„Charaktertest bestanden”

Wochenbilanz des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd zu Polizei-Kontrollen in Sachen Corona

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Seit dem 21. März nun schon gilt für den Freistaat Bayern die Ausgangsbeschränkung zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie. Seitdem kontrollieren die Dienststellen des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd in Rosenheim die Einhaltung der Abstands- und Schutzregeln. Wie in den Wochen zuvor, fällt auch die Wochen- und Osterbilanz positiv aus. Fast alle Menschen im südlichen Oberbayern hielten sich trotz beinahe vorsommerlichen Wetters an den Osterfeiertagen an die Ausgangsbeschränkung. Dazu Polizeipräsident Robert Kopp: „Das Osterfest fand in einer Ausnahmesituation statt, wie wir sie bisher nicht kannten. Ich bin stolz darauf, dass sich die Menschen erneut sehr diszipliniert verhalten haben.”

Genau 22.392 Kontrollen führte die Polizei im Verlauf der vergangenen Woche bis zum Morgen des heutigen Ostermontag im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd zur Durchsetzung der Verordnung der Bayerischen Staatsregierung anlässlich der Corona-Pandemie durch. Dabei wurden 3.022 Verstöße festgestellt. In 2.180 Fällen wurden Anzeigen erstattet, die meisten (2.144) davon wegen Missachtung der Ausgangsbeschränkung.

Kopp weiter: „Kein Freizeitvergnügen ist es wert, dass auch nur ein Menschenleben gefährdet wird. Sicherheit gestalten und pragmatisch agieren – die Devise unserer Kontrollen mit Augenmaß. Niemand wird gegängelt oder bevormundet. Jede unserer Kontrollmaßnahmen hat nur ein Ziel: Den höchst-möglichen Schutz vor Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus. Dazu ist räumliche Distanzierung – Social Distancing -, also Vermeidung von Gruppenbildungen und die Einhaltung eines Mindestabstands von 1,5 Metern zueinander, unabdingbar.“

Für die Kontrollen lagen die Hauptaugenmerke auf dem langen Osterwochenende. Nicht zuletzt durch das herrliche Frühlingswetter begünstigt, bereitete sich die Polizei auf eine erhöhte Kontrolltätigkeit auf den Straßen in die beliebten Ausflugsziele im Alpenvor- bzw. im Bergland vor. Mit Unterstützung von Kräften der Bayerischen Bereitschaftspolizei wurden beispielsweise an den letzten Tagen wieder mehrere Kontrollstellen auf überregionalen Straßen durchgeführt, so zum Beispiel am Autobahnende der A95 in Richtung Garmisch-Partenkirchen. Im Ergebnis hat sich eine überwältigende Mehrheit an die Empfehlung gehalten, die üblicherweise stark frequentierten touristischen „Hotspots“ zu meiden.

Motorräder blieben wieder in den Garagen

Die „Kontrollgruppe Motorrad“ des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd überwachte den Ausflugsverkehr, vor allem die beliebten Bergstrecken im Voralpenland. Erfreulich dabei: trotz idealer Wetterbedingungen und der sicherlich großen Verlockung, endlich in die Zweiradsaison zu starten, stellten die Beamten im Laufe der Woche nur wenige Biker auf den üblicherweise sehr stark frequentierten Strecken fest.

Am Karfreitag wurden von 22 kontrollierten Motorradfahrer acht wegen eines Verstoßes gegen die Ausgangsbeschränkung angezeigt. Einer davon, ein 30-jähriger Motorradfahrer aus Augsburg, hatte zuvor noch versucht sich der Polizeikontrolle am Ettaler Berg mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit zu entziehen. Auch ein Motorradfahrer aus München wendete im Bereich Murnau sofort, als er auf die Motorradstreifen der Polizei aufmerksam wurde und flüchtete mit sehr hoher Geschwindigkeit. Auch er wurde schließlich angehalten und muss neben einer Ordnungswidrigkeiten-Anzeige wegen Missachtung der Ausgangsbeschränkung außerdem mit einer Strafanzeige rechnen. Am Samstag wurden 27 Motorradfahrer kontrolliert. Fünf davon verstießen gegen die Ausgangsbeschränkung und werden deshalb zur Anzeige gebracht.

Überwachung des alpinen Geländes

Zur Überwachung des alpinen Geländes durchstreiften Einsatzkräfte der Alpinen Einsatzgruppe (AEG) täglich die Wanderwege in den heimischen Bergen und kontrollierten die Einhaltung der Rechtsverordnung, auch im Hinblick auf die vorgeschriebene Schließung von Berghütten und ähnlichen Ausflugslokalen. Wanderer wurden nur ganz vereinzelt angetroffen. Unterstützt wurden die Alpinbeamten dabei jeden Tag aus der Luft von einem Hubschrauber der Polizeihubschrauberstaffel. Der leistete am Samstag wertvolle Hilfe bei einem Rettungseinsatz: Ein Paar (28 und 30) aus Ingolstadt hatte sich bei Kreuth im schwierigen Gelände bei einer Bergtour in den „Blaubergen“ verstiegen und musste von Helfern der Bergwacht Rottach-Egern und der Alpinen Einsatzgruppe total erschöpft gerettet werden. Nach der Windenbergung setzte der Polizeihubschrauber die beiden unverletzt im Tal ab.

Problematisch ist natürlich, dass die Einsatzkräfte bei einem solchen Einsatz die allgemein geltende Regelungslage – nämlich die Einhaltung eines Mindestabstands – nicht einhalten können. Die Helfer müssen neben den alpinen Gefahren auch noch ein erhebliches gesundheitliches Risiko in Kauf nehmen.

Auch Seen und Flüsse im Auge

Die heimischen Gewässer wurden bei den Kontrollen nicht außer Acht gelassen. Die Wasserschutzpolizei Prien überwachte deshalb das Ausflugs- und Freizeitverhalten am Chiemsee. Sonst einsatzrelevante Gewässer sowie deren Uferbereiche, insbesondere das Ostufer des Starnberger Sees, des Tegernsees, des Königssees und des Waginger Sees, wurden mit Unterstützung von Diensthundeführern und der Reitergruppe des Polizeipräsidiums, aber auch von den jeweils örtlich zuständigen Polizeiinspektionen überwacht. Probleme wurden auch hier keine festgestellt. So waren zum Beispiel am Samstag auf dem Chiemsee nur ganz wenige Stand-Up Paddler und Boote auf dem See anzutreffen.

Gleichmäßig niedrige Belastung an den Feiertagen

Wenngleich die Bevölkerung den beliebten Ausflugszielen ganz überwiegend fernblieb, musste die Polizei im südlichen Oberbayern von Karfreitag bis Ostermontag bei insgesamt 7.446 Kontrollen in 982 Fällen Verstöße registrieren. 755 Anzeigen, fast alles Zuwiderhandlungen gegen die Ausgangsbeschränkung – keine Gruppenbildung, Mindestabstand 1,50 Meter, sozialer Kontakt nur mit im selben Hausstand lebenden Angehörigen – resultierten daraus.

Beispielhaft anzuführen ist der Fall einer Party in Übersee. Die eingesetzten Polizeistreifen trafen neben dem Wohnungsinhaber drei dort nicht im Hausstand lebende Personen an, die allesamt einen berauschten Eindruck machten. Eine geringe Menge Rauschgift wurde sichergestellt. Mit Anzeigen nach dem Betäubungsmittelgesetz und wegen Nichtbeachtung der Ausgangsbeschränkung wurde die Party von den Polizeibeamten beendet.

Ruhige Verkehrs- und Einsatzlage am Ostermontag

Für den heutigen Ostermontag zeichnet sich ein ähnlich ruhiges Lagebild wie in den vergangenen Tagen ab. Bis 12 Uhr stellte die Polizei ein geringes Verkehrsaufkommen auf den Straßen und kaum Ausflugsverkehr fest. Nennenswerte Verstöße im Rahmen der Kontrollen waren heute bislang nicht zu verzeichnen.

Polizeipräsident Robert Kopp und Polizeivizepräsidentin Eva Schichl äußern sich zufrieden: „Ein bemerkenswert hoher Anteil der Menschen hier im südlichen Oberbayern handelt verantwortungsvoll und beachtet die Schutzregeln. Wer Abstand hält, sorgt sich um die Gesundheit und das Leben anderer. Bitte machen Sie so weiter. Lassen Sie uns auch in den kommenden Tagen gemeinsam das Leben von Menschen retten!“

Nach derzeitigem Stand gelten die verfügten Ausgangsbeschränkungen in Bayern bis zum kommenden Wochenende, 19. April. Mitte der Woche wird die Regierung bekanntgeben, wie’s weitergehen wird.

Die Polizei im südlichen Oberbayern wird die Einhaltung der Ausgangsbeschränkung, von Veranstaltungsverboten und Betriebsuntersagungen weiterhin kontrollieren. Verstöße dagegen werden mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl unterbunden und gegebenenfalls zur Anzeige gebracht.

 

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12 Kommentare zu “„Charaktertest bestanden”

  1. Leider halten sich viele Menschen nicht an die Ausgangsbeschränkung. In unserer Straße treffen sich die Menschen in den Gärten und lustig geht es zu. Da seh ich keine Einsicht. Ich verstehe das Verhalten nicht. So viele treffen sich zuhause, erzählen es sogar noch. Und Abstand halten kennen leider auch nicht viele. Von Solidarität und Einsicht merke ich leider gar nichts. Jeder macht es heimlich. Die Beschränkung ist viel zu lasch. Das wird sich rächen. Wann kapiert ihr es endlich?

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    1. Sei nicht so streng. Für einen Herdenimmunität müssen sich mindestens 60% damit angesteckt haben. Das sind 49 Mio Menschen und einzige Aufgabe ist es, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.

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  2. Wir haben echt die lascheste Ausgangsbeschränkung. Dann wäre das, was andere europäischen Länder machen, mehr als übertrieben. Die dürfen gar nicht raus.

    Es gibt in unserem Bekanntenkreis immer mehr Coronafälle und leider auch Todesfälle. Selbst wenn man dann als geheilt gilt, haben viele Spätfolgen.

    Ich habe auch schon festgestellt, dass es keiner ernst nimmt und sich nur wenige im Eigenheim daran halten.

    Schauen wir mal wie es in ca 2 Wochen aussieht. Das kann sehr schnell umschlagen und dann das Gesundheitssystem restlos überlasten.
    Und dann wird’s strenger und länger – die Ausgangsbeschränkung. Haltet doch einfach durch.

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  3. Also Franz und Landei, sorry….aber wie wäre es mit anschwärzen…. Ist ja scheinbar ein neuer Volkssport geworden.
    Wie sagte mal Benjamin Franklin….wer seine Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, wird beides verlieren…..
    Und wie es WM treffend erläutert hat……es wird eine “Durchseuchung” stattfinden. Man muss kein Fachmann sein. Ist ein normaler Vorgang.
    Wenn das Gesundheitssystem bei einem “Grippevirus” in die Knie geht, wie wird es sein wenn man Ebola und dergleichen auf die Menschheit loslässt???? Blaupause für künftige Terroristen. Wie halte ich die Welt an…mit einem Virus…
    Ach ja, die Regierung hätte sich ja seit 2012 halbwegs darauf vorbereiten können. Da gibt es eine 17 Seitige Ausarbeitungvon unabhängigen Fachleuten, von der Bundesregierung in Auftrag gegeben, was denn bei einer Pandemie zu tun sei (kann auch eingesehen werden).
    Wer seine Hausaufgaben nicht macht, braucht sich am Ende nicht wundern, wenn einem dann alles vor die Füße fällt und der Bürger darf es aussitzen.

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  4. Letztes jahr sind in deutschland alleine knapp 69.000menschen gestorben die auf das atmungssytem zurückzuführen sind über 333.000an herz-kreislauf und das ohne corona aktuell haben wir knapp 3000mit ja mit und nicht an corona gestorben….also bitte mal alle etwas runterfahren mit der panik….die quelle ist das statistische bundesamt

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    1. @insider & @Eve – Was ist denn Ihr Vorschlag für das Weitere Vorgehen nach dem 19.04.2020?

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  5. Ganz normal weitermachen du brauchst mind.60% an erkrankten um eine immunität aufzubauen, die risikopatienten können ja gesondert geschützt werden und was ist ihr vorschlag @ du? Alles ruinieren?

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    1. @insider – Das heißt ab Montag, den 20.04.2020 alles normal laufen lassen und das eventuelle Risiko eingehen, dass jegliche Krankenhäuser überfüllt sind?
      Dass sich 60-70% anstecken (müssen) ist mir durchaus bewusst.

      Mir selbst fällt dazu keine vernünftige Lösung ein, damit es a) Keine Überlastungen gibt b) die Wirtschaft wieder normal angekurbelt wird c) etc. etc.

      PS: Warum war Ihr letzte Frage darauf gezielt, dass ich alles ruinieren möchte?

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  6. @ du das war auf die wirtschaft bezogen,wenn es keine lockerungen gibt….aber ich glaube nicht das unser gesundheitssytem dann wirklich überlastet ist

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    1. @insider – Aktuell nicht, mag aber auch an den Beschränkungen liegen,

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  7. Bei den Komentaren wundert mich nichts mehr. Ich hoffe nur dass dann noch ein Intensivbett frei ist für Insider und Co. Und wer kann sich wirklich zu 100% sicher sein, dass keine Vorerkrankung in einem schlummert? Ich denke keiner. Alles nicht so lustig. Wie sollen sich dann Eltern schützen vor ihren Kindergarten-/Schulkindern? Wer kümmert sich dann um die Kinder deren Eltern eine Vorerkrankung haben? Denkt doch mal bisschen.Es ist schwierig. Aber Rücksicht hat noch keinem geschadet.

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  8. Die Kommentatoren hier scheinen teilweise die gleichen zu sein wie bei Focus Online…. Was viele nicht bedenken ist, dass es eigentlich nicht um Herdenimmunität geht, denn der Weg dahin würde Jahre dauern und ca. 500000 Tote mit sich bringen. Vielmehr geht es um Eindämmung, um dann wieder eine Situation zu haben die kontrollierbar ist, bis ein Impfstoff da ist und der breiten Masse verfügbar ist. Menschenleben gehen vor. Risikogruppen kann man nicht schützen wenn alles wieder läuft wie vorher.

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