„Da Kini-Schiaßer” begeistert Publikum

Die Premiere des Volks-Krimis „Da Kini-Schiaßer” im Theatersaal der LandWirtschaft Staudham begeisterte Publikum und Kritik gleichermaßen. Ein Kaleidoskop aus Fakten, Spekulationen und Gerüchten über König Ludwig II., der erst mit seinem mysteriösem Tod 1886 im Starnberger See zum Märchen-Kini erhoben wurde: Mal spannend, mal poetisch, mal derb-krachert, mal phantastisch.

Was ist Wirklichkeit, was nur Schein, ein ewiges Thema des Theaters.

Autor Jörg Herwegh: „Diese Zeitreise zeigt auch die Brüchigkeit unseres Geschichtsverständnisses, wenn man quasi von hinten die Zeit aufrollt, vom Heute ausgehend.

Das geht über Namensverwirrungen (Starnberger See heißt der Würmsee erst seit 1965), Fehler bei Maßeinheiten des Alltags (die Wassertemperatur etwa wurde 1886 in Bayern noch mit Grad Réaumur und nicht Celsius gemessen, erst 1893 wurde im Deutschen Kaiserreich die Uhrzeit vereinheitlicht, vorher gab es unterschiedliche Ortszeiten) bis hin zum heutigen Unverständnis, wie komplex eine durch eine Verfassung geregelte Monarchie wie die im Königreich Bayern funktionierte. Letztendlich scheiterte Ludwig II. genau an Letzterem.

Tragisch aus heutiger Sicht ist, dass durchaus liberale Errungenschaften des Bayerischen Königreichs durch die Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 (mit mehr oder weniger freiwilliger Hilfe von Ludwig II. wurde Bayern darin zum Bündnisstaat) sich in nationalistischem, antisemitischem und intolerantem (beispielsweise gegenüber Homosexuellen) Reichswahn auflösten. Der verheerende Erste Weltkrieg war fast logische Folge.

 

Es spielen Flo Wimmer / Steps Lossin, Simon Mühlbacher, Marion Michel, Beate Gnatzy, Constanze Baruschke, Andreas Faltermeier und Jörg Herwegh. Regie führten im Team Constanze Barzuschke, Steps Lossin und Jörg Herwegh.

 

„In einer geistreichen, sprachlich sehr schönen, zwischen Mysterienspiel und Volkstheater balancierenden Darbietung, taucht das Ensemble so tief in den Stoff ein, dass man schon genau aufpassen muss, um das Gespielte, das Schauspielerische noch wahrzunehmen. Mancher Regieeinfall, manche Kostümierung ist eines Shakespeare würdig, manches Wortspiel eines Bernard Shaw, manches Irrlichtern eines Milos Forman; alles zusammen bewirkt intravenöse Fantasie-Stimulation.” (SZ)