Cannabis-Legalisierung heißes Thema

Noch immer kommentieren die Leser teils sehr kontrovers die Meinung der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig aus Rosenheim, wonach der Konsum von Hanf-Produkten ein „No Go“ sei. Die Wasserburger Stimme sprach jetzt mit dem Legalisierungs-Fürsprecher Christoph Roßner, der international vernetzt ist und klarstellt: „Hanf ist das grüne Gold!“ Roßner ist Koordinator eines interdisziplinären Forschungsverbundes, dem er zusammen mit Professor Dr. Gundula Barsch von der Hochschule Merseburg und anderen Wissenschaftlern angehört.

Im Rahmen dieser Tätigkeit war Roßner von der WHO 2018 zur 40. und 41. ECDD-Konferenz nach Genf eingeladen (Expert Committee on Drug Dependence – Anm. d. Red.). Auch beim bayerischen Gesundheitsausschuss war er schon zu dem Thema geladen.

Unser exklusives Interview zur Thematik rund um Cannabis:

Herr Roßner, wofür setzen Sie sich in diesem Zusammenhang ein?

Ich setze mich für eine Gleichstellung für Hanf mit anderen Teedrogen ein, wie beispielsweise Tee, Kaffee oder Baldrian. Kurz und deutlich: Legalisiert Cannabis!
Im Gegensatz dazu enthält Tabak wirklich gefährliche Toxine, die schnell und stark abhängig machen sowie tödlich giftig sind.

Führt Cannabis nicht auch in die Sucht?

Hanf enthält nur natürliche Cannabinoide und die sind weder toxisch noch anderweitig gefährlich. Wir haben genug wissenschaftliche Erkenntnisse und Langzeitstudien aus Ländern, die Hanfkonsumenten schon länger nicht mehr strafrechtlich belangen. Diese und meine eigenen Erfahrungen belegen, dass reiner Hanfkonsum mit der richtigen Darreichungsform weder gesundheitliche Gefahren noch eine Suchtgefährdung birgt. Das Gehirn wird nicht, wie fälschlich behauptet, geschädigt. Das hat eine Studie aus den USA bewiesen, die 15-jährige Kiffer über 15 Jahre begleitet hat.

Ist Cannabis für Sie eine Einstiegsdroge?

Definitiv nein! Zucker ist eine Droge, weil er direkt in das Belohnungssystem unseres Gehirns eingreift und fast sofort psychisch abhängig macht. Zucker fordert in Deutschland jährlich Hunderttausende von Todesopfern wegen Folgeerkrankungen – mehr Menschen als alle illegalen Drogen zusammen. Das sollte als Gefahr für die Jugend benannt werden, nicht das Kiffen.

Die Gegner einer Legalisierung sehen Cannabis als besonders schädlich für Jugendliche an. Befürworten Sie ein Mindestalter?

Jugendschutz kann nur funktionieren, wenn man mit Lügen aufhört und mit den Kindern auf Augenhöhe diskutiert. Die meisten Eltern haben ein Hanfproblem, weil Unwahrheiten verbreitet sind und sie Angst vor dem Unbekannten gaben. Jugendschutz funktioniert nicht mit Verboten, sondern durch Vorleben und das geht nur, wenn der Staat die Erwachsenen für ihren etwaigen Hanfkonsum nicht mehr kriminalisiert.

Ist der Stoff also ungefährlich?

Natürlich birgt Cannabis auch Gefahren, nämlich die Strafverfolgung oder den Führerscheinentzug. Die Bestrafung ist das größte Problem, denn das fördert den Schwarzmarkt, der unkontrolliert horrende Preise für gepanschte Ware verlangt. Die Beimischungen von künstlichen Cannabinoiden, Opiaten oder Fentanyl – darin besteht die größte und tödliche Gefahr. Dies alles könnte mit einem geregelten Markt bekämpft werden.

Welche Erfahrungen haben Sie selbst mit Cannabis?

Ich habe es geschafft, mit Alkohol und Tabak aufzuhören. Das hatte zur Folge, dass ich jetzt mit über 50 Jahren topfit bin und trotz meiner chronischen Schmerzen, die ich durch einen Arbeitsunfall erlitten habe, leistungsfähig und lebenslustig bin. Hanf, wohlgemerkt ohne Verbrennung, hat mein Leben lebenswert gemacht.

Was sagen Sie zu Forschungen, wonach Hanf die Hirnleistung verringert oder gar Psychosen, Angststörungen oder Depressionen auslöst?

Viele dieser Forschungen sind aus einer Zeit, in der ein Grund gesucht wurde, Cannabis komplett weltweit zu verbieten. Schon Anfang des vorherigen Jahrhunderts wurde die Hanffaser durch Lobbyinteressen geächtet und kriminalisiert. Bis dahin war der sogenannte Knaster der Trostspender des kleinen Mannes. In den 60er und 70er Jahren wurde dann massiv durch die Pharmalobby Einfluss auf die Gesetzgebung genommen, um bestimmte Heilpflanzen zu verbieten. Hanf ist nur aus rein finanziellen Gründen verboten worden. Forschungen, die eine Gefahr von Hanf belegen, werden immer mehr als fehlerhaft entlarvt.

Was hätte die Legalisierung für Folgen?

Wir hätten rund 2,5 Milliarden Euro mehr Steuereinnahmen, wenn man Hanf wie Tabak besteuern würde. Die Polizei hätte etwa 75 Prozent weniger Einsätze und die Justiz könnte ungefähr 900 Millionen Euro jährlich einsparen. Doch das Wichtigste wäre, dass endlich der Verfolgungsdruck aus der Gesellschaft genommen würde.

Was macht Sie zum international anerkannten Experten?

Mein Wissen über die vielseitige Nutzung von Hanf habe ich mir mit Studien und Forschungen die letzten 35 Jahre autodidaktisch beigebracht, obwohl das illegal ist/war. Diese Arbeit und der Zusammenschluss auf internationaler Ebene haben mir die Möglichkeit gegeben, mein Wissen über Hanf zu vergrößern, weiter zu geben und andere dazu zu bewegen, auch Forschungen an dieser Pflanze vorzunehmen.

Sie haben sogar ein Unternehmen gegründet, das sich ausschließlich mit der Erforschung von Hanf beschäftigt …

Nach 15 Jahren Planungszeit und fünf Anträgen bei der Bundesopiumstelle habe ich vor fünf Jahren „Bunker Pflanzenextrakte GmbH“ gegründet und zusammen mit Professor Dr. Wolfgang Eisenreich von der TU München dann ein einzigartiges Forschungsprojekt zu hoch THC-haltigem Hanf ins Leben gerufen. Daraus hat sich dann die Firma www.xphyto.com entwickelt. Mittlerweile hat das Unternehmen eine Börsenwert von ca. 200 Millionen Dollar.

„Verkrustete Denkweisen“

Wie waren Ihre Kontakte zur Politik bisher?

Marlene Mortler, die Bundesdrogenbeauftragte vor Daniela Ludwig, habe ich schon einmal getroffen und mit Ihr auch diverse Modelle durchgesprochen, leider ohne Erfolg. Frau Ludwig hat mir noch keine Audienz gewährt, da Hanf für unsere jetzige Drogenbeauftragte sehr negativ belastet ist und jeder, der sich positiv dafür einsetzt, ein durchgeknallter, böser Kiffer ist, der es einzig auf die armen Kinder abgesehen hat.

Diese verkrustete Denkweise ist bei diesen „besorgten Müttern“ schwer zu durchbrechen. Und doch sehen Frau Mortler und Frau Ludwig Bier ab 16 Jahren als unbedenklich an. Dies ist aus heutiger, wissenschaftlicher Sicht krebserregender und suchtgefährdender als ein Haschischkeks.

Sie haben eine Studie über die Behandlung von Corona-Patienten mit Cannabis durchgeführt. Was kam dabei heraus?

Das Ergebnis gibt Hoffnung, dass wir mit Hanf eine Möglichkeit haben, um den Verlauf von Covid-19 massiv abzuschwächen und positiv zu beeinflussen. Es zeigt sich, dass hier deutliche Verbesserungen durch Hanf erzielt wurden, was beispielsweise Atemnot, Schlafstörungen oder Angstzustände betraf.

Frau Professor Dr. Barsch hat letzte Woche die Cannabis-/Covid-19-Studie abgeschlossen und veröffentlicht.
Generell aktiviert Cannabis die Selbstheilung. Es hat entzündungshemmende, antivirale und antibakterielle Fähigkeiten, die wir gerade erst seit fünf Jahren erforschen können. In Israel wird Hanf schon seit 25 Jahren in Altenheimen erfolgreich angewandt – ohne große rechtliche Hürde.

Welche Staaten könnten Deutschland im Umgang mit Cannabis als Vorbild gelten?

Da haben wir als bestes Beispiel Kanada mit seiner Legalisierung, denn die Lebensverhältnisse entsprechen denen von Deutschland. Dort kiffen rund 15 Millionen erwachsene Menschen, das ist ein gutes Drittel. In Deutschland gibt es etwa 35 (O-Ton Roßner!) Millionen Menschen, die täglich Hanf konsumieren. Allein München verkifft an einem Tag 500 Kilo Hanf.

Warum ist Deutschland so zurückhaltend?

Weil wir im Bier- und Weinland leben! Viele deutsche Politiker sind Bier- oder -Weinkönig, Vorstand im Brauerbund oder im Winzerverband. In den Staaten, in denen Hanf freigegeben wurde, sanken die Steuereinnahmen auf Spirituosen um 40 Prozent, Einsätze wegen häuslicher Gewalt gingen um 65 Prozent zurück und die Drogenkriminalität sank um bis zu 80 Prozent. Würde hier eine gesunde Konkurrenz durch Hanf entstehen, wäre das – finanziell betrachtet – schlecht.

Wie sehen Sie die Zukunft?

Obwohl Frau Ludwig ihren Kreuzzug gegen die Hanfkonsumenten fährt, wird sich die Legalisierung nicht aufhalten lassen. In Deutschland wird gekifft und das wird sich nicht ändern.

Das Interview führte unser Mitarbeiter Christopher Fritz

 

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