„Belastung wird für uns unerträglich“

Bürgerinitiative in Kornberg kämpft weiter gegen Bauschutt-Schredder-Anlage

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Völlig übergangen fühlen sich die Bewohner von Kornberg, Limburg und Attel bei der Genehmigung einer Bauschutt-Schredder-Anlage in der benachbarten Kiesgrube. Sie hatten ihre Bedenken bei der Stadt Wasserburg und beim Landratsamt Rosenheim angemeldet. Gerhart Zwirglmaier, Sprecher der Bürgerinitiative, schüttelt den Kopf: „Unser Ansuchen auf eine förmliche Anhörung wurde abgelehnt, weil es sich hier angeblich nach dem Immissionsschutzrecht um eine kleine Anlage handelt. Wir befürchten für uns eine unerträgliche Belastung.“

Nachdem sich einige Ortsbewohner daran erinnert hatten, dass genau unter dem Standort der geplanten Anlagen in der ehemaligen und jetzt verfüllten Kiesgrube Giftmüll vergraben worden war, erhielt auch das Landratsamt Rosenheim davon Kenntnis. „Obwohl das Landratsamt zuständige Bodenschutzbehörde ist, wurde dieser Hinweis völlig ignoriert. Eine erneute Anfrage beim Landratsamt, ob es dennoch für die auf Giftmüll stehende Anlage die Genehmigung erteilen werde, blieb ohne Antwort.  das Amt leitete diese Anzeige lediglich für weitere Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft Traunstein weiter“, so der Sprecher.

Zwirglmaier weiter: „Auch wenn bei Bodenverschmutzung eine Straftat vorliegen sollte, kann die Zuständigkeit für die allgemeine Gesundheitsvorsorge nicht ohne weiteres an eine andere Behörde delegiert werden. Vom Landratsamt ergriffene oder geplante Maßnahmen zum Schutz von Boden- und Grundwasserverunreinigungen sind uns bisher nicht bekannt.“

Dafür erteilte das Landratsamt wenige Tage nach der Anzeige des Gift-Depots dem Antragsteller die Genehmigung zum Antransport, Schreddern und der Abfuhr von 240.000 Tonnen Bauschutt pro Jahr. „Wenn das ausgenutzt wird – und welcher Unternehmer würde sich das entgehen lassen – bedeutet das täglichen, ohrenbetäubenden Lärm, Luftverunreinigungen durch Staub, außerordentliche Verkehrsbelastung: In Summe alle Unannehmlichkeiten einer Großbaustelle vor unseren Häusern. Und das täglich zwischen 7 und 18 Uhr, einschließlich der Samstage“, so der Sprecher.

Nachdem die entsorgungspflichtigen Gebietskörperschaften im Landkreis und auch in den Nachbarlandkreisen keine dieser Anlagen betreiben, müsse mit einem Bauschutt-Tourismus gerechnet werden. Gerade in Kornberg, aber auch in den anderen Ortsteilen hätten in den letzten Jahren mehrere junge, noch wachsende Familien in den Neubau ihrer Häuser investiert. „Die Häuser stehen nur 100 Meter von der Anlage entfernt. Die Anwohner befürchten eine unerträgliche Lärmbelästigung, gesundheitsschädliche Staubemissionen und eine gefährliche Verkehrsbelastung auf den Straßen der Umgebung. Sie haben nur zufällig von diesem Vorhaben erfahren. Mit der Beeinträchtigung einer Großbaustelle vor ihrem Fenstern verlieren diese Eigenheime einen Großteil ihres Wertes, bevor sie überhaupt fertig gestellt sind. Keiner dieser Bauwilligen wurde von diesem schädlichen Vorhaben vorher informiert“, sagt Zwirglmaier.

Auch die Stiftung Attel, eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung mit mehr als 1000 Beschäftigten, habe nichts von dieser Anlage gewusst und sei von den nachteiligen Folgen betroffen. „Die Umgebung muss sich hier auf eine Dauer-Beschallung einstellen. Das trifft nicht nur die Anwohner, sondern auch alle Spaziergänger und die vielen Radler auf dem Inntalradweg.“

Eine Aktion der Bürgerinitiative hat bereits 1000 Unterschriften gegen den Betrieb der Schredderanlage erbracht. „Gegen den erstellten Bewilligungsbescheid haben wir bereits rechtliche Schritte eingeleitet“, teilt die Bürgerinitiative mit.

Foto: Dieser Tage machte sich auch Landtagsabgeordneter Otto Lederer (links), ein Bild vom Sachstand in Kornberg.

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