treffen raus zu lassen.

„Es geht nicht darum, Feste zu verbieten, sondern um rechtliche Rahmenbedingungen und Gesetze. Das ist ein wichtiges Thema“, so Berthaler.

Diese Ankündigung versuchten Abteilungsleiterin Inga Thiemicke und Kreisbaumeister Thomas Spindler mit Fakten zu unterlegen. Von den im vergangenen Jahr beantragten 120 Festen im Landkreis Rosenheim sei ’nur‘ eines nicht zugelassen worden, zwei Veranstalter hatten lieber gleich ganz verzichtet!

„Es geht nicht um Verbote, sondern um berechtigte Sicherheitsanforderungen“, betonte dazu noch einmal Inga Thiemicke.

Wichtig für die Zulassung einer Veranstaltung sei, vollständige, prüffähige Unterlagen einzureichen. Dazu gehören unter anderem detaillierte Pläne mit Maßangaben von Flächen, Räumen und der Bühne, eingezeichnete Rettungswege und Feuerwehrzufahrten sowie verwendeten Materialien.

Ein enormer Aufwand …

Auch dass die Unterlagen mit ausreichend zeitlichem Vorlauf eingereicht werden, sei wichtig. Grundsätzlich gelte: Bei Veranstaltungen über 200 Personen vier Wochen vorher, bei Zeltanbauten an Gebäuden mindestens drei Monate vorher!

Nur aufgrund der vollständigen und rechtzeitig eingereichten Unterlagen könne die Behörde entscheiden, ob eine Veranstaltung – wie beantragt – dann überhaupt zulässig sei oder nicht, oder ob gegebenenfalls weitere Anordnungen erforderlich seien. „Die Qualität der Unterlagen hat eine hohe Bedeutung“, so Thiemicke.

Entsprechende Merkblätter und Unterlagen gibt es im Rosenheimer Landratsamt sowie auf der Homepage zum Download.

Das Problem: Es gebe keine pauschalen Aussagen zur Zulässigkeit oder Vorgaben. Jede beantragte Veranstaltung werde im Einzelfall und nach Standort betrachtet und dann beurteilt. „Die Besucher können und müssen sich darauf verlassen, dass die Veranstaltung, die sie besuchen, sicher ist“, so Spindler.

Die Besucher müssen zum Beispiel die Möglichkeit haben, unversehrt aus dem Zelt, Gebäude oder einem Gelände zu kommen. Im Fall eines Brandes können eine feuerfeste Zeltplane, ein festes Dach oder eine Brandwand Leben retten, sagen die Fachleute.

Geknöpfte Planen seien bei Veranstaltungen über 200 Personen nicht zulässig, stattdessen müsse eine Tür vorhanden sein. „Man muss immer von einem Panikfall ausgehen“, sagt Spindler. Bei selbst gebauten Konstruktionen oder Zeltanbauten müsse zudem ein besonderes Augenmerk auf die Statik gelegt werden.

Die Unterlagen zusammen zu tragen sei zunächst erst einmal ein großer Aufwand, sagt Spindler. Um einen Trost anzufügen: „Wenn die gleiche Veranstaltung im darauffolgenden Jahr wieder beantragt wird, wird es dafür deutlich leichter, weil alle Unterlagen schon da und geprüft sind“, so der Kreisbaumeister.

Rund zweieinhalb Stunden informierten Spindler und Thiemicke die Interessierten und beantworteten Fragen. Am Ende seien viele Vorurteile und Unklarheiten abgebaut worden, so freuten sich jedenfalls die Vertreter der Behörde zusammenfassend.

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11 Gedanken zu „„Da vergät dir des Feiern!“

  1. Ehrenamtlicher Veranstalter

    … sich mit dem zweifellos wichtigen Argument des Schutzes von Menschenleben hinter immer mehr ausufernden Paragrafen zu verstecken, ist selbstverständlich bequem, löst aber das Problem für die Veranstalter in keiner Weise!

    In anderen Landkreisen (z.B. Mühldorf am Inn) nutzen die Entscheider in den Landratsämtern die vorhandenen rechtlichen Spielräume bei Brandschutzauflagen und Genehmigungen sehr wohl aus.
    Die negativen Auswirkungen für das soziale Zusammenleben – gerade in kleinen Kommunen auf dem Land – werden leider erst in den nächsten Jahren sichtbar werden.
    Wenn nach und nach traditionelle Feste sterben, Wirte schließen, Schützenstände gesperrt bleiben, usw. bricht beispielsweise Jugendarbeit in Vereinen weg und, und, und.

    Aber diese andere Seite der Medaille interessiert Bürokraten eben leider nicht. Zumindest der Bevölkerung sollte sie jetzt aber verstärkt bekannt gemacht werden.

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    1. Bin ich froh um den jetzigen Aufwand und vor allem um den Brandschutz. Die letzten Jahrzehnte haben wir alle gerade so überlebt – bei den Veranstaltungen ohne dem ganzen Zeug.

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  2. Mitarbeiter Verwaltung

    Ich arbeite in einer Kommunalverwaltung und darf mich seit einigen Wochen mit dem Thema herumschlagen.

    120 Anträge für den ganzen Landkreis? Ich bin mir sicher, dass es in diesem Jahr ein Vielfaches sein wird!

    Welcher Veranstalter hat das in den letzten Jahren schon beim Landratsamt angezeigt? Gerade auf dem Land kaum einer.

    Bei einigen Vereinen wird das auch eine finanzielle Sache sein. So ein Gutachten für die Statik kostet ein paar Euro…

    Ich frage mich, warum der Landkreis Rosenheim das Thema so streng auslegt und so kurzfristig diese strengen Auflagen einführt. Wer hat da was davon?

    Andererseits muss man auch sehen, wer seit Jahrzehnten in Bayern und auf Bundesebene politisch an der Macht ist und die dazu gehörenden Gesetze definiert. Nicht der Verwaltungsmitarbeiter ist „schuld“ daran. Er muss sich bei seiner Arbeit an Recht und Gesetz halten – mit einem gewissen Ermessensspielraum, der im Landratsamt Rosenheim gefühlt nicht vorhanden ist.

    Es wäre an der Zeit, Druck auf unsere Politiker aufzubauen. Sie sind die Vertreter des Volkes!

    Sie sollten für uns und das kulturelle Leben in Bayern da sein und uns allen das Leben nicht so schwer machen …
    Ein Tipp am Rande … im Oktober sind Landtagswahlen …

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    1. Verwaltungsmit“arbeiter“ – wenn ich das Gelaber schon wieder sehe.
      Oh, im Oktober sind Landtagswahlen, ja und?

      Wären Sie da gewesen, wüssten Sie, dass der Spaß nicht alleine aus bayerischer Feder kommt, sondern mit den anderen Bundesländern zusammen abgestimmt wurde.

      Jetzt überlegen wir mal kurz, wer da so regiert … ach ja, alle Parteien, die was zu melden hätten.

      Da die anwesenden Vereinsvorstände über die Verwaltungen eingeladen wurden, kann man jetzt auch nicht behaupten, man wüsste von nichts, allerdings waren auch durchaus engagierte „Kollegen“ anwesend.

      Die hatten wohl die Intention, das man nicht jeden Bürger zum Landratsamt umleitet, sondern ihn erst einmal vor Ort mit Informationen versorgt.

      Aber was will man erwarten, wenn man 36-38 Stunden in der Woche hart „arbeitet“, da haben es die Ehrenamtlichen doch deutlich leichter – in ihrem gemütlichen 40-Stunden-Job mit Überstunden und zusätzlichem, *ehrenamtlichem* Einsatz jede Woche nach Feierabend – sich da Zeit zu nehmen.

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  3. Die Mitarbeiter im Landratsamt brauchen eben auch eine Beschäftigung.
    Dazu noch ein Landrat, der den ganzen Mist unterstützt!
    Sicherheit ist wichtig, aber da wird jeder kleine Verein vorsätzlich kaputt gemacht!

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  4. suchmichaufdembild

    Ich war selbst auf der Veranstaltung und musste mich eigentlich über drei Dinge ärgern.

    Landratsamt/ Bauamt:
    Ja, ich glaube sogar. dass mit dieser Frau Abteilungsleiterin wieder mehr Bürgernähe in dieses Bauamt kommt, was ihr Herr Dr. … Vorgänger kaputt gemacht hat.
    Aber sowohl Sie, aber v.a. der Kreisbaumeister zeigen Unverständnis, wenn Vereine verunsichert – ja sogar emotional vorbelastet – sind, dann kann ich nur sagen, wer hatt denn damit angefangen, wenn nicht das Landratsamt – diese Unsicherheit zu schüren.

    Warum ist es wohl zu diesem Termin für Vereine gekommen?

    Man hat in diesen Ämter Verantwortung, ganz klar, aber meiner Ansicht nach nicht nur für das Gesetz, sondern für alle beteiligten Parteien (Vereine) etc. – und sich dann hinzustellen, ja kommt nur vorbei, wir tun Euch nichts, das halte ich nun mal einfach gesagt für Verblödelei.

    Die Auflagen werden nicht weniger werden, auch wenn man das zuständige Amt einbezieht.

    Verein:
    Also es sind schon Eigentore, wenn konkrete Beispiele genannt werden, wo das Landratsamt Bedenken hat, wo u.a. der Fluchtweg des Zeltes im Spielplatz endet.
    Ebenso wär meiner Ansicht auch genügend Zeit gewesen, hier sich mehr vereinsübergreifend Argumente im Vorfeld zu suchen, die mehr Schlagkraft haben, als die sich oftmals wiederholenden Beiträge.
    Die zwei Redner hatten genügend Zeit, evtl. Fragen durchzuspielen und sind von der Ausbildung rhethorisch geschult, denen ist da nichts angebrannt.

    Bzgl. Gesetze und Regelungen
    hier müssen die Vereine – v.a. die Vorstände – einfach ins Jahr 2018 kommen, was Recht und Gesetz betrifft.
    Nicht falsch verstehen, die Politik sollte das Ehrenamt hochhalten und die bürokratischen Hürden niedrig, aber alles geht auch net und da wurden schon Beispiele gezeigt.

    Politiker:
    Der Landrat zog Beispiele an den Haaren herbei – mit Schneizlreuth und Eishalle Reichenhall – zum Vergleich, was bei Gartenfesten passieren kann.
    Wo ist da der Bezug? Hirnrissig das Plädoyer.
    Bezeichnend war, dass er ohne eigene Verabschiedung einfach den Saal verließ, während der Veranstaltung.

    Des weiteren waren mind. 2 Bezirksräte und die beiden Landtagsabgeordneten anwesend.
    Keiner v.a. die Landtagsabgeordneten hatten den Arsch in der Hose, öffentlich Stellung zu nehmen und den Vereinen unterstützend an der Seite zu stehen.
    Erbärmlich und nutzlos!!!

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    1. Dachte, das war ne Informationsveranstaltung des Landratsamtes und keine politische Bühne?

      Wenn die anwesend sind, ohne das Maul aufzureißen, finde ich das deutlich anerkennenswerter, als das 0815-Wahlkampf-Blabla, geht ja schließlich um die Sache und nicht um einzelne Personen.

      Ist ohnehin fast sonderbar, dass sich jemand vom Amt einem derart großen Publikum stellt, das zweifelsohne einen gewissen Groll hegt und die Öffentlichkeit nicht mit Pressemeldungen abspeist.

      Schön wäre es für mich als Otto-normal-Bürger, wenn man den Vortrag irgendwo nachvollziehen könnte.

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  5. gesunder Menschenverstand

    Ein so vielschichtiges Thema, zu dem es viele verschiedene Ansichten gibt, die sicherlich zumeist eine Berechtigung haben.

    Klar ist, der Mensch wünscht sich Sicherheit, und heutzutage neigen Viele nach einem Unfall dazu, zu fragen, „wer ist schuld?“, „wen kann ich verklagen“ und „wer zahlt mir Schadensersatz/Schmerzensgeld?“.

    Konsequenz dieser Denkweise sind höhere Versicherungsprämien, und immer höhere Auflagen. Leider!

    Weiterführende Konsequenzen sind dann eben die Auswirkungen wie oben beschrieben: Immer weniger Vereine wollen Feste organisieren, langfristig stirbt die schöne Feierkultur, die wir (noch) genießen und erleben dürfen aus.
    Immer mehr Ehrenamtlichen wird es zu blöd. Ein großer Teil des sozialen Miteinanders geht verloren.

    Jammerschade!!

    Aber vielleicht müsste der ein oder andere auch mal über sein eigenes Verhalten nachdenken!

    Dieses hier beschriebene Thema lässt sich beliebig weitersticken, siehe auch das Beispiel der Hebammenknappheit usw…

    Reicht es denn nicht, eine „mit gesundem Menschenverstand vertretbare Sicherheit“ zu verlangen … und „Unfälle“ als solches auch mal hinzunehmen?…. ohne nach dem Schuldigen zu suchen??
    Dann hätte man bestimmt Diskussionen wie die Aktuelle nicht …

    Man könnte Romane dazu schreiben …..

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  6. Mal ganz im Ernst, dass es durchaus Auflagen gibt, die Sinn machen, das ist sehr wohl unstrittig, aber, was ich mich frage, wie haben wir früher die ganzen Festl alle überlebt, wos diese Auflagen noch nicht gab?

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    1. Darum gehts ja heute auch nicht mehr – ob etwas passiert – nur noch darum, wen man verklagen könnte, selbst wenn nichts passiert.

      Das ist wie mim Auto, früher hat man sich ausgetauscht und den Schaden bezahlt, heute schließt so gut wie jeder Fahranfänger eine Rechtsschutzversicherung ab, da er sonst vor einer Privatinsolvenz stehen könnte.

      Derweil sind ja gar nicht die Geschädigten die bösen Dauerkläger, sondern die Versicherungen, die einen im Zweifel über die Anwaltskosten in den privaten Ruin treiben, nur um nichts zahlen zu müssen.

      Und dann gibts noch die andere Fraktion, die einen wegen alles und jedem abmahnt, auch wenn es auf die Situation bezogen keinen Sinn macht – nur weil ein Paragraph nicht jede Eventualität erschlagen hat.

      Wir leben in einer Zeit, in der nicht der gesunde Menschenverstand, sondern nur gesetzliche Spitzfindigkeiten über die Zukunft eines Menschen entscheiden – egal, ob ein Schaden entstanden ist oder nicht.

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  7. Schützenverein

    Feste feiern aber am besten Zuhause….

    Ich bin selber Vorstand im Schützenverein, was meinen unsere Herren Politiker denn, sollen wir bald halbtags in die Arbeit gehen, um die ganze Bürokratie abzuarbeiten….

    Mal ganz einfach gedacht: Wieso darf das nicht die Kommunalpolitik – sprich Bürgermeister und Gemeideräte entscheiden??
    Die kennen alle Vereine und Vorstände, gehen meistens auch noch auf das Fest.

    Brandschutz, Fluchtweg … ja genau, da fragen wir unsere Feuerwehrkommandanten …. die wissen das!!!

    Aber sogar die Feuerwehr muss sich mit den neuen Bestimmungen rumärgern.

    Wäre eigentlich einfach – das Feste feiern – oder besser gesagt: Es war einmal …
    Man kann solche Bestimmungen auch anders lösen, einfach mit kurzen Wegen – ohne Bürokratie und vor allem kostenlos.

    Leute, so geht es nicht weiter, da macht keiner mehr ein Ehrenamt ….

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