„Bauern brauchen Brückenbauer”

Kreisbauerntag in Rosenheim in der vollbesetzten Inntal-Halle

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Eine lange Tradition hat in Rosenheim am oder um den Maria-Lichtmeß-Tag der Kreisbauerntag des Bayerischen Bauernverbandes. Dabei wird gewöhnlich auf die aktuelle Entwicklung in der Landwirtschaft und auf die Situation für die Landwirte geschaut und zahlreiche Ehrengäste, insbesondere aus der Politik, geben mit ihrem Besuch den Bäuerinnen und Bauern Rückhalt. In derzeit ganz und gar nicht einfachen Zeiten brauchen die Bauern Unterstützung und, wie mehrfach in der voll besetzten Inntalhalle zu hören war, brauchen sie vor allem „Brückenbauer”.

Josef Bodmaier, der seit 2011 als Kreisobmann die Verantwortung für die verbandspolitische Meinungsbildung trägt, begann seine Begrüßung mit den Worten: „Was ist los im Landkreis Rosenheim, in diesen nicht einfachen Zeiten?“ Er rief zu aktiver Dialog-Bereitschaft mit der Bevölkerung auf.

Die Gründe für seine Sorgen und für seinen Aufruf sind vielfach: Einmal aktuell die sogenannte „Bauern-Milliarde“, die mit Auflagen verbunden ist. Hierzu sagte Bodmaier: „Die Erzeugerpreise dümpeln dahin, da wäre es uns lieber gewesen, wenn diese wieder gegenüber den Leistungen der landwirtschaftlichen Betriebe gerechter werden würden.“

Zur Düngeverordnung sagte er: „Die Werte von Grundwasserströmen können nicht innerhalb von zwei Jahren geändert werden, das kann Jahrzehnte dauern, besonders wir Bauern selbst haben ein Interesse an gutem Grundwasser, aber manchmal haben wir das Gefühl, dass Deutschland auf dem Rücken der Bauern Musterknabe in der Welt sein möchte.“

Auch zum Flächenverbrauch und zum Flächenausgleich bezog Bodmaier Stellung. Verärgert zeigte er sich, dass zum Thema Tierschutz „Unwissenheit und Unwahrheiten in den Diskussionen vorherrschen”. Er appellierte an die Verbraucher, an der Ladentheke zugunsten der Land- und Marktwirtschaft zu entscheiden. Die Forderungen im Rahmen der Anbindehaltung bezeichnete er für die kleinbäuerliche Landwirtschaft als nicht erfüllbar und die Molkereien kritisierte er, dass diese Milchpreis-Differenzierungen für Betriebe mit oder ohne Anbindehaltung vornehmen. „Seit Jahrhunderten sind Werte, Tradition, Verantwortung und Bodenhaftung von existenzieller Bedeutung, das sollte auch die Gesellschaft kritisch hinterfragen. Oft haben wir das Gefühl, dass die Leute, die unsere Arbeit, Leistungen und Erzeugnisse kritisieren, alles besser wissen, obwohl sie weder Säen noch Ernten.“

 

Einer der „Brückenbauer” für die Landwirte im Landkreis Rosenheim ist stellvertretender Landrat Josef Huber aus Babensham. Er ist selbst Bauer. Huber lobte in seinem Grußwort den Kreisobmann dafür, dass in Rosenheim Bio-Bauern und konventionell arbeitende Bauern gleichbehandelt würden. „In den eineinhalb Jahren, in denen ich jetzt meine Aufgabe als Landrat wahrnehme, haben wir immer darauf geschaut, dass im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten zugunsten der Landwirte entschieden worden ist, zumal Kleinbetriebe nicht mit Großbetrieben verglichen werden können“, so Huber, der der großen in Rosenheim versammelten Landwirte-Gemeinschaft auch fortan alles Gute für Haus, Hof und Familie wünschte.

Ein eigens gegründeter Arbeitskreis mit dem Thema „Landwirtschaft im Dialog in der Gesellschaft“ soll nach den Worten der Initiatoren Hans Maierhofer und Wolfgang Hampel das Defizit in der öffentlichen Wahrnehmung verringern. „Die Welt dreht sich schneller, als wir meinen, deshalb müssen wir den Dialog mit den Städtern und Verbrauchern noch stärker als bisher suchen“, so Wolfgang Hampel, der noch darum bat, die Themen ernst, ehrlich und realistisch zu erörtern.

In verschiedenen Veranstaltungen soll auch der Dialog mit der Jugend gesucht werden, um insgesamt in der öffentlichen Diskussion eine Deeskalation zu erreichen. Landkreis- und ämterübergreifend haben sich Bauern auch dem Wasserschutz verschrieben. Beispielhaft informierte Seppi Wimmer über die Projekte am Simssee und am Pelhamer See. In diesem Zusammenhang sagte er: „Uns Bauern ist eine gute Wasserqualität ein ureigenstes Anliegen, die neue Düngeverordnung hilft hier nicht wirklich, sie zwingt uns zu Investitionen in Riesen-Maschinen.“

 

„Land schafft Verbindung (LSV)“ – diese bundesweit inzwischen strukturierte Organisation und selbstständige Bewegung auf Basis von Whats-App-Gruppen bewies bei der Versammlung in Rosenheim, dass inhaltlich ein Schulterschluss mit dem Bauernverband erfolgt ist. „Alle Bauern und Landwirte gehören zusammen, viele von der Politik in Europa festgelegten Entscheidungen zerstören unsere bayerischen Agrarstrukturen und sie bedeuten das Aus für die bäuerlichen Familienbetriebe. Die Milliarden-Zusage löst die Problematik in der Landwirtschaft und in der Lebensmittelwirtschaft nicht, deswegen werden wir mit  unseren friedlichen Bulldog-Protesten weitermachen“, so LSV-Sprecher Josef Hofmayer aus Rimsting, der die anwesenden Landwirte ermunterte, ihre Traktoren aufzutanken und ihre Handys eingeschaltet zu lassen und der seinen Auftritt mit einem Konrad-Adenauer-Zitat beendete. Der erste Kanzler der Bundesrepublik sagte einmal: „Die Bauern braucht man nicht zu fürchten, außer sie halten zusammen“.

 

Anton Hötzelsperger

 

BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier (links) mit Geschäftsführer Josef Steingraber.

 

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5 Kommentare zu “„Bauern brauchen Brückenbauer”

  1. Wenn wir den Bauern Brücken bauen, fahren sie darauf herum. Es wäre besser, wir würden ihnen Felder bauen – so wie früher direkt hinter dem Hof.

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  2. Eigentlich sollte der Einzelhandel und die Handwerksbetriebe auch mal demonstrieren. Die müssen auch mit sinnlosen und teuren Auflagen zurechtkommen! Nebenbei verfallen die Preise durch das Internet! Im Einzelhandel wird man hauptsächlich auf die Preise reduziert. Fotografieren von Ware und Preisen ist gang und gebe! Nebenbei kämpfen sie mit Personalmangel! Viele kleine Betriebe mussten schon schließen und werden schließen müssen in Zukunft! Als mit dem Zerfall von Preisen und Auflagen habt nicht nur ihr Bauern zu kämpfen! Das Handwerk und der Einzelhandel vor Ort zahlt Gewerbesteuer und bietet ortsnahe Arbeitsplätze. Aber die bekommen keine Milliarden Unterstützung. Keiner Interessiert sich! Selbst die Bauern kaufen im Internet und Großmärkten, drücken die Arbeitszeiten der Handwerker. Nicht alle! Aber selber auf die Straße gehen und über ihren Preisverfall demonstrieren! Liebe Einzelhändler und Handwerker, warum demonstriert ihr nicht und macht euch aufmerksam wie’s um eure Familienbetrieben steht? Vielleicht fühlten sich die Bauern nicht mehr so allein im Kampf ums Überleben.

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  3. Sorry, liebe Bauern. Langsam müsste sogar der letzte von euch kapieren, dass es so nicht weiter geht.

    Es sollten nur noch Landwirte Subventionen bekommen, die nachhaltig und ökologisch wirtschaften!!
    Schließlich sind es unsere Steuergelder, die ihr bekommt. Ihr bringt Umweltgifte aus, verseucht das Grundwasser mit Nitrat, haltet Lebewesen in Massentierhaltung usw. Und jetzt sagt bitte nicht, der Verbraucher zwingt euch dazu.

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    1. Zur Ergänzung: Überschüssige Bioprodukte, die nicht gekauft werden (zu teuer für manchen?) müssen zum Schleuderpreis auf den Markt geworfen werden. Produziert wurden sie aber – bedingt durch die entsprechenden Auflagen – weitaus teurer als konventionell erzeugte. Niemand kann sich auf Dauer erlauben seine Arbeitskraft zu verschenken.

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  4. Zumindest in Teilen der Bevölkerung wäre durchaus Dialogbereitschaft vorhanden. Aber, so meine Erfahrungen gerade aus den letzten Monaten: Wenn man dann in einem Gespräch die Rolle der Landwirtschaft beim Umweltschutz auch einmal kritisch hinterfragt, wird es sofort hitzig und emotional. So lassen sich dann am Ende eben leider keine gemeinsamen Lösungen finden!

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