Cannabis legalisieren – ja oder nein?

Vom Polizeichef bis zum Hanfverband: JU-Chef aus Rott begrüßte Experten

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Der Kreisverband der Jungen Union Rosenheim-Land hatte ins Rizz nach Rosenheim zu einer Podiumsdiskussion eingeladen: „Cannabis-Legalisierung pro und contra – ein Expertengespräch“. Unter diesem Titel machte der JU-Kreisvorsitzende Matthias Eggerl (Mitte) in seiner Begrüßung klar: „Viele junge Menschen beschäftigt dieses Thema, deshalb wollen auch wir es offen diskutieren“. Zudem sei der Tag passend gewählt, da zugleich auch der UN-Welttag gegen Drogenmissbrauch und es genau eine Woche her sei, dass Kanada beschlossen habe, Cannabis-Konsum zu legalisieren. Als Gäste hatte die Junge Union den Präsidenten des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd, Robert Kopp (2. von links) …

… den Geschäftsführer der Neon-Suchthilfe Rosenheim, Ludwig Binder, den Sprecher des Deutschen Hanfverbands in München, Micha Greif, und den in Rosenheim niedergelassenen Nervenarzt, Andreas Böhm, eingeladen. Die Moderation übernahm die stellvertretende JU-Kreisvorsitzende Annette Resch.

Micha Greif vom Deutschen Hanfverband sprach sich schon zu Anfang eindeutig für die Legalisierung aus: „Wir geben hier Milliarden an Steuergeldern aus für ein Verbot, das offensichtlich nicht funktioniert. Wir sollten endlich aufhören, dieses Geld zu verschwenden und die Wirtschaft zu hemmen, sondern versuchen, neue Steuergelder durch die Cannabis-Legalisierung zu generieren“.

Auch in Portugal hätte man mit großen Drogenprobleme zu kämpfen gehabt. Dann habe man alle Drogen entkriminalisiert und seitdem problematische Konsumenten zu einer Therapie verpflichtet, wodurch die Zahl der Drogentoten stark zurückgegangen sei. Greif fragte weiter: „Warum wird die Drogen-Aufklärung an Schulen von der Polizei durchgeführt, obwohl es eigentlich ein Fall für Sozialarbeiter ist? Schüler können dann ja garnicht über ihre Probleme reden, weil gleich ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird“.

Auch seien Schulen mittlerweile der größte Drogenumschlagsplatz. „Ein Drogendealer fragt aber nicht nach dem Alter eines Käufers – legale Geschäfte fragen aber schon“, erklärte Greif. Außerdem würde der Schwarzmarkt eingedämmt, da die Konsumenten genaue Wirkstoffangaben und das Risiko gepanschter Produkte meiden wollen und deshalb trotz höherer Preise legal kaufen. Durch eine Legalisierung könnten hier wesentliche Fortschritte gemacht werden.

Polizeipräsident Robert Kopp hingegen positionierte sich klar gegen die Legalisierung von Cannabis: „Ich bin seit 40 Jahren Polizeibeamter und kenne das Leid, das damit verbunden sein kann, deshalb bin ich klar dagegen“.

Dem Argument, dass durch die Legalisierung Steuergelder gespart und sogar zusätzlich eingenommen werden könnten widersprach er. „Der Schwarzmarkt wird auch nach einer Legalisierung weiter existieren, weshalb hier nur unwesentlich viel Steuergeld eingespart werden kann. Die Legalisierung, wäre bestimmt mit einer Altersgrenze für den Verkauf verbunden und die Steuern, die auf Cannabis-Produkte erhoben würden, werden den legalen Konsum verteuern. Diese Lücke wird der Schwarzmarkt ausfüllen. Außerdem verdienen viele Leute durch den illegalen Verkauf von Cannabis viel Geld. Die werden sich wegen der Legalisierung keinen Bürojob suchen, sondern versuchen, hier weiter Geld zu verdienen. Schlussendlich hätten wir nur eine Verlagerung.“

Jedenfalls würde das Risiko von Verkehrsunfällen und Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis steigen. Das müsse man sich halt überlegen, wenn man dieses gesamtgesellschaftliche Großexperiment eingehe, so Kopp deutlich.

Ludwig Binder von Neon hingegen sprach sich für einen neuen, differenzierten Umgang mit Cannabis aus: „Wir sollten uns als Gesellschaft die Frage stellen: Wollen wir möglichst wenig Konsumenten oder möglichst wenig Suchtkranke? Den Umgang mit Alkohol lernen Jugendliche früh. Durch die völlige Illegalisierung haben sie jedoch keine Chance, den richtigen Umgang mit Cannabis zu lernen, wodurch wiederum die Suchtgefahr bei dessen Konsum steigt“. Nur zehn Prozent der Konsumenten seien wirklich suchtkrank. „Was ist mit den anderen 90 Prozent?“, fragte Binder. Bei einer stringenten Regulierung biete die Legalisierung von Cannabis viele Chancen, die man im Moment komplett aus der Hand gebe, weil einfach alles verbannt sei.

Nervenarzt Andreas Böhm warnte zwar, dass auch Cannabis-Konsum nicht ungefährlich sei: „In der Pubertät bilden die Nervenzellen neue Verknüpfungen. Jugendliche, die regelmäßig konsumieren, sind später oft weniger leistungsfähig und adynam“, so Böhm. Und dass Cannabis eine Einstiegsdroge sei, sei inzwischen wissenschaftlich widerlegt. „Aber es besteht die Gefahr für akute Psychosen und Angstzustände, wobei dies von der Einnahmeform, der Dosis und einer Disposition für diese Erkrankungen abhängt“, so Böhm weiter.

Seit den neunziger Jahren sei die Zahl der Suchtkranken vor allem auch durch den höheren Wirkstoffgehalt des Cannabis auf dem Schwarzmarkt angestiegen.

Die Legalisierung wäre eine Chance, zu wissen, was und wieviel man konsumiert. Im Moment, seien alle Konsumenten nur auf die verfügbaren Produkte angewiesen, ohne zu wissen, wie hoch der Wirkstoffgehalt ist. Durch die Legalisierung könnte ein Konsument auch eine schwache Dosierung erwerben, was wohl auch die meisten Konsumenten tun würden. Dadurch würde die Suchtgefahr eingedämmt.

Einig waren sich jedoch alle Teilnehmer, dass schlussendlich der Wähler über die Legalisierung entscheide.

„Wir als Junge Union Rosenheim-Land werden heute keine Position zur Legalisierung von Cannabis beziehen. Aber die heutige, durchaus kontroverse Diskussion hat uns viele Erkenntnisse gebracht – damit wir das Thema intern weiter diskutieren können“, so Eggerl abschließend.

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